Zusammenfassung
»...äh äh bel- zu be- bewerkstelligen« — Wer dies am Morgen unter Zeitdruck in die Kamera spricht, läuft Gefahr, sich selbst am Abend im Fernsehen so zu erleben, zusammen mit Hunderttausenden anderer Zuschauer, etwa mit Kunden, Arbeitskolleginnen und Vorgesetzten, die darauf zurückkommen werden. Ein Medienauftritt bedeutet dreifache Belastung:
Erstens tritt man in den Medien stellvertretend auf, für eine Organisation, eine Teilöffentlichkeit, ein Fach. Dabei können die Erwartungen von Rollensendern — wie Arbeitgebern, Fachkollegen und Teilöffentlichkeiten — auseinander klaffen. Rollenkonflikte sind also vorprogrammiert.
Zweitens ist die Zusammenarbeit mit den Medienschaffenden geprägt von den industriellen Produktionsroutinen eines Medienbetriebs, die sich etwa niederschlagen in domänentypischen Gesprächsformen und die deshalb spezifische Gesprächskompetenz bedingen. Es eilt immer.
Und drittens setzt man sich über Mikrofon und Kamera indirekt einer diffusen, dispersen Öffentlichkeit aus, die im Medienbeitrag nur einen Ausschnitt des Auftritts vermittelt bekommt, kaum zurückfragen kann und sich doch in wenigen Sekunden ein Bild macht. Man ist ausgestellt. In diesem Dreieck von Kommunikationsauftrag, Produktionsroutinen und öffentlicher Meinungsbildung findet also das statt, was in Beratungsangeboten als »Umgang mit Medien« bezeichnet wird.
Das vorliegende Kapitel skizziert drei prototypische Situationen, die für Coaching im Umgang mit Medien sprechen (■ Abschn. 5.5.1), leuchtet an diesen Beispielen den Spielraum für die Zusammenarbeit mit Medien aus (■ Abschn. 5.5.2), steckt die Anforderungen an Coachings ab (■ Abschn. 5.5.3), bündelt Empfehlungen für die Suche eines geeigneten Coachs (■ Abschn. 5.5.4) und zieht eine kritische Bilanz aus dreifacher Sicht: des Coachs, des Coachee und der nicht gecoachten Öffentlichkeit.
Preview
Unable to display preview. Download preview PDF.
Literatur
- Becker-Mrotzek, M. u. Brünner, G. (2004). Der Erwerb kommunikativer Fähigkeiten: Kategorien und systematischer Überblick. In: Becker-Mrotzek, M. u. Brünner, G. (Hrsg.). Analyse und Vermittlung von Gesprächskompetenz, S. 29–46. Frankfurt/M.: Lang.Google Scholar
- Bendel, S. (2004). Gesprächskompetenz vermitteln: Angewandte Forschung? In: Becker-Mrotzek, M. u. Brünner, G. (Hrsg.). Analyse und Vermittlung von Gesprächskompetenz, S. 67–87. Frankfurt/M.: Lang.Google Scholar
- Burger, M. u. Filliettaz, L. (2002). Media Interviews: an intersection of multiple socialpractices. In: Candlin, C. N. (Hrsg.), Research and practice in professional discourse, S. 567–588. Hongkong: City University Press.Google Scholar
- Deppermann, A. (2004). »Gesprächskompetenz«: Probleme und Herausforderungen eines möglichen Begriffs. In: Becker-Mrotzek, M. u. Brünner, G. (Hrsg.). Analyse und Vermittlung von Gesprächskompetenz, S. 7–14. Frankfurt/M.: Verlag für Gesprächsforschung.Google Scholar
- Dörig, R. u. Pilz, M. (2006 i.V.). Beratungssituationen gestalten. St. Gallen, Institut für Wirtschaftspädagogik.Google Scholar
- Hymes, D. (1972). On communicative competence. In: Pride, J. B. u. Holmes, J. (Hrsg.). Sociolinguistics, S. 269–293. Harmondsworth: Penguin.Google Scholar
- Perrin, D. (2004). Journalistisches Schreiben: Coaching aus medienlinguistischer Perspektive. In: Knapp, K., Antos, G., Becker-Mrotzek, M., Deppermann, A., Göpferich, S., Grabowski, J., Klemm, M. u. Villiger, C. (Hrsg.). Angewandte Linguistik: Ein Lehrbuch, S. 255–275. Tübingen: Francke.Google Scholar
- Perrin, D. (2006). Medienlinguistik. Konstanz: UVK.Google Scholar
- Steiger, T. (2003). Das Rollenkonzept der Führung. In: Steiger, T. u. Lippmann, E. (Hrsg.). Handbuch angewandte Psychologie für Führungskräfte: Führungskompetenz und Führungswissen, Bd.1, S. 43–73. 2. Aufl. Berlin, Heidelberg, New York: Springer.Google Scholar