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Pflegezeitschrift

, Volume 71, Issue 5, pp 62–62 | Cite as

Pflege am Ende des Lebens — Eine Herausforderung für Azubis und Studierende

  • Oliver Ludwig
Impuls der Wissenschaft
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Vor allem für Auszubildende und Studierende ist die Konfrontation mit dem Sterbeprozess manchmal sehr belastend. Ursula Halbmayr-Kubicsek nutzte ein qualitatives Studiendesign um die Erfahrungen von Studierenden der Pflege im Kontext der „End-of-Life Care“ zu erforschen und zu verstehen.

Zu den Aufgaben in der professionellen Pflege gehört auch die Versorgung sterbender Menschen. Für Pflege-Neulinge in Ausbildung oder Studium bedeutet dies manchmal eine große emotionale Herausforderung. Sie machen oft schon zu Beginn ihrer Lehrzeit erste Erfahrungen mit der „End-of-Life Care“, wodurch Hilflosigkeit, Angst und Überforderung entstehen können.

Die vorliegende österreichische Studie, geleitet von der Frage: „Wie erleben Studierende der Pflege im Rahmen ihrer Praxiseinsätze die Pflege von sterbenden Menschen?“, hatte das Ziel, Erfahrungen und Gefühle zu bündeln und darzustellen. Die daraus resultierenden Erkenntnisse sollten außerdem examinierten Pflegekräften Verständnis für die besondere Situation der Auszubildenden in diesem Zusammenhang vermitteln. So könnten sie, so die Hoffnung der Autorin, die Azubis sensibilisiert begleiten.

Halbmayr-Kubicsek wählte für ihre Forschung einen qualitativen Ansatz in Anlehnung an die deskriptive Phänomenologie nach Husserl. So sollten holistische und individuelle Aspekte des Erlebens der Pflege sterbender und verstorbener Menschen während des Praxiseinsatzes erfasst und tiefgehend untersucht werden. Für dieses Vorhaben wurden 26 Studierende der Pflege an unterschiedlichen Studienstandorten interviewt. Alle Befragten befanden sich zwischen dem zweiten und dem siebten Semester ihrer Ausbildung.

Überforderung vermeiden

Zur Untersuchung wurde die offene, schriftliche Befragung mit Hilfe leitfadengestützter Fragebögen als Word-Dokument per E-Mail gewählt. Die Erhebung der Daten fand zwischen Oktober 2015 und November 2016 statt. Die strukturierende qualitative Inhaltsanalyse erfolgte in den sechs Hauptkategorien:
  1. 1.

    Pflege sterbender Menschen

     
  2. 2.

    Konfrontation mit Verstorbenen

     
  3. 3.

    Pflege des Leichnams

     
  4. 4.

    Support

     
  5. 5.

    Umgang mit Sterben und Tod

     
  6. 6.

    Umgang mit Angehörigen

     

Unter dem Aspekt „Pflege sterbender Menschen“ konnten 39 positive, 15 belastende und zwölf negative Erfahrungen identifiziert werden. Im Gegensatz zu den Akutstationen im Krankenhaus wurde die „End-of-Life Care“ im Altenheim und auf Palliativstationen positiv erlebt. Die Gefühle, die der erste Anblick von Verstorbenen bei den Studierenden auslöste, reichten von positiv über ambivalent bis hin zu belastend. Sieben Studierende erwähnten belastende Erlebnisse in Zusammenhang mit der Pflege des Leichnams. Drei der Befragten empfanden die Kommunikation bei der Pflege des Leichnams als negativ. Bezüglich der Unterstützungsangebote, die die Befragten im Zusammenhang mit „End-of-Life Care“ erhielten, äußerten sie sich überwiegend positiv. Jedoch berichteten auch elf Studierende über fehlende oder mangelnde Unterstützung im Rahmen ihres Praxis-Einsatzes. In der Kategorie „Umgang mit Sterben und Tod“ wurde thematisiert, wie sich durch die Erfahrungen in der pflegerischen Praxis die eigene Einstellung und Haltung zu und Sterben und Tod verändert haben. Das Thema „Angehörige“ wurde von neun Studierenden aufgegriffen, wobei der Umgang mit trauernden Angehörigen überwiegend als schwierig erlebt wurde.

Kommentar

Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit sind für die pflegepädagogische Arbeit sehr interessant. Die Reform der Pflegeberufe in Deutschland steht in den Startlöchern. Im Jahr 2020 soll die generalistische Pflegeausbildung endlich umgesetzt werden. Im Curriculum der neuen Pflegeausbildung sollte dann unbedingt berücksichtigt werden, dass die Auszubildenden und Studierenden bereits in den ersten beiden Theorieblöcken ihrer Ausbildung auf das Thema der „End-of-Life Care“ vorbereitet werden. Um die Auszubildenden und Studierenden vor einer emotionalen Überforderung zu bewahren, sollte im Zuge der curricularen Gestaltung der neuen Pflegeausbildung ebenfalls die sorgsame Planung der Einsätze auf den Stationen berücksichtigt werden. So wäre es wünschenswert, wenn Praxiseinsätze auf onkologischen Stationen und Intensivstationen sowie in Palliativabteilungen und Hospizen nicht bereits während des ersten Ausbildungsjahres absolviert werden müssten. Außerdem werden gut ausgebildete Praxisanleiter und Mentoren benötigt, die die jungen und unerfahrenen Pflegenden während ihrer Ausbildung begleiten.

Quelle

  1. Halbmayr-Kubicsek U. Tod und Sterben begegnen — End-of-Life Care im Rahmen des Pflegestudiums. Pflegewissenschaft 11/12-2017. DOI: 10.3936/1532 Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.JenaDeutschland

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