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, Volume 5, Issue 2, pp 32–32 | Cite as

Autos erlernen das Fahren

  • Alexander Welscher
Schwerpunkt International
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Lettland: An autonom fahrenden Autos arbeiten große Auto- und Technologie- Konzerne. Aber auch ein Start-up aus Lettland will den Markt aufrollen.

© Pilot Automotive Labs

Das lettische Unternehmen Pilot Automotive Labs bietet eine vergleichsweise günstige Lösung für Selbstfahrer-Autos.

Es geht um nichts weniger als den Markt der Zukunft: Autobauer, Branchenzulieferer, Technologiekonzerne, Fahrdienst-Vermittler und Dutzende Start-ups — sie alle wittern das große Geschäft und investieren, was das Zeug hält, in autonom fahrende Auto. Zwischen ihnen ist ein Wettlauf um die Neugestaltung der Mobilität ganz ohne Menschen am Steuer entbrannt.

Während viele Entwickler von automatisierten Fahrfunktionen oder von Fahrzeugen, die sich irgendwann komplett selbstständig fortbewegen sollen, ihre Projekte quasi im Geheimen vorantreiben, gibt sich Rihards Gailums relativ offen. Denn der Lette will anders als Wettbewerber nicht das Auto neu erfinden. Mit seinem Start-up „Pilot Automotive Labs“ arbeitet er an einer technischen Lösung, mit der zugelassene Fahrzeuge nachgerüstet werden können und die verspricht, jedes Auto autonom zu machen.

„Es ist ein universelles Modul und muss nicht tief in das Auto integriert werden“, sagt Gailums über den von ihm vor zwei Jahren entwickelten Pilot Mini. Jeder durchschnittlich technikaffine Autofahrer soll das Modul selbst einbauen können — auf der Windschutzscheibe hinter dem Rückspiegel. Das Modul ist mit Radar- und Kamera-Sensoren sowie intelligenter Software ausgestattet, sodass mit seiner Hilfe die Umgebung wahrgenommen und die gesammelten Daten interpretiert werden können. Erfasst werden Abstände und Fahrbahnmarkierungen. Das Radarsystem kann von hinten auftauchende Fahrzeuge erkennen. Die Sensoren warnen vor besonderen Gefahren auf der Straße. Erkannte Signale wie Verkehrsschilder, Ampeln oder auch nahende Fußgänger werden auf einem Touchscreen eingeblendet.

Durch Verbindung mit einer „Drive by wire“-Komponente könnten auch einfache Fahraufgaben übernommen werden. Der Wagen kann sich beispielsweise selbstständig auf Kurs halten. Dafür regelt das Assistenzsystem nicht nur Gas und Bremse, sondern greift auch in die Lenkung ein, erläutert Gailums. Damit könnte das Auto selbstständig einer vorprogrammierten Strecke folgen und sich mit einer Cloud verbinden, um von Verkehrssituationen zu lernen und Daten zu teilen. Wenn er von selbstfahrenden Autos spricht, betont Gailums vor allem die Sicherheit. Dazu führt er große Zahlen ins Feld: Rund um die Welt gebe es im Jahr gut 1,2 Millionen Verkehrstote. Davon sterben 93 Prozent durch menschliche Fehler. Diese Opfer zu vermeiden sei sein Ziel. Dazu setzen er und sein Team auf Markttests und Machbarkeitsnachweise, um den Pilot Mini bis 2019 regulär auf die Straßen zu bekommen.

Universalmodell für rund 1.000 US-Dollar

Rund 1.000 US-Dollar soll das Universalmodell kosten. Den Vertrieb sollen Autozubehör-Händler übernehmen. Auch markenspezifische Modelle soll es geben — wie jetzt schon für den KIA Soul oder den Jaguar XE verfügbar. Entwickelt werden die Module in den USA, genauer im „Portland Tech Incubator“ von Jaguar Land Rover. Zuvor hatte Pilot Automotive Labs mit Nissans Luxusmarke Infiniti kooperiert.

Tests fahren will Gailums auch in seiner Heimat: Zusammen mit dem Telekommunikationsanbieter LMT und Forschungsinstituten baut er in Riga eine Teststrecke für selbstfahrende Autos. Unterstützt wird die Initiative von Lettlands Regierung, die den rechtlichen Rahmen dafür schafft.

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2018

Authors and Affiliations

  • Alexander Welscher
    • 1
  1. 1.Deutschland

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