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Pflegezeitschrift

, Volume 71, Issue 3, pp 58–58 | Cite as

Ulcus cruris: ASS hilft doch nicht

Impuls der Wissenschaft
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Patienten mit Ulcus cruris profitieren den Ergebnissen einer neuseeländischen Studie zufolge nicht von einer oralen Behandlung mit niedrig dosierter Acetylsalicylsäure zusätzlich zur Kompressionstherapie als Standardbehandlung.

In mehreren Studien wurde bereits der Nutzen einer antientzündlichen Behandlung mit Acetylsalicylsäure (ASS) geprüft. Allerdings hatten diese einen zu niedrigen Evidenzgrad, um eine treffsichere Aussage machen zu können — so zumindest die Beurteilung in einer Cochrane-Analyse, die Studien mit einer Dosis von 300 mg pro Tag berücksichtigte. Im Fokus der Therapie mit ASS bei Unterschenkelgeschwüren stehen die Thrombozyten, die sich mit einer Tagesdosis von 81 mg des Cyclooxygenase-Inhibitors ausreichend hemmen lassen. Weil vor allem ältere Menschen ein Ulcus cruris haben, könnte nach Ansicht von Ärzten um Dr. Andrew Jull, Universität Auckland, die ursprünglich genutzte Dosis von 300 mg aufgrund möglicher Nebenwirkungen zu hoch für die Betroffenen sein. Da es Hinweise gab, dass orales ASS in einer Dosierung von 150 mg pro Tag durchaus einen Heileffekt haben könnte, haben Jull und seine Kollegen die Aspirin4VLU-Studie gemacht. Ihr Design war doppelblind und placebokontrolliert.

An der Studie nahmen insgesamt 251 Patienten teil, von denen 125 orales ASS und die übrigen Patienten ein Scheinpräparat erhielten. Die Dosis — verabreicht bis zu 24 Wochen lang — lag bei 150 mg/Tag. Die Studienteilnehmer, von denen jeder Zweite Geschwüre mit einer Fläche > 2 cm2 hatten, wurden angewiesen, die entsprechenden Kapseln bis zur Heilung oder bis zum vorgesehenen Studienende einzunehmen. Die Kompressionsstrümpfe für die Standardbehandlung stammten von sechs verschiedenen Herstellern und wurden von Behandlern und Patienten gemeinsam ausgewählt. Primärer Endpunkt der Studie war die Dauer bis zur kompletten Abheilung des größten Unterschenkelgeschwürs. Sekundäre Endpunkte waren u.a. der Anteil der Patienten, die bei Studienende geheilt waren, die Veränderungen der Geschwürgröße sowie Nebenwirkungen.

Die Auswertung ergab, dass die Zeit bis zur Heilung in beiden Gruppen fast gleich lang war. Im Median dauerte es mit ASS 77 Tage, in der Placebogruppe 69 Tage. Auch die Zahl der Patienten, bei denen das Geschwür im Studienzeitraum vollständig abgeheilt war, war in beiden Gruppen ähnlich hoch (88 vs 101 bzw. 70 vs 80%). Schließlich hatte sich die Ulkusfläche seit Studienbeginn gleichermaßen verkleinert (um 4,1 vs 4,8 cm2). Nicht zuletzt bei der Zahl der Nebenwirkungen gab es zwischen den beiden Gruppen keinen signifikanten Unterschied (40 bei 29 Patienten versus 37 bei 27 Patienten). Eine mögliche Erklärung für den fehlenden Effekt könnte nach Ansicht der Studienautoren sein, dass die cyclogenaseabhängigen Prostanoide in der Gefäßwand, die im Zusammenhang mit der Gefäßdilatation stehen — etwa Prostaglandin E2 —, durch niedrig dosiertes ASS nicht gehemmt werden, sondern eher durch hoch dosiertes, antientzündlich wirkendes ASS.

Quelle

  1. Jull A et al. Low dose aspirin as adjuvant treatment for venous leg ulceration: pragmatic, randomised, double blind, placebo controlled trial (Aspirin4VLU). BMJ 2017; 358: j5157CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

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Authors and Affiliations

  • pl
    • 1
  1. 1.

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