Das Hamburger „Projektbüro Angewandte Sozialforschung“

Eine Infrastruktur für Lehr-Forschung mit Gesellschaftsbezug

The “Office for Applied Social Research“ in Hamburg

An infrastructure for community based research

Zusammenfassung

Das „Projektbüro Angewandte Sozialforschung“ am Fachbereich Sozialwissenschaften der Universität Hamburg organisiert Lehr-Praxis-Kooperationen. Studierende erwerben in unseren Projekten Erfahrungen in der eigenständigen Anwendung sozialwissenschaftlicher Konzepte und Methoden auf praxisbezogene Fragestellungen. Gleichzeitig gewinnen sie die Zuversicht, dass Sozialwissenschaft greifbare Antworten auf reale Probleme hervorbringen kann. Lernen wird damit anders eingebettet und Lernerfolg langfristig gesichert. Gleichzeitig rücken Lehre und Universität dichter an gesellschaftliche Probleme heran. Bisherige Projekterfahrungen zeigen, dass die gemeinsame Arbeit auch für die Projektpartner eine große Bereicherung darstellt. So wird universitäre Bildung insgesamt in mehrfacher Hinsicht nachhaltiger. Im vorliegenden Beitrag wird gezeigt, wie der aufwändige Prozess der Lehr-Praxis-Kooperation durch eine geeignete Infrastruktur unterstützt und zum Erfolg geführt werden kann.

Abstract

The “Projektbüro Angewandte Sozialforschung” (“Office for Applied Social Research”) implements community-based research at the Social Science Department of Universität Hamburg. Students apply social science concepts and research methods autonomously in a real-life environment while they experience the power of social science to provide real answers to real problems. At the same time, teaching at the university and societal practice come closer together. All our projects so far demonstrate that the collaborative work of students and community partners is advantageous to both. This paper outlines how an appropriate infrastructure, i.e. the Projektbüro, supports the work-intensive cooperation process and brings it to fruition.

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Abb. 1
Abb. 2
Abb. 3
Abb. 4

Notes

  1. 1.

    Die „Projektpartner“ sind Organisationen und erscheinen daher nicht in männlicher und weiblicher Form. Wenn Personen gemeint sind und ein Begriff wie „Studierende“ nicht verfügbar ist, dann nutze ich die weibliche Form als generische Form.

  2. 2.

    Wenn ich an dieser und an vergleichbaren anderen Stellen den Plural verwende, dann weist das darauf hin, dass ich mich auf Erfahrungen des gesamten Teams des Projektbüros stütze, nicht nur auf meine eigenen.

  3. 3.

    https://www.marktplatz-hh.de/ (letzter Aufruf 09.01.2018).

  4. 4.

    Rechtlich handelt es sich um eine schriftliche Verabredung (Memorandum of Understanding), weil ein echter Vertrag nicht notwendig ist und einen für den Zweck inakzeptabel hohen Verwaltungsaufwand erzeugen würde.

  5. 5.

    Der Kurs wird in jeder Durchführungsrunde von den Lehrenden gemeinsam vorbereitet und konzeptionell weiterentwickelt. Dazu finden Besprechungen vor Vorlesungsbeginn und wöchentliche Treffen in der Vorlesungszeit statt. Letztere dienen dem Erfahrungsaustausch und der Diskussion akuter Probleme der Lehre. Für die Sitzungen steht allen Lehrenden ein umfangreicher Fundus an Lehrmaterialien zur Verfügung, der ebenfalls ständig weiterentwickelt wird. Ein wichtiger Nebeneffekt dieses Vorgehens ist, dass neue Lehrende mit weniger Aufwand als üblich und gut begleitet durch erfahrene Kolleginnen in ihre Lehraufgabe hineinwachsen können.

  6. 6.

    Es gab während des inzwischen siebenjährigen Bestehens des Projektbüros eine Phase von 18 Monaten, in denen keine Finanzierung für die wissenschaftliche Stelle zur Verfügung stand. In dieser Zeit stand die Existenz des Büros wiederholt in Frage, weil der Leitungsaufwand mit den Bordmitteln der Professur allenfalls überbrückend, aber nicht dauerhaft zu leisten ist.

  7. 7.

    Für Flächenländer wäre das ein Landesministerium.

  8. 8.

    Überbrückungsphasen sind möglich (siehe oben), aber mit sehr hohem Kraftaufwand verbunden.

  9. 9.

    Eine Übersicht durchgeführter Projekte mit Kurzporträts geben wir unter https://www.wiso.uni-hamburg.de/projektbuero-angewandte-sozialforschung/projekte.html (letzter Aufruf 16.01.2018).

  10. 10.

    Eine ausführliche Vorstellung der Konzepte sprengt den Rahmen dieses Beitrages. Beide kommen aus den USA. Ein zentraler Beitrag zum Service-Learning ist Stanton et al. (1999). Die Debatte wird erst jüngst verstärkt in Deutschland aufgegriffen, auch wenn das Konzept hier bereits seit Anfang des Jahrhunderts praktisch umgesetzt wird (Backhaus-Maul und Roth 2013). Der Begriff Community-based Research geht u. a. auf Israel et al. (1998) zurück. Die Diskussion wird von Strand et al. (2003) sowie Jason und Glenwick (2016) zu unterschiedlichen Zeitpunkten zusammengefasst. Eine erste ausführliche deutsche Befassung legten Altenschmidt und Stark (2016) vor.

  11. 11.

    http://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/4419088/2014-12-08-basfi-umfage-zusammenleben-in-hamburg/ (letzter Aufruf 16.01.2018). Der Link zum Endbericht befindet sich am Fuß der Seite.

  12. 12.

    Es ist an dieser Stelle nicht möglich, alle relevanten Bestimmungen und Restriktionen zu nennen, zumal diese sich zum Teil auch von Bundesland zu Bundesland unterscheiden.

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Correspondence to Prof. Dr. Kai-Uwe Schnapp.

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Schnapp, K. Das Hamburger „Projektbüro Angewandte Sozialforschung“. Z Politikwiss 27, 529–547 (2017). https://doi.org/10.1007/s41358-018-0120-9

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