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, Volume 5, Issue 2, pp 3–3 | Cite as

Taxi Surprise

Editorial
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Der Spott schien Dorothee Bär schnell sicher. Dabei hatte die Staatsministerin für Digitales doch Anfang März im „heute-journal“-Interview bestätigt, dass sie Investitionen in Infrastrukturen für wichtig halte, indes gehöre mehr dazu. Beispielsweise mithilfe nutzbarer Netzwerke autonom oder „mit einem Flugtaxi durch die Gegend“ zu fahren. Gedanken zur Zukunft darf man dergestalt offensichtlich hierzulande nicht äußern, ohne dass Bedenkenträger dies als Blödsinn brandmarken. Oder darf nur Frau nicht?

Die Bär-Bewertungen schwanken zwischen anerkannter Kompetenz und ungewollter Komik. Klar ist, dass sie als Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium quasi unter Welpenschutz stand und künftig mehr liefern muss als flotte Sprüche. Aber auch wenn sie an diesem 19. April erst ihren 40. Geburtstag feiert, müssen Medien wie der „Münchner Merkur“ sie nicht reduzieren auf „jung, hübsch, spontan“. Für den schwachen Scherz über die CSU-Politikerin in der „heute-show“ wählte sogar Oliver Welke die anspruchslose Abmoderation: „Warum nicht mal ein bisschen vorausdenken?“ Genau!

Direktor Hans-Peter Emil Dürr vom Max-Planck-Institut für Physik erntete keine Häme für seine Aussage: „Anstatt das Automobil immer weiter zu entwickeln, sollten wir uns überlegen, wie wir Mobilität in Zukunft anders gestalten.“ Daimler-Chef Dieter Zetsche rügte niemand für seine Flugkörpervision: „Dieses Ding — nennen wir es ruhig weiterhin Auto — wird sich in drei Dimensionen bewegen können.“ Ohne Angriffe äußerte die Deutsche Bischofskonferenz: „Niedrigpreise produzieren eine Nachfrage nach Flugreisen, die im Widerspruch zu einer Entwicklung nachhaltiger Mobilitätskonzepte und Lebensstile steht.“

Richtig: Wir benötigen auch eine Art von Taxi Surprise. Airbus arbeitet weder ahnungslos noch umsonst an Fahrzeugen für „Urban Air Mobility“. Verlangt ist forsches Vorwärtsdenken, um Transformation hier und in Europa vernünftig voranzutreiben. Für ein dicht besiedeltes Transferland geht es außer um Breitband in der Tat vor allem um integrierte Verkehrsplanung mit intelligentem Mobilitäts-Management. Verstopfte Verkehrsadern lähmen wahrlich nicht nur die Wirtschaft. Täglich 4.000 Kilometer Stillstand registriert der ADAC in seiner „Staubilanz 2017“ und damit erneut vier Prozent mehr gegenüber Vorjahr.

Fast eine halbe Million Stunden, die Verkehrsteilnehmer nur im Stau verbringen, verursachen jedes Jahr unfassbar hohe betriebs- und volkswirtschaftliche Schäden. Deshalb ist das „return“-Team aufgebrochen, um für diese Ausgabe nach Alternativen für mehr Mobilität im Mittelstand zu fahnden. Erfreuliches Ergebnis: Es gibt sie. Noch fehlen genug Veränderungswille und Angebote. Emotionen und Bequemlichkeit stehen im Weg. Vorurteile verhindern Fortschritt, Vorbilder vermitteln Vorsprung. Kluge Menschen fahren vorausschauend. Umdenken ist Kopfsache. Meist mangelt’s leider daran.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Deutschland

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