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Introduction

Heiner Mühlmann Was ist Augendienerei? Augendienerei ist Display-Verhalten. Ein Beispiel: Jemand gibt einem Bettler ein Almosen und weiß, dass eine bekannte Dame ihm dabei zuschaut. Er hatte oh- hin die Absicht, diesem Bettler etwas zu geben. Plötzlich stellt er fest, dass die Dame ihn beobachtet. Er bemerkt, dass sein Verhalten sich verändert, und dass er es nicht verhindern kann, augendienerisch zu handeln. Es entsteht ein Zwei-Kanal-Kommunikationssystem. Der erste Kanal ist der Sachkanal. In ihm geht es nur um den Geber und den Empfänger des Almosens. Der zweite Kanal ist der D- play-Kanal. In ihm erfolgt die Übertragung der Szene an den Zuschauer. Den Begriff „display“ habe ich mir von der Zoologie ausgel- hen, genauer gesagt von der Ethologie. Dort bedeutet er: „Von der Evolution verändertes Verhalten, das Information üb- trägt“. Der große Haubentaucher zum Beispiel ergreift mit dem Schnabel Nestbaumaterial und richtet sich dann im Wasser vor einem Weibchen auf. Er will jetzt kein Nest bauen. Er führt - diglich ein Nestbau-Display auf. Die Information, die er üb- trägt, ist die Paarungsabsicht. Der Triumphbogen beispielsweise, ist ein reines Display-- bäude. Es liefert den Vorwand für das Hindurchmarschie- 1 ren einer Armee, die bei ihrem Marsch keinen militärischen Zweck verfolgt. Sie führt nur ein Display des Triumphs für die zuschauende Zivilbevölkerung auf. Der Sachkanal dieses - ?lees betrifft die Logistik, die erforderlich ist, um Truppene- heiten von einem Startpunkt zu einem Zielpunkt zu leiten. Der Display-Kanal überträgt eine Botschaft an die Zuschauer.

Keywords

Architektur Design Krieg Kunst Panikarchitektur Politik Religion Umwelt

Bibliographic information

  • DOI https://doi.org/10.1007/978-3-211-71907-7
  • Copyright Information Springer-Verlag/Wien 2008
  • Publisher Name Springer, Vienna
  • Print ISBN 978-3-211-71906-0
  • Online ISBN 978-3-211-71907-7
  • Series Print ISSN 1863-6411
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