Orthopädie und Unfallchirurgie

, Volume 7, Issue 5, pp 73–73 | Cite as

RA: Optionen, wenn ein TNF-Inhibitor nicht (mehr) wirkt

  • Sabine Jost
INDUSTRIEFORUM

Wenn eine Anti-TNF-Therapie bei rheumatoider Arthritis (RA) nicht oder nicht mehr ausreichend wirkt oder wegen Nebenwirkungen nicht fortführbar ist, kann auf einen anderen TNF-Inhibitor umgestellt werden (Cycling) oder auf ein Biologikum mit einem anderen Wirkmechanismus beziehungsweise einen JAK-Inhibitor (Switch). Nach den Leitlinien der European League against Rheumatism (EULAR) sind beide Ansätze möglich.

Prof. Andrea Rubbert-Roth, Leiterin der Abteilung Immunologie & Rheumatologie an der Universitätsklinik Köln, plädierte dafür, ein Therapieprinzip voll auszuschöpfen. So sprachen in der ReAct-Studie mit Etanercept oder Infliximab vorbehandelte Patienten nach der Umstellung gut auf den anderen TNF-Inhibitor an. In der Go-AFTER-Studie zeigten unter der zweiten Anti-TNF-Therapie etwa ein Drittel der Patienten früh mindestens ein ACR20-Ansprechen, das fünf Jahre anhielt, sodass die Patienten auch längerfristig vom Cycling profitierten. Die langjährigen Erfahrungen und umfangreichen Sicherheitsdaten sprächen ebenfalls für die TNF-Inhibitoren. Zudem sei die kardiovaskuläre Ereignisrate niedrig, erklärte Rubbert-Roth.

Dem hielt Prof. Jacques-Eric Gottenberg, Universität Strasbourg, Frankreich, entgegen, dass in einer Kohortenstudie das kardiovaskuläre Risiko der RA-Patienten bei Switch auf die IL-6-Inhibition geringer war als unter einem zweiten TNF-Inhibitor. Für ein anderes Wirkprinzip sprechen laut Gottenberg die höheren Remissionsraten, die unter anderem in der RHUMDATA-Studie beobachtet wurden. Vielleicht sei die RA bei Patienten, bei denen TNF-Blocker nicht überzeugten, gar nicht TNF-getrieben. Daher sei es sinnvoll, andere Signalwege anzugehen; TNF und IL-6 aktivierten überlappende, aber distinkte Signalwege. Oft sei außerdem eine Monotherapie ohne Methotrexat erforderlich, und da sprächen die Daten ebenfalls für einen IL-6-Inhibitor. Dies habe die MONARCH-Studie gezeigt, in der Adalimumab mit dem seit Ende Juni in der EU zugelassenen IL-6-Inhibitor Sarilumab (Kevzara®) verglichen wurde [Burmester GR et al. Ann Rheum Dis. 2017, 76(5): 840-7). Der DAS28-ESR (28-joint disease activity score using erythrocyte sedimentation rate) war nach 24 Wochen um 2,2 versus 3,3 Punkte gesunken (p < 0,0001). In der praxisnah konzipierten Studie ROC (Rotation Or Change) erreichten 69 % der mit einem Nicht-TNF-Biologikum behandelten Patienten und 52 % unter einer zweiten Anti-TNF-Therapie ein gutes oder moderates EULAR-Ansprechen bis Woche 24 (p = 0,004) [Gottenberg JE et al. JAMA 2016, 316(11):1172-80].

Bei mangelndem Ansprechen auf eine TNF-Hemmung stehen mehrere Wege für die Weiterbehandlung offen.

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Literatur

  1. EULAR-Kongress 2017; Symposium „Moving Past first Biologic Failure in Rheumatoid Arthritis: The great Switch/Cycle Debate“, und Meet-the-Expert „Ausblick und Ansatz neuer IL-6-Rezeptorantagonisten“; Madrid, 15. Juni 2017; Veranstalter: Sanofi Genzyme/Regeneron PharmaceuticalsGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH 2017

Authors and Affiliations

  • Sabine Jost
    • 1
  1. 1.

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