Auto-mobil im hohen Alter - wie lange geht das gut?

Dhingestellt sei, ob Kurt Tucholsky Recht hatte mit seinem bösen Bonmot, der Deutsche fahre Auto nicht wie andere Menschen, sondern um Recht zu haben. Offenkundig ist, dass Autofahren bei uns hochgradig emotional besetzt ist. Diskussionen über ein Tempolimit oder über die verpflichtende Überprüfung der Fahreignung für Ältere finden immer wieder zuverlässig ihren Weg in die Schlagzeilen. In ihrem CME-Artikel bringen Stefan Spannhorst und Christine Thomas das Thema Fahrtauglichkeit im Alter prägnant und lesenswert auf den Punkt. Empfehlung: Unbedingt lesen! Danach an der CME teilnehmen und den Artikel an einem sicheren Ort aufheben. Das Thema steht nicht jeden Tag auf der Tagesordnung einer Allgemeinpraxis - aber wenn, dann ist fundierte Information Gold wert.

Einen weiteren der durchweg interessanten Beiträge dieser Ausgabe möchte ich wegen seiner Pandemie-Aktualität herausgreifen. Die Kommunikation mit Maske ist erschwert. Das kennt jeder, z. B. aus dem Supermarkt. Gerade schwerhörige Menschen sind aber zusätzlich zur akustisch transportierten Botschaft auch auf Mimik und Lippenlesen angewiesen. Dass für sie die Maske eine besondere Erschwernis bedeutet, davon handelt der Beitrag von Maria Schuster und ihrem Autorenteam.

Neue Rechtssituation bei der Sterbehilfe

Vor ziemlich genau 11 Jahren ist die Patientenverfügung als vorausverfügte Willenserklärung zum Rechtsinstitut erhoben und im Bürgerlichen Gesetzbuch verankert worden. Alles klar also? Mitnichten. Sowohl in der allgemeinen als auch in Teilen der ärztlichen Öffentlichkeit sind die Unsicherheiten noch erheblich. Ein Beispiel aus meiner palliativmedizinischen Praxis: Eine 69-jährige Patientin, nach einem schweren Schlaganfall vor zwei Jahren zu Hause vom Ehemann aufopfernd gepflegt und mittlerweile in einem wachkomaartigen Zustand. Die ganze Familie ist sich einig, dass sie eine künstliche Ernährung in diesem Zustand niemals gewollt hätte. Erstaunlicherweise existiert auch eine gleichlautende, eindeutige und auf die Situation zutreffende Patientenverfügung. Ich fragte den Ehemann, warum es trotzdem seit Monaten keine Reaktion auf diese Willenserklärung gebe "Herr Doktor, es ist so schwer", antwortete er. "Keiner von uns weiß, wie das jetzt geht, auch unsere Hausärztin nicht. Sie meinte, das sei Sterbehilfe."

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© gradyreese / Getty Images / iStock

Ein wegweisendes Urteil zu diesem Thema hat jüngst das Bundesverfassungsgericht gefällt. Es ging um die geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung und § 217 StGB, mit dem in Deutschland Sterbehilfevereine nach dem Vorbild der Schweiz außen vor gehalten werden sollten. Die Richter haben diesen Paragrafen für verfassungswidrig erklärt. Da tun Erklärung und Erläuterung Not, und diese liefert Kristin Memm in ihrem Artikel.

Ich wünsche Ihnen eine anregende und erhellende Lektüre des neuesten "Geriatrie-Reports"!

Herzlichst, Ihr

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"Autofahren ist bei uns hochgradig emotional besetzt. Diskussionen über verpflichtende Überprüfung der Fahreignung für Ältere finden zuverlässig ihren Weg in die Schlagzeilen."

Dr. med. Joachim Zeeh

Internist, Geriater und Palliativmediziner Sozialwerk Meiningen gGmbH

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Zeeh, J. Auto-mobil im hohen Alter - wie lange geht das gut?. Geriatr Rep 15, 3 (2020). https://doi.org/10.1007/s42090-020-0630-8

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