THE JUNG-FERENCZI DOSSIER

Abstract

The acquaintance between Sándor Ferenczi and C G Jung pre-dates their first encounter with Sigmund Freud. Later, a triangular relationship developed when the three men crossed the Atlantic together and spent an extended period in one another’s company. Ferenczi’s friendship with Jung could not survive the latter’s break with Freud, but its development between 1907 and 1913 is evidenced by unpublished letters from Jung to Ferenczi, found in the Ferenczi Archive, now at the Freud Museum.

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Notes

  1. 1.

    Ihr ganz ergebener.

  2. 2.

    Both these incidents refer to Freud, Jung and Ferenczi’s 1909 trip to the United States.

References

  1. Dupont, J. (2013). Ferenczi at Maresfield Gardens. American Journal of Psychoanalysis, 73 (1), 1–7.

    Article  PubMed  Google Scholar 

  2. Ferenczi, S. (1932). The clinical diary of Sándor Ferenczi. J. Dupont (Ed.), M. Balint & N. Z. Jackson (Trans.). Cambridge, MA: Harvard University Press, 1988; second printing, 1995 (Original work published in French in 1985).

  3. Freud, S. & Ferenczi, S. (1908–1914). The Correspondence of Sigmund Freud and Sándor Ferenczi, Volume 1, 1908–1914. E. Brabant, E. Falzeder, P. Giampieri-Deutsch & A. Haynal (Eds.), P. T. Hoffer (Trans.). Cambridge, MA: Harvard University Press, 1993.

  4. Freud, S. & Jung, C. (1906–1914). The Freud/Jung letters: The correspondence between Sigmund Freud and Carl Jung. W. McGuire (Ed.), R. Manheim & R. F. C. Hull (Trans.). London: Penguin Books, 1979.

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Acknowledgements

Many thanks to Professor Kai Wehmeier of UCLA, Irvine, California, for help with the translation, to Dr. and Mrs. F. Wehmeier for deciphering the handwriting of the letters and to The Ferenczi Archives, Freud Museum, London, especially Curator, Byrony Davies and Deputy Director, Ivan Ward for their help.

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Affiliations

Authors

Corresponding author

Correspondence to Tom Keve.

Additional information

A version of this paper was presented at “Sincerity and Freedom in Psychoanalysis” conference at the Freud Museum, October 2013.

1Tom Keve, Ph.D is a scientist, a Fellow of the Institute of Physics, London, UK.

APPENDIX

APPENDIX

Original German text of the letters from Carl Gustav Jung (and Emma Jung) to Sándor Ferenczi

Dr. C. G. Jung

Privatdocent der Psychiatrie

Burghölzli, Zürich

Verehrter Herr College! 01.10.07

Besten Dank für Ihre Nachrichten. Sie waren ja förmlich verschollen! Ich habe immer lebhaft bedauert, dass Sie nicht mehr Zeit zur Verfügung hatten (was auch danach leider für mich der Fall war), soeben ich nur Gelegenheit für einige Weisheitssprüche hatte und nicht für eine tüchtige wissenschaftliche Arbeit, die einem ja immer gutthut, auch wenn man später keine wissenschaftlichen Aufgaben ergreifen will. So habe ich jetzt auf Ihnen ein gewisses sentiment d’ incomplitude, nämlich dass Sie bei uns nicht alles profitiert hätten, was Sie hätten profitieren können.

Wir haben jetzt hier eine Freud’sche Gesellschaft gegründet, die etwa alle 14 Tage zusammen kommt. Am letzten Freitag hatten wir die erste Zusammenkunft, wobei Dr. Maier und Dr. Riklin Referate hatten. Es waren 12 Personen anwesend. Ich empfehle Ihnen, später, wenn Sie einmal mehr Leute zu Freud verführt haben, das Gleiche zu thun. So etwas ist ungemein fördernd.

Das Jendrassik’sche Urtheil wundert mich gar nicht. Bei uns hat sogar Bezzola, der ja nur von Freud lebt, das gleiche Urtheil. Ich habe in Amsterdam gesehen, dass die Leute noch ganz erschreckend wenig wissen und deshalb geradezu blödsinnig urtheilen.

Es ist sehr aufmerksam von Ihnen, dass Sie hier etwas vergessen haben (!). Ich werden Ihnen die Sache gleich schicken. Dem Dr. Maier werde ich alles ausrichten.

Ihre Handschrift hat sich auffallend verändert, wenn ich Ihren jetzigen und Ihren früheren Brief vergleiche. Im Namen Freuds erlaube ich mir die Bemerkung, dass Ihre frühere Handschrift das Symptom einer leichten Geziertheit zeigte, das jetzt ganz verschwunden ist. (Geziertheit: Unzufriedenheit mit der socialen Lage, verdrängter Ehrgeiz und dessen nicht befriedigte Wünsche, Imponieren-Wollen oder Gefallen-Wollen.) Jetzige Handschrift: Stärkeres und natürliches Hervortreten der Gefühle. Im Anfang des Briefes noch etwas Hemmungsgefühle. Ganz im Anfang bei der Anrede Gefühl der intellectuellen Concurrenz, bei “Sehr” (geehrter Herr etc.) am stärksten ausgesprochen mit Erinnerung an den Sexualcomplex=“S”. Bei? ist die Sexualstelle. Ihr Selbstbewusstsein tritt jetzt stärker und natürlicher hervor. früher: “L”, jetzt: “α”. etc.

Verzeihen Sie gütigst, man kann das Métier nicht lassen.

Empfangen Sie die herzlichsten Grüsse von Ihrem ganz ergebenen

Jung

Viele Grüsse an Dr. Stein

***

Dr. C. G. Jung

Privatdocent der Psychiatrie

Burghölzli-Zürich

Sehr geehrter Herr College! 08. 11. 07

Empfangen Sie meinen besten Dank für den interessanten Zeitungsausschnitt (Brit. Med. Journ.), ich lese dergleichen immer mit Vergnügen. Ich muss mich entschuldigen, dass ich Ihnen so lange auf Ihren letzten Brief nicht antwortete. Ich bin derart von Arbeit überhäuft, dass meine Corespondenzen immer lange liegen bleiben. Ich habe gegenwärtig 2 Leute im Laboratorium, die mir viel zu thun geben. Vor kurzem bin ich Honorary fellow of the American Institute for Scientific Research geworden, eine Gesellschaft, die hauptsächlich Psychologie und occulte Phaenomene studiert.

Das ist mir, meiner Dissertation wegen geschehen. Unsere Freudgesellschaft blüht. Wir haben jetzt 22 Mitglieder. Hoffentlich machen Sie in Budapest auch gute Schule.

Bezügl. Graphologie ist zu empfehlen das Buch von Crepieux-Jamin, sowie Laura Meyer (von Albertini). Letzteres ist noch besser.

Grübelsucht: Warum wird gegrübelt? Verlegung der Libido auf intellektuelle Bethätigung aus Compensation einer defecten Sexualität. Ich glaube, die Analyse ist nicht vollständig. Die Traumata aus der Vergangenheit sind zwar herausgeholt, aber der Conflict der Gegenwart ist nicht klar. Warum wird an der falschen Beurtheilung der Libido festgehalten? Haben Sie versucht, in einem ruhigen Zustande der Concentration sich alle successiv sich darbietenden Einfälle geben zu lassen? Es müssen in solchen Fällen sozusagen tagtäglich falsche Anknüpfungen vorkommen, die successive alle aufgeklärt werden müssen. Solche Behandlungen dauern immer sehr lange. Im Falle des jungen Schriftstellers habe ich Verdacht auf Dem. praecox. Das hindert nicht eo ipso am Erfolg. Im dritten Fall (Jurist) ist nachzusuchen, warum er Onanie mit so starken Unlustgefühlen verknüpft. Das muss ihm abanalysiert=aberzogen werden. Suggestion in Hypnose thut in solchen Fällen oft Gutes. Zwangsmenschen sind in der Regel tüchtige und begabte Leute. Es ist die Hysterie des moralisch Starken.

Ihr Fall von Gedankenübertragung ist sehr schön.

Wenn Sie Gelegenheit haben, sollten Sie einmal meine Versuche, die ich in meiner Dissertation beschrieben habe, nachmachen. Die Exteritorialisierung der Complexe ist ein wunderbares Problem. Ich habe in letzter Zeit interessante Erfahrungen damit gemacht. Auch die physikalischen Phaenomene des Spritismus gehorchen den Freud’schen Gesetzen. Ich habe durch eine Analyse sehr markante physikalische Geräusche zum plötzlichen Verschwinden gebracht. In einer der letzten Nummern der Neuen Deutschen Rundschau ist ein in dieser Beziehung sehr interessanter Fall („Der Fall Karin“) berichtet.

Beste Grüsse an Sie und an Dr. Stein

von Ihrem

stets ergebenen Jung

***

Dr. C. G. Jung

Privatdocent der Psychiatrie

Burghölzli-Zürich

Lieber Herr College! 04. 01. 08

Besten Dank für Ihren langen und ausführlichen Brief. Ich muss Sie eigentlich bewundern, wie Sie es im Getümmel der Basis fertig bringen, Ihre Fälle so eingehend zu erforschen. Für die Mitteilungen aus Ihrem Material bin ich Ihnen selbstverständlich ausserordentlich dankbar, denn mir fehlt dieses Material bisher gänzlich. Was den Mann mit der Ohraffektion und den Stimmen anbetrifft, so stimme ich mit Ihrer Darlegung ganz überein. Das functionelle (hysterische) Symptom lokalisiert sich immer gerne an einem locus minoris existenciae.

Ich konnte das vor vielen Jahren an mir selbst constatieren. Ich leide schon seit langem links an einem leichten sehr hoch tönenden Ohrgeräusch. Eine Zeitlang bemerkte ich, dass ich jeweils im hypnagogischen Stadium die prachtvolle Stimme einer Opernsängerin hörte, die im Nebenzimmer sang. Eben um die Zeit verehrte ich eine junge Dame, die eine prachtvolle Singstimme besass. Wie sich später herausstellte, habe ich eine ähnliche Gehörillusion gehabt.

In gleicher Weise fliessen auch die Complexe in die hypnagogischen Visionen ein.

Oder der Ort eines körperlichen Trauma’s wird der spätere Schauplatz hysterischer Manifestation. Körperliche Störungen erzwingen sich immer eine gesteigerte Aufmerksamkeitsbesetzung. Jede solche Besetzung muss die Complexe heranziehen, die ein integrierender Bestandtheil der Persönlichkeit sind. Auf diesem Wege wird auch irgend ein traumatischer Complex an die schon bestehenden Complexe assimiliert, wofür unzählige Beispiele existieren.

Sie werden mich sehr verbinden durch Mitteilungen von Ihren Fällen, denn dadurch gewinne ich werthvolles Vergleichsmaterial.

Ihre Fälle von Spätepilepsie kann ich nicht recht beurtheilen, da ich sie nicht kenne. Ich weiss darum nicht, ob sie sich zur Veröffentlichung eignen. Ich glaube eher, dass Ihre anderen Complexanalysen, d.h. solche die besonders treffend sind, sich zur Veröffentlichung eignen. Es fehlt in der Litteratur besonders an solchem Material, das auch breitere ärztliche Schichten interessieren kann. Was bis jetzt an Analysen existiert, ist für den Durchschnittsnervenarzt immer noch viel zu compliciert. Gerade Ihre Beobachtungen aus der täglichen Praxis heraus könnten in dieser Beziehung sehr viel Gutes thun. Mein Amsterdamer Vortrag wird nun hoffentlich bald im Druck erscheinen. Ich werde Ihnen dann einen Abzug schicken.

Ich hoffe sehr, Sie an der Freudzusammenkunft in Salzburg im Frühjahr begrüssen zu dürfen.

Mit herzlichen Grüssen und Wünsch zum neuen Jahr

Ihr ergebener

Jung

***

Dr. C. G. Jung

Privatdocent der Psychiatrie

Burghölzli-Zürich

Mein lieber College! 12. 12. 08

Vor allem meinen besten Dank für die freundliche Zusendung Ihres Separatums, dass ich mit grossem Interesse schon in der Bresler’schen Zeitung gelesen habe. Ich habe gesehen, dass bei Ihnen der Unterschied von damals und jetzt nicht gross geworden ist. Ich bin Ihnen sehr dankbar für die Nachrichten, die Sie mir über Ihre jetzige Lebensart gegeben haben. Es freut mich besonders, zu vernehmen, dass Sie nun rein psychoanalytisch arbeiten können. Das muss Ihnen besondere Genugthuung gewähren.

Das Sie ein Centrum der Anfeindung werden, begreife ich weitgehend, denn mir geht es alsgemach ebenso. Besonders die engeren Fachgenossen wissen sich kaum zu halten. Natürlich steckt die Concurrenzangst auch dahinter.

Wie Sie wahrscheinlich schon wissen werden, ziehe ich mich von der ausschliesslichen Irrenhausthätigkeit zurück und arbeite theils praktisch, theils theoretisch. Die Sache erfordert meine ganzen Kräfte. Das “Jahrbuch” wird mir auch ordentlich zu thun geben. Bis jetzt ist der Stoffandrang erheblich. Für den II. Halbjahrband haben wir noch etwas Raum frei, den ich Ihnen gerne für eine nicht zu umfangreiche Publication zur Verfügung stellen möchte.

Zum Schluss möchte ich Sie bitten, mein jeweiliges höchst unanständiges und langes Schweigen tel quel zu acceptieren. Es will weiter nichts besagen, als dass ich sehr in Anspruch genommen bin und mir nie die Zeit zum Schreiben nehme. Wenn Sie mich aber freundlichst treten, so reagiere ich. Ich bin eben in einem gewissen Sinne untugendhafterweise ein Augenblicksmensch, sonst aber nicht so schlimm.

Ich möchte Ihnen gerne auch ein Separatum schicken, habe aber nichts, denn die Schüler verschlingen alle mein übrige Zeit. Der demnächst erscheinende I. Halbjahrband des “Jahrbuches” wird wieder eine Kleinigkeit bringen. Auf die Arbeit Freud’s kann sich Jedermann freuen, dass ist was Grossartiges.

Mit besten Grüssen und Wünschen

Ihr stets ergebener

Jung

***

Dr. Med. C. G. Jung, LL.D.

Privatdocent der Psychiatrie

1005 Seestrasse, Küsnacht-Zürich

Lieber Freund! 12. 06. 11

Es würde mich sehr freuen, wenn Sie im September zu mir kommen wollten. In den Wochen vor dem Congress sind Freud und seine Frau unsere Gäste, sodass wir Sie nicht beherbergen könnten. Aber sehen könnten wir uns trotzdem. Auch Putnam wir hier sein.

Ihre Resultate werden mich ausserordentlich interessieren. Das Wenige, dass ich zu diesem Gebiete gewonnen habe, werde ich Ihnen gerne erzählen, auch die Irrthümer. Ich habe keine Absicht, die Sachen zu publicieren, da ich meine Resultate nicht für genügend ansehe. Ich überlasse sie Ihnen gerne, wenn Sie davon Gebrauch machen wollen. Ich halte den Moment allerdings für noch nicht gekommen, um officiell damit an die Öffentlichkeit zu treten. Wir haben noch zu wenig Autoritäten auf Seiten der Ψα. Ich glaube, wir müssen deshalb vorderhand noch sehr zurückhaltend sein.

Im Vertrauen gesagt beschäftige ich mich eifrigst mit den geheimen Künsten wie nur je Einer im Mittelalter, aber ich lasse es öffentlich nicht heraus. Ich habe sehr viel zu thun. Das Leben hat mir auch einige schwere Lasten aufgeladen.

Mit herzlichen Grüssen

Ihr ganz ergebener

Jung

***

Dr. Med. C.G. Jung, LL.D.

Privatdocent der Psychiatrie

1005 Seestrasse, Küsnacht-Zürich

Lieber Freund! 5.11.1912

Ich musste, wie Sie sahen, Ihrer Polemik gegen Bleuler eine kleine Milderung anhängen, Ihre Rechtfertigung werden Sue im II.Teil meiner Libidoarbeit finden, wo ich die Infantilbedeutung der Abstinenztechnik andeutungsweise beleuchte. Der eigentliche Grund meines Schreibens ist der: Ich möchte Sie in Namen einer Patientin anfragen, ob Sie vielleicht gewillt wären, einen polnischen Dozenten (Geschichte) zu dem niedrigen Satze von 10. Kronen behandeln würden. Er war bereits bei mir einige Zeit, und ich kann ihn als einen sehr intelligenten und liebenswürdigen Menschen Ihnen empfehlen. Ich habe ihn ebenfalls für 10frs. Behadelt. Gewisser Umstände halber könnte seine Uebersiedelung nach Budapest in Frage kommen.

Mit den besten Grüssen

Ihr ganz ergebener

Dr. Jung

***

E.J. Küsnacht, d. 31 Oktober 1910 (11)

Lieber Doktor Ferenczi!

Ich danke Ihnen herzlich für Ihren freundlichen und eingehenden Brief, der mir sehr beruhigend war. Ich glaube Sie haben recht, wenn Sie das was ich “Widersatand” bei Frued nannte, darauf zurückführen, dass er mit der letzten Arbeit meines Mannes nicht in allen Teilen einverstanden ist und es unterliess, sich darüber auszusprechen. Er sagte nämlich fast gar nichts darüber, was mir natürlich auch meinem Mann, sehr auffallend war.—Nachdem Sie mir nun versichern, habe ich mein Herz in beide Hände genommen und Freud geschreiben und ihn auch direct um seine Ansicht über die Arbeit gebeten. Ich weiss bestimmt, dass mein Mann darüber sehr froh wäre, da er den jetzigen Standpunkt als etwas unnatürlich empfindet. Er weiss aber natürlich nicht, dass ich Freud geschreiben habe.

Nun bin ich natürlich auf die Antwort höchst gespannt und habe etwas Angst, ich könnte es doch ungeschickt angefangen haben. Doch Liess mir das Unbewusste keine Ruhe und ich tröste mich damit, dass man eigentlich selten fehl geht, wenn man sich siener Führung anvertraut.

Ihnen danke ich von Herzen für Ihren guten Rat und Ihre freundschaftliche Gesinnung und bin mit besten Grüssen

Ihre

Emma Jung

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Keve, T. THE JUNG-FERENCZI DOSSIER. Am J Psychoanal 75, 94–109 (2015). https://doi.org/10.1057/ajp.2014.58

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Keywords

  • correspondence
  • Carl Jung
  • Emma Jung
  • Ferenczi
  • society for psychical research
  • occultism