Pflegezeitschrift

, Volume 71, Issue 3, pp 63–63 | Cite as

Bei der Kompressionstherapie kommt es auf das richtige Material an

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Die Basis einer jeden Kompressionstherapie sind gut sitzende Strümpfe, die weder rutschen noch einschnüren. Im Gespräch erklärt Prof. Knut Kröger, wie wichtig in diesem Zusammenhang das geeignete Material ist. Denn, wenn die Strümpfe angenehem zu tragen sind, ist auch die Therapietreue der Patienten höher und die Kompressionstherapie erfolgreicher.

? Herr Professor Kröger, Sie legen den Fokus auf eine patientenindividuelle Versorgung mit Kompressionsstrümpfen. Was bedeutet das im Detail?

Kröger: Die gängige Lehrmeinung besagt: Je höher der Kompressionsdruck ist, desto besser ist die Therapie. Andererseits sinkt mit der Höhe des Kompressionsdrucks die Therapietreue des Patienten. Es ist eine Herausforderung, einen Mittelweg zu finden. Bei den Patienten, die ein sehr fortgeschrittenes Krankheitsbild aufweisen, muss ein möglichst hoher Druck erzielt werden. Aber viele dieser Patienten haben Komorbiditäten, Versteifungen in der Hüfte und Wirbelsäule oder zu wenig Kraft in den Händen, so dass sie die Kompressionsstrümpfe nicht anziehen können.

? Auf welche Kriterien sollte neben der Diagnose bei der Kompressionstherapie noch geachtet werden?

Kröger: Neben den klassischen Komorbiditäten, der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) und der Polyneuropathie, sollten das Alter, die Mobilität der Patienten, das Gewicht sowie die Schwere der Venenerkrankung und die Phlebödemneigung berücksichtigt werden. Wichtig ist, den Patienten an einen Kompressionsstrumpf zu gewöhnen, der zu seinem Leben und Alltag passt. Auch der Umgang mit dem Strumpf ist ein Thema. Anziehhilfen sind außerdem zu wenig verbreitet.

? Die mediven Beobachtungsstudie belegt, dass in Deutschland die Einheitsversorgung überwiegt. Patienten bekamen überwiegend einen Strumpf aus leichtem Material in der Kompressionsklasse 2 verschrieben. Wie beurteilen Sie dieses Ergebnis?

Kröger: Die Studie hat gezeigt, dass in der Betreuung der Patienten noch Potential steckt. Meiner Meinung nach müssen wir die Patienten aber nicht in die Kompressionsklasse 3 oder 4 drängen. Manchmal reicht vielleicht bei einem älteren Patienten die Kompressionsklasse 1 aus. Viel entscheidender ist für mich die richtige Wahl des Materials, denn sie hat ebenfalls Einfluss auf die Therapietreue des Patienten und damit auf den Therapieerfolg.

? Welche Eigenschaften sind bei einem medizinischen Kompressionsstrumpf besonders wichtig?

Kröger: Der Patient will, dass der Strumpf erstens nicht rutscht und zweitens nicht einschnürt. Drittens muss der Strumpf leicht anzuziehen sein. Und viertens möchte der Patient beim Tragen des Strumpfes keinen Juckreiz bekommen. Modische Patienten stellen darüber hinaus noch einen optischen Anspruch an den Strumpf. Unabhängig von der Kompressionsklasse des Strumpfes ist die Akzeptanz viel größer, wenn der Kompressionsstrumpf gut sitzt und das geeignete Material hat.

? Was ist vor allem bei der Hautpflege zu beachten?

Kröger: Die Hautpflege rückt häufig erst in den Fokus, wenn der Patient bereits Juckreiz oder andere Hautauffälligkeiten hat. Ich spreche die Hautpflege bei meinen Patienten gleich zu Beginn an und sage, dass die Haut durch die Venenerkrankungen selber empfindlicher und trockener sein kann und es bei langfristiger Anwendung von Kompressionsstrümpfen zu einer Verschlechterung der Symptome kommen kann. Männern erkläre ich, dass sich stark behaarte Unterschenkel mit dem Ausziehen des Strumpfes enthaaren können, weil die Haare hängen bleiben. Haben die Patienten keinen Ansprechpartner für dieses Thema, ist es wieder ein Grund, warum der Strumpf nicht getragen wird.

Prof. Dr. med. Knut Kröger Chefarzt der Klinik für Angiologie Helios Klinikum Krefeld

? Würden Sie sagen, dass diese Eigenschaften die Therapietreue erhöhen?

Kröger: Ja, denn schnürt der Strumpf ein oder zieht ihn der Patient mehrmals am Tag hoch, trägt er ihn nicht lange. Unabhängig von der Kompressionsklasse des Strumpfes ist die Akzeptanz viel größer, wenn der Kompressionsstrumpf gut sitzt und das geeignete Material hat

? Gibt es noch einen weiteren Faktor, der den Erfolg der Kompressionstherapie wesentlich beeinflussen kann?

Kröger: Ein Patient bekommt beim ersten Mal zwei Paar Strümpfe verordnet — eines davon als Wechselversorgung. Betrachten wir den Hygiene-Aspekt, ist das nicht ausreichend, denn natürlich möchte jeder Patient täglich frische Strümpfe anziehen. Aber wer startet jeden Tag eine Waschmaschine — vor allem nur, um ein Paar Strümpfe zu waschen? Das Thema Hygiene im Umgang mit Kompressionsstrümpfen liegt mir daher sehr am Herzen. Ich finde, da muss im Rahmen der sich ändernden Hygienevorstellungen ein Umdenken stattfinden.

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