Die Mathematische Denkweise pp 24-35 | Cite as
Formfragen der Musik
Zusammenfassung
Die vornehmste Aufgabe aller Kunstwissenschaft muß eine Anleitung zum Genuß der Kunstwerke sein. Denn zur Freude für den Menschen, zur Erhöhung seines Daseins über das tägliche Leben und Treiben sind sie geschaffen, so sollen sie auch verwendet werden. Aber es gibt viele Arten des Kunstgenusses, und nicht alle sind Ziel der Wissenschaft. Man kann sich rein rezeptiv verhalten, willig, die Gefühle aufzunehmen, die das Kunstwerk in uns hervorrufen wird, und sich hiermit begnügen. Daß dies möglich ist, lehrt die tausendfache Erfahrung, aber nur wenige Objekte leisten es in befriedigender Weise. Es sind die allbekannten Kompositionen großer Meister, ferner die leichte Tagesproduktion, welche noch zu neu ist, um zu langweilen, aber einfach genug, um jedermann unmittelbar einzugehen. Dies ist die niedrige Art des Kunstgenusses, die Plato als Hedonè bezeichnet. Das Vermögen, auf dem sie beruht, ist von Kepler in folgender Weise formuliert worden: „Es stecket in dieser niederen Welt eine geistige Natur, der Geometria fähig, welche sich an den geometrischen und harmonischen Verbindungen ex instinctu creatoris sine ratiocinatione (durch einen vom Schöpfer eingegebenen Trieb ohne Anwendung von Verstand) erquicket und zum Gebrauch ihrer Kräfte selbst aufmuntert und antreibt.“
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