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Religion als »das Opium des Volkes«

Ein Beitrag zur Ideengeschichte – mit einigen neuen Funden

Religion as »Opium of the people«

Remarks to its history of ideas, with some new finds

Zusammenfassung

Religion ist »das Opium des Volks«, schrieb Karl Marx 1844 und brachte damit seine Religionskritik auf den prägnanten Begriff. Was bedeutet das? Der Aufsatz beantwortet dies anhand von zwei Leitfragen: a) Wie veränderte sich die kulturelle Semantik von »Opium« bis zu Marx’ Diktum? b) Seit wann werden »Opium« und »Religion« metaphorisch verbunden, und warum? Dabei werden neue Textfunde einbezogen, u. a. von Herder, Rousseau und von Wessenberg.

Abstract

Religion is »the opium of the people« – this famous phrase, coined by Karl Marx in 1844, seems to summarize his critique of religion. But what does it mean? This article tries to answer two interconnected questions: a) How did the cultural meaning of »opium« change through western history? b) Who did link the ideas of »opium« and »religion« first, and why? The article presents some new and surprising finds in texts by, among others, Herder, Rousseau and von Wessenberg.

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Notes

  1. 1.

    Franz Alt, Frieden ist möglich. Die Politik der Bergpredigt, München 1983, 57. – Diese Studie macht sich systematisch die Tatsache zunutze, dass eine Vielzahl der historischen Quellen bereits online als durchsuchbare Volltexte vorliegen. Das Literaturverzeichnis gibt daher nach Möglichkeit einen Link auf eine online erreichbare Quelle an. – Alle Kursivierungen in Zitaten sind Hervorhebungen in der Quelle. – Alle Links im Text wurden am 20.6.2019 geprüft. Ohnehin ist nach Möglichkeit auf stabile URLs verwiesen, bei Werkausgaben auf die Grund-URL.

  2. 2.

    »Opium«, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache in zehn Bänden, 3. neu bearb. Aufl., Mannheim u. a. 1999, VI, 2807.

  3. 3.

    Meves weist darauf hin, dass Lenin selbst Marx’ Genitiv-Konstruktion »Opium des Volkes« für seinen Essay »Sozialismus und Religion« (1905) korrekt ins Russische übertragen habe; erst die spätere wirkmächtige Übersetzung des Lenin’schen Textes ins Englische habe daraus »Opium für das Volk« gemacht. Siehe Helge Meves, »Alles nur Opium, alles nur Seufzer, alles nur Protestation?«, in: Michael Ramminger, Franz Segbers (Hrsg.), »Alle Verhältnisse umzuwerfen … und die Mächtigen vom Thron zu stürzen.« Das gemeinsame Erbe von Christen und Marx, Hamburg 2018, 158–169, hier: 158. Der Sammelband ist frei im Netz zugänglich: https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/sonst_publikationen/VSA_Segbers_Ramminger_Verhaeltnisse.pdf. – In den mir vorliegenden Textfassungen – die Formulierung kommt in zwei Essays vor – ist in der Tat übersetzt »Die Religion ist das Opium des Volks«, siehe Wladimir I. Lenin, »Sozialismus und Religion«, in: Ders., Über die Religion. Eine Auswahl, Berlin 1981, 39–44 (russische Erstveröffentlichung 1905). Hier zitiert nach der Online-Fassung: http://www.payer.de/religionskritik/lenin02.htm; Ders., »Über das Verhältnis der Arbeiterpartei zur Religion«, in: Ders., Über die Religion (wie oben), 53–66 (russische Erstveröffentlichung 1909). Hier zitiert nach der Online-Fassung: http://www.payer.de/religionskritik/lenin03.htm.

  4. 4.

    Lenin, »Sozialismus« (Anm. 3); vgl. Esther Oluffa Pedersen, »Religion is the opium of the people. An investigation into the intellectual context of Marx’s critique of religion«, History of political thought 36 (2015), 354–387, hier: 355.

  5. 5.

    Karl Marx, »Zur Kritik der Hegel’schen Rechts-Philosophie«, in: Deutsch-französische Jahrbücher 1 (1844), 71–85, hier: 71–72. Die Zeitschrift liegt digital vor: http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb10857964-3.

  6. 6.

    Gareth Stedman Jones, Karl Marx. Die Biographie, Frankfurt a. M. 2017, 156; Jonathan Sperber, Karl Marx. Sein Leben und sein Jahrhundert, München 2013, 122.

  7. 7.

    Beide Zitate: Artikel »Opium« (Anm. 2), 2807; genauso auch: »Opium«, in: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache: https://www.dwds.de/wb/Opium.

  8. 8.

    Alexander Kupfer, Göttliche Gifte. Kleine Kulturgeschichte des Rausches seit dem Garten Eden, Berlin 2002, 72.

  9. 9.

    Z. B. Virginia Berridge, Opium and the people. Opiate use and drug control policy in nineteenth and early twentieth century England. Rev. ed. London, New York 1999 und die dort angegebene Literatur; Gunther Hirschfelder, Alkoholkonsum am Beginn des Industriezeitalters (1700–1850). Vergleichende Studien zum gesellschaftlichen und kulturellen Wandel. Bd. 1: Die Region Manchester. Bd. 2: Die Region Aachen, Köln, Weimar 2004. Hier Bd. 1, 286–293.

  10. 10.

    Berridge (Anm. 9), 31.

  11. 11.

    Berridge (Anm. 9), 33.

  12. 12.

    Berridge (Anm. 9), 49.

  13. 13.

    Matthias Seefelder, Opium. Eine Kulturgeschichte, Frankfurt a. M. 1987, 146; vgl. Hirschfelder (Anm. 9), II, 256. – Friedrich Engels hat diese Praxis in Die Lage der arbeitenden Klasse in England beschrieben: Karl Marx, Friedrich Engels, Werke (MEW), hrsg. vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Berlin 1961 ff., II, hier: 329; ähnliche Bemerkungen bei Marx in Das Kapital, MEW XXIII, 724.

  14. 14.

    Hirschfelder (Anm. 9), II, 256.

  15. 15.

    Alexander Kupfer, Die künstlichen Paradiese. Rausch und Realität seit der Romantik. Ein Handbuch, Stuttgart 1996, 70.

  16. 16.

    Andrew M. McKinnon, »Opium as dialectics of religion: metaphor, expression and protest«, Critical Sociology 31 (2005), 15–38, hier: 18.

  17. 17.

    Marx, MEW (Anm. 13) III, 193; zu Opium bei Kindern in der Zeit vgl. Margit Kreutel, Die Opiumsucht, Stuttgart 1988, 210–216.

  18. 18.

    »Opium«. Allgemeine deutsche Real-Encyclopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon, 9. Aufl., Leipzig 1943 ff., X (1846), 479.

  19. 19.

    McKinnon (Anm. 16), 16, vergleicht die Rolle des Opiums zur Mitte des 19. Jahrhunderts mit der von Penicillin heute. (Der Vergleich hinkt insofern, als Antibiotika verschreibungspflichtig sind.) Der Vergleich wird verschiedentlich aufgenommen, zuletzt von Pedersen (Anm. 4), 358.

  20. 20.

    Paula Butel, L’Opium: Histoire d’une fascination, Paris 1995, 37, hier zitiert nach McKinnon (Anm. 16), 17.

  21. 21.

    Vgl. Pedersen (Anm. 4), 359.

  22. 22.

    »[…] opium had wider economic, political and cultural significance« als seinen medizinischen Gebrauch, so McKinnon (Anm. 16), 20.

  23. 23.

    Zum Einfluss des Opiumkrieges auf die metaphorische Bedeutung von »Opium« siehe Reinhart Seeger, Herkunft und Bedeutung des Schlagwortes: »Die Religion ist Opium für das Volk«, Halle 1935, 38: Opium sei zum Symbol der Unterdrückung geworden, die dem chinesischen Volk von den Engländern »aufgedrängt« wurde. Vgl. Meves (Anm. 3), 160–161. Zum Opiumkrieg siehe Seefelder (Anm. 13), 164–203; Mike Jay, High Society. Eine Kulturgeschichte der Drogen, Darmstadt 2011, 144–148.

  24. 24.

    Seefelder (Anm. 13), 64–105, der auch auf den Rauschgiftkonsum in den Erzählungen von Tausendundeiner Nacht verweist. Vgl. beispielsweise die Reisebeschreibung von Gotthilf Heinrich Schubert, Reise in das Morgenland in den Jahren 1836 und 1837, neue Aufl. Erlangen 1840, 162–163.

  25. 25.

    Zur (Kultur‑)Geschichte des Opiums im Speziellen und von Rauschmitteln im Allgemeinen sind zahlreiche Veröffentlichungen erschienen. Vgl. u. a. Seefelder (Anm. 13); Michael Wink, »Wirkung und Kulturgeschichte psychotroper Pflanzen und Drogen«, in: Helmut Kiesel (Hrsg.), Rausch. Heidelberger Jahrbücher 43 (1999), 27–90, hier: 62 (https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdjb1999); Leslie Iversen, Drogen und Medikamente. Geschichte, Herstellung, Wirkung, Stuttgart 2004; Jay (Anm. 23); Lucy Inglis, Milk of paradise. A history of Opium, London 2018; sowie die Beiträge in Gisela Völger (Hrsg.), Rausch und Realität. Drogen im Kulturvergleich, Köln 1982 (zweibändig, mit durchgezählter Seitenzählung).

  26. 26.

    Rudolf Schmitz, »Opium als Heilmittel«, in: Völger (Anm. 25), 380–385, hier: 380–381.

  27. 27.

    »[F]irmly established«, so Berridge (Anm. 9), xxiii; Inglis (Anm. 25), 69.

  28. 28.

    Geoffrey Chaucer, The Canterbury Tales. With notes and glossary of Thomas Tyrwhitt. New Ed. London 1853. Darin: »The Knight’s Tale«, Vers 615. Vgl. dazu Oliver Farrar Emerson, »Chaucer’s ›Opie of Thebes fyn‹«, Modern Philology 17 (1919), 287–291.

  29. 29.

    William Shakespeare, Othello. Zweisprachige Ausgabe. Neu übers. und mit Anmerkungen versehen von Frank Günther, Cadolzburg 2003, 3. Akt, 3. Szene.

  30. 30.

    Molière, La Malade imaginaire. Oeuvres, Nouvelle Edition, Basel 1760, IV, 437–570, hier: 3. Intermede, 562. Vgl. Cyrille Michon, »Opium’s Virtus Dormitiva«, in: Max Kistler, Bruno Gnassounou (Hrsg.), Dispositions and Causal Powers, Aldershot 2007, 133–150. — Friedrich Nietzsche und John Stuart Mill haben beide diese Textstelle aufgenommen: Nietzsche zur Kritik an Kant, dem er die gleiche Art der tautologischen Argumentation unterstellt (Friedrich Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse. Werke in drei Bänden, hrsg. Karl Schlechta, Darmstadt 2007, II, 576); Mill, um einen Typ logischen Fehlers zu exemplifizieren (John Stuart Mill, System der deduktiven und induktiven Logik. Gesammelte Werke, hrsg. Theodor Gomperz, Leipzig 1886, Reprint Aalen 1968, IV, 217 – 5. Buch, 7. Kapitel).

  31. 31.

    John Locke, An essay concerning human understanding. With the notes and illustrations of the author. 32. Ed, London 1860, Book IV, Ch. 3, §25: »Did we know the mechanical affections of […] opium, and a man; as a watchmaker does those of a watch, whereby it performs its operations, and of a file, which, by rubbing on them will alter the figure of any of the wheels; we should be able to tell beforehand, that […] opium [will] make a man sleep; as well as a watchmaker can, that a little piece of paper laid on the balance will keep the watch from going, till it be removed; or that, some small part of it being rubbed by a file, the machine would quite lose its motion, and the watch go no more«. Vgl. auch ebd., Book IV, Ch. 8, §6: Locke erklärt mithilfe des Beispiels Schlafmittel Opium, was informative Sätze im Unterschied zu Tautologien sind.

  32. 32.

    David Hume, An enquiry concerning human understanding. Essays and treatises on several subjects, New Edition, London u. a. 1770, III, Sect. VI, 86.

  33. 33.

    Nicholas Lemery erläutert 1721, das Opium diene dazu, »den Schlaf zu bringen, die Schmertzen zu stillen«, Nicholas Lemery, Vollständiges Materialien-Lexicon […], Leipzig 1721, Sp. 809–810. Online: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:gbv:084-11040809109. Im ›Zedler‹ verweist der Eintrag »Opium« auf »Mohnsafft (Egyptischer)«. Dort wird behauptet: wenn der Mohnsaft »wohl verfertiget, mässig und zu gebührender Zeit gebrauchet wird, hat er herrliche Tugenden, und kan in vielen gefährlichen Kranckheiten mehr Nutz und Frucht schaffen, als alle andere Medicamente einer gantzen Apothecke«. Johann Heinrich Zedler, Großes vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschaften und Künste … Halle, Leipzig 1731 ff., XXI (Mi-Mt), Sp. 848–858, hier: 850. Online: https://www.zedler-lexikon.de/.

  34. 34.

    »Opium«, Johann Christoph Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, 2. verm. Aufl., Leipzig 1793 ff., III (1798), Sp. 607. Online: http://woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/wbgui_py?sigle=Adelung.

  35. 35.

    Vgl. neben Seefelder (Anm. 13) und den in Anm. 25 genannten Überblicken: Daniel Schäfer, »Milk of Paradise? Opium und Opiate in der Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts«, Schmerz 21 (2007), 339–346, hier: 339; Ders., »Opium des Volkes und Droge der Dichter. Schlafmohn in Medizin und Belletristik des 19. Jahrhunderts«, Deutsche Medizinische Wochenschrift 134 (2009), 2607–2611, hier: 2607; Kreutel (Anm. 17), 204–209.

  36. 36.

    Das ist zu diesem Zeitpunkt eine verhältnismäßig neue Einsicht, die nach Kupfer (Anm. 8), 50, erstmals 1793 in Samuel Crumpes Inquiry into the Nature and Properties of Opium ausdrücklich formuliert wird. – Vgl. zu de Quincey und seinen Suchtsymptomen Claudia Wiesemann, Die heimliche Krankheit. Eine Geschichte des Suchtbegriffs, Stuttgart-Bad Cannstatt 2000, 171–174; Kreutel (Anm. 17), 230–233.

  37. 37.

    Thomas De Quincey, Confessions of an English Opium Eater, in: Ders., The Worksincluding all his contributions to periodical literature, 2. ed. in 15 vol., Edinburgh 1863, I, iii–275, hier: 8.

  38. 38.

    Jay (Anm. 23), 81.

  39. 39.

    Samuel Taylor Coleridge, The poems. Including poems and versions of poems herein published for the first time, ed. by Ernest Hartley Coleridge, London 1957, 298 (Vers 54).

  40. 40.

    So der Titel der Essaysammlung, siehe Charles Baudelaire, Die Künstlichen Paradiese, in: Ders., Sämtliche Werke, Briefe in acht Bänden, hrsg. Friedhelm Kemp, Darmstadt 1983, VI.

  41. 41.

    »Opium«, Damen Conversations Lexikon, hrsg. Carl Herloßsohn, Leipzig 1834 ff., VIII (1837), 23. Online: http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

  42. 42.

    So beantwortet Christoph Drösser in seiner ZEIT-Kolumne »Stimmt’s« (Die Zeit Nr. 42, 2004) die Frage, ob das Diktum von Marx selbst stammt, mit dem Hinweis auf Heine: »Marx hat Heines Gedanken […] aufgegriffen und noch einmal polemisch zugespitzt.« Online: https://www.zeit.de/2004/42/Stimmts_P_42. Bertschinger wertet polemisch, Marx habe bei Heine »abgekupfert«, Dolores Zoé Bertschinger, »Opium des Volkes? Zur Religionskritik bei Karl Marx«, Neue Gesellschaft. Frankfurter Hefte 64/10 (2017), 32–36, hier: 32. – Vermutlich hat Meinhold als Erster auf die Nähe von Heines Opiummetapher zu Marx’ Diktum hingewiesen, Peter Meinhold, »›Opium des Volkes‹? Zur Religionskritik von Heinrich Heine und Karl Marx«, Monatsschrift für Pastoraltheologie zur Vertiefung des pfarramtlichen Wirkens 49 (1969), 161–176, besonders: 170. Siehe auch z. B. Hermann Klenner, »Über Marxens Religions- und Rechtskritik«, UTOPIE kreativ, 84 (Okt. 1997), 5–10, hier: 6; Pedersen (Anm. 4), 375–377.

  43. 43.

    Heinrich Heine, Ludwig Börne. Eine Denkschrift, in: Ders., Historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke (DHA), hrsg. Manfred Windfuhr, Hamburg 1973 ff., XI, 9–132, hier: 103. – Der Text der DHA ist über das Heinrich-Heine-Portal vollständig online: http://www.hhp.uni-trier.de/.

  44. 44.

    Friedrich Hirth, Heinrich Heine. Bausteine zu einer Biographie, Mainz 1950, 117–131. – In den jüngeren Marx-Biografien, z. B. Stedman Jones (Anm. 6) und Sperber (Anm. 6), findet die Freundschaft mit Heine nur vorübergehende Erwähnung.

  45. 45.

    Stedman Jones (Anm. 6), 59–61.

  46. 46.

    Zitiert nach Hirth (Anm. 44), 126.

  47. 47.

    Roland Schiffter, »Das Leiden des Heinrich Heine«, Fortschritte der Neurologie, Psychiatrie 73 (2005), 30–43, hier: 30.

  48. 48.

    Schiffter (Anm. 47), 39.

  49. 49.

    Das belegen auch zahlreiche weitere Textstellen aus Werken und Briefen Heines. Vgl. Christoph auf der Horst, Alfons Labisch, »Heinrich Heine, der Verdacht einer Bleivergiftung und Heines Opium-Abusus«, Heine-Jahrbuch 38 (1999), 105–131, bes. 123–128, hier: 123: »[I]n der gesamten Krankheitsgeschichte Heines ist nichts annähernd so ausführlich und detailliert von ihm selbst und Zeitgenossen beschrieben worden, wie die Opium-Therapie«. Vgl. auch Kupfer (Anm. 8), 212–214.

  50. 50.

    Joseph A. Kruse, »Heines Opium. Private Erfahrung und tradierte Religionskritik (z. B. durch Achim von Arnim)«, in: Dietmar Goltschnigg, Charlotte Grollegg-Edler, Peter Revers (Hrsg.), Harry … Heinrich … Henri … Heine. Deutscher, Jude, Europäer, Berlin 2008, 181–190, hier: 188–190.

  51. 51.

    Die »Affinität« Heines zu von Arnim sei »dem Register der Düsseldorfer Heine-Ausgabe unschwer [zu] entnehmen«, auch wenn die Forschung sie »bisher nicht eigens behandelt[ ]« habe, so Kruse (Anm. 50), 188.

  52. 52.

    Heine, DHA (Anm. 43), VIII, 1, 211, lobt den »allervortrefflichsten Anfang« des Romans im dritten Buch seiner Abhandlung über Die romantische Schule.

  53. 53.

    Ludwig Achim von Arnim, Sämmtliche Werke, hrsg. Wilhelm Grimm, Berlin 1839 ff., VIII, 137. – Den Hinweis auf diese Textstelle gibt vor Kruse (Anm. 50) schon Schäfer 2007 (Anm. 35), 320. – Purver meint, Marx könne direkt von dieser Textstelle angeregt worden sein. Die Ähnlichkeit mit seiner eigenen Formulierung sei »probably no accident. In an article in the People’s Paper, Marx refers to Arnim’s story Isabella of Egypt […]. As Marx also knew Bettine von Arnim’s writings and was well read in German Romanticism, it is more than likely that he had read Dolores«, so Judith Purver, »Achim von Arnim: Kierkegaard’s Encounter with a Heidelberg Hermit«, in: Jon Bartley Stewart (Hrsg.), Kierkegaard and His German Contemporaries III. Literature and Aesthetics, Aldershot 2008, 1–24, hier: 12, Fn. 66. Diese Idee halte ich allerdings für abwegig, denn die Stelle in Arnims Roman ist nicht prägnant genug, um einer absichtslos-konsumierenden Lektüre im Gedächtnis zu bleiben. Zur »Prägnanz« als Bedingung der Wirkung von Intertextualität vgl. Joachim Eberhardt, »Es gibt für mich keine Zitate«. Intertextualität im dichterischen Werk Ingeborg Bachmanns, Tübingen 2002, 28–36.

  54. 54.

    Vgl. die Angaben oben zu Fn. 36, außerdem Harry Gene Levine, »Die Entdeckung der Sucht – Wandel der Vorstellungen über Trunkenheit in Nordamerika«, in: Völger (Anm. 25), I, 118–124; Frank Nolte, »›Sucht‹ – zur Geschichte einer Idee«, in: Bernd Dollinger (Hrsg.), Sozialwissenschaftliche Suchtforschung, Wiesbaden 2007, 47–58. »It was not until the [18]60s, when the first measures to restrict the sale and use of opiates were enacted, that anyone really paid attention to the phenomenon of addiction«, so Jeff Goldberg, Dean Latimer, Flowers in the blood. The story of opium, new edition, New York 2014, 62; vgl. auch Inglis (Anm. 25), 150–154 und vor allem Wiesemann (Anm. 36), 20–30.

  55. 55.

    Zum Studium Helene M. Kastinger Riley, Achim von Arnim, Reinbek 1994, 19–24.

  56. 56.

    Arnim (Anm. 53), XVI, 23: 1. Akt, 4. Auftritt.

  57. 57.

    Bettina von Arnim schreibt an ihren Mann über eines der Kinder am 2.5.1825: »Der arme Junge war sehr krank […] Mehrere Bäder […] und eine gute Portion Opium haben ihn ganz hergestellt«. Achim von Arnim, Bettina von Arnim, Achim und Bettina in ihren Briefen. Briefwechsel Achim von Arnim und Bettina Brentano, hrsg. Werner Vordtriede, 2 Bde. (durchgezählte Seitenzählung), Frankfurt a. M. 1961, II, 527. Vgl. auch ebd., I, 393; Martin Dinges, Bettine von Arnim und die Gesundheit. Medizin, Krankheit und Familie im 19. Jahrhundert, Stuttgart 2018, 70.

  58. 58.

    Leif Ludwig Albertsen, »Novalismus«, Germanisch-romanische Monatsschrift, N.F. 17 (1967), 272–285, hier: 280.

  59. 59.

    Reiner Dieckhoff, »Rausch und Realität – Literarische Avantgarde und Drogenkonsum von der Romantik bis zum Surrealismus«, in: Völger (Anm. 25), 404–425, hier: 407–408; Seefelder (Anm. 13), 151–152; Kupfer (Anm. 15), 152–155; Kupfer (Anm. 8), 187–192.

  60. 60.

    Beide Zitate bei Kupfer (Anm. 8), 188.

  61. 61.

    Novalis, Schriften, hrsg. Paul Kluckhohn, Richard Samuel, 3. erg. Aufl., Stuttgart 1981, II, 412–471, hier: 446, Fragment 76 (»Vermischte Bemerkungen«) bzw. 447, Fragment 77 (»Blüthenstaub«). (Die Ausgabe druckt die beiden Fassungen parallel.).

  62. 62.

    Soweit ich sehe, stammt der früheste Hinweis auf diese Stelle von O’Brien: »strikingly prefigurative of Marx’s famous condemnation of religion as ›the opium of the people‹«, so William Arctander O’Brien, Novalis. Signs of Revolution, Durham, London 1995, 154.

  63. 63.

    Zu den Fragmenten vgl. Dennis F. Mahoney, Friedrich von Hardenberg (Novalis), Stuttgart 2001, 48 und 62–65. Das Zitat von der »wahren Religiosität« in Novalis (Anm. 61), II, 440 bzw. 441.

  64. 64.

    Novalis (Anm. 61), IV, 202.

  65. 65.

    Novalis (Anm. 61), IV, 355.

  66. 66.

    Novalis (Anm. 61), II, 379–394.

  67. 67.

    Immanuel Kant, Gesammelte Schriften. Akademie-Ausgabe (AA), Berlin 1900 ff., VI, 78. – Der Text der Akademie-Ausgabe ist vollständig online: https://korpora.zim.uni-duisburg-essen.de/kant/verzeichnisse-gesamt.html.

  68. 68.

    Kant, AA (Anm. 67), IX, 495: »Von der praktischen Erziehung«. – Möglicherweise hat Gollwitzer zuerst darauf hingewiesen. Helmut Gollwitzer, »Die marxistische Religionskritik und christlicher Glaube«, in: Marxismusstudien, 4. Folge, Tübingen 1962, 1–143; Gollwitzers »Exkurs zu dem Ausdruck ›Opium des Volkes‹« ebd., 14–19; der Hinweis auf Kant Seite 17, Fn. 5. Pedersen (Anm. 4), 378–387, zieht eine ausführlichere Verbindung von Kants Religionsphilosophie über Heine zu Marx.

  69. 69.

    Kant, AA (Anm. 67), VIII, 45–55 und 58–66.

  70. 70.

    Johann Gottfried Herder, Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit, in: Ders., Werke in zehn Bänden, Frankfurt a. M. 1985 ff., VI (1989), 513.

  71. 71.

    Die Passage über die Tradition ist intensiv rezipiert worden und wird daher nach ihrem Erscheinen von anderen Autoren zitiert, beispielsweise von Karl Philipp Conz 1791, Eduard Vehse 1842, Oskar Wolff 1849, August Werner 1871.

  72. 72.

    Herder (Anm. 70), 372.

  73. 73.

    So fasst der Wikipedia-Artikel zum Werk zusammen: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Julie_oder_Die_neue_Heloise&oldid=173072681.

  74. 74.

    Jean-Jacques Rousseau, Die Neue Heloise, oder Briefe zweyer Liebenden, aus einer kleinen Stadt am Fuße der Alpen …, 6 Theile, Leipzig 1761, VI, 148.

  75. 75.

    »Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei«, so der frühneuzeitliche Arzt und Alchemist Paracelsus; das bekannte Zitat stammt aus seinen Sieben Verteidigungen. Theophrastus Paracelsus, Sieben Defensiones, in: Ders., Werke, Darmstadt 1965 ff., II, 497–531, hier: 510. Online: http://www.zeno.org/nid/20009261362.

  76. 76.

    So warnt Heine, DHA (Anm. 43), IV, 30, im 1841 entstandenen Atta Troll in ironischer Rollenrede: »Kind, mein Kind, nimm dich in Acht / Vor dem Feuerbach und Bauer! // Werde nur kein Atheist […]« (Verse 31–33).

  77. 77.

    Seeger (Anm. 23), 24. – Für die kritisierte Verbindung zwischen Religion und Staat steht bei Seeger exemplarisch der charismatische pietistische Pfarrer Friedrich Wilhelm Krummacher, dessen Predigten schon Goethe »narkotisch« nennt und der 1853 zum Hofprediger des preußischen Königs Friedrich Wilhelm berufen wird.

  78. 78.

    Ferdinand Freiligrath, Sämtliche Werke in zehn Bänden, hrsg. Ludwig Schröder, Leipzig 1910, VI, 31–32.

  79. 79.

    Seeger (Anm. 23), 40–41; Pedersen (Anm. 4), 368–370.

  80. 80.

    Stedman Jones (Anm. 6), 133–134; Sperber (Anm. 6), 92–94.

  81. 81.

    Moses Hess, »Die Eine und ganze Freiheit«, in: Georg Herwegh (Hrsg.), Einundzwanzig Bogen aus der Schweiz. Erster Theil, Zürich 1843, 92–97, hier: 94–95. – Der Aufsatz erschien im Erstdruck anonym.

  82. 82.

    Stedman Jones (Anm. 6), 115. Zur Freundschaft mit Bauer vgl. ebd., 115–124; Sperber (Anm. 6), 78–81 u.Ö.

  83. 83.

    Seeger (Anm. 23), 38.

  84. 84.

    Bruno Bauer, »Der christliche Staat und unsere Zeit«, Hallische Jahrbücher für deutsche Wissenschaft und Kunst 4 (1841), 538. Der Artikel erschien in sechs Fortsetzungen von No 135 (7. Juni), 537–539, bis No 140 (12. Juni), 558. Online: http://www.ub.uni-koeln.de/cdm/ref/collection/hallische/id/4497.

  85. 85.

    Seeger verweist noch auf eine zweite, etwas spätere Schrift Bauers, siehe Bruno Bauer, Die gute Sache der Freiheit und meine eigene Angelegenheit, Zürich, Winterthur 1842, 212–213: »Nachdem diese Wuth der Zerstörung sich gegen Alles, was es im Himmel und auf Erden gibt, vergangen, und Alles, das Edelste und Beste mit Füßen getreten hat, spricht sie in dem Opium-Rausch ihrer Zerstörungs-Sucht von einem künftigen Zustande, wo Alles neu geworden […]«. Bauer nennt (eine Seite vorher) die »Kirche«, deren Willen »der Staat […] sich angeeignet« habe und die dem Menschen ein Gefühl der »allgemeine[n] Machtlosigkeit« vermittle, das aber nur dazu diene, ihn mutlos und träge zu machen und damit alles zu »zerstören«, was sich »von der Religion emancipiren« will. Das ist die »Wuth«, von der das Zitat handelt. Vgl. dazu Seeger (Anm. 23), 39–40; Pedersen (Anm. 4), 365.

  86. 86.

    Vgl. Bertschinger (Anm. 42), 33–34.

  87. 87.

    Ewald Schaper, »Religion ist Opium für das Volk«, Zeitschrift für Kirchengeschichte 59 (1940), 425–429, hier: 426; siehe auch Gollwitzer (Anm. 68), 15; Pedersen (Anm. 4), 370–375.

  88. 88.

    Ludwig Feuerbach, Pierre Bayle, in: Ders., Gesammelte Werke, hrsg. Werner Schuffenhauer, Berlin 1981 ff., IV, 2. Aufl. (1989), 354–355.

  89. 89.

    Schaper (Anm. 87), 427.

  90. 90.

    Ernst Benz, »Hegels Religionsphilosophie und die Linkshegelianer. (Zur Kritik des Religionsbegriffes von Karl Marx)«, Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte 7 (1955), 247–270; zustimmend aufgenommen von Gollwitzer (Anm. 68), 16–17; Pedersen (Anm. 4), 359–363.

  91. 91.

    Benz (Anm. 90), 250.

  92. 92.

    Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte, hrsg. Eduard Gans, in: Ders., Werke. Vollst. Ausgabe durch einen Verein von Freunden des Verewigten, Berlin 1832 ff., IX (1837), 204.

  93. 93.

    Benz (Anm. 90), 251.

  94. 94.

    Benz (Anm. 90), 248.

  95. 95.

    Es ist doppelt verdreht, weil a) Hegel nicht über christliche Religion schreibt und b) seine Beschreibung der indischen Religion aufgrund der ihm zur Verfügung stehenden einseitigen Quellen grob karikierend ist, so Benz (Anm. 90), 258; Pedersen (Anm. 4), 362.

  96. 96.

    Benz (Anm. 90), 248.

  97. 97.

    Bruno Bauer studiert in Berlin Theologie bei dem Hegelianer Philipp Marheineke. Feuerbach studiert 1824–1826 in Berlin und hört dort Hegel selbst, u. a. zur Religionsphilosophie, siehe Francesco Tomasoni, Ludwig Feuerbach. Entstehung, Entwicklung und Bedeutung seines Werkes, Münster 2015, 50.

  98. 98.

    Die Vorlesung erscheint als elfter und zwölfter Band der »Vollständigen Ausgabe« der Werke Hegels (Anm. 92), zur indischen Religion dort XI, 289–326.

  99. 99.

    Vgl. dazu Stedman Jones (Anm. 6), 93–101; zur Rezeption der Religionsphilosophie Hegels auch Walter Jaeschke, Die Religionsphilosophie Hegels, Darmstadt 1983, 5–13, vor allem 6–8; Ders., Hegel-Handbuch. Leben – Werk – Schule, 2. Aufl., Stuttgart 2010, 505–525; zu Hegels und Feuerbachs Religionsbegriff und deren Einfluss auf Marx auch G. A. Cohen, If You’re an Egalitarian, How Come You’re So Rich? The Gifford Lectures, Harvard 2000, ch. 5: »The Opium of the people«.

  100. 100.

    Victor Conzemius, »Wessenberg, Ignaz Heinrich von«, Historisches Lexikon der Schweiz. http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D10057.php (Fassung vom 11.1.2015); Karl-Heinz Braun, »Wessenberg, Ignaz Heinrich von (1774–1860)«, in: Erwin Gatz (Hrsg.), Die Bischöfe der deutschsprachigen Länder, 1785/1803 bis 1945, Berlin 1983, 808–812.

  101. 101.

    Siehe die Literaturangaben zum biografischen Wikipedia-Artikel https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Ignaz_Heinrich_von_Wessenberg&oldid=184880505.

  102. 102.

    Ignaz Heinrich von Wessenberg, Über den Verfall der Sitten in Teutschland und den Einfluss unserer Philosophen auf denselben. Zwei poetische Episteln. Ohne Ort, 1799. Aus dieser Ausgabe wird im Folgenden zitiert. Online: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:25-digilib-127981. – Zumindest die erste dieser Episteln erschien bereits früher im gleichen Jahr als Separatdruck.

  103. 103.

    Auf die erste »Poetische Epistel« bekommt Wessenberg Rückmeldungen, so Josef Beck, Freiherr I. Heinrich v. Wessenberg. Sein Leben und Wirken. Zugleich ein Beitrag zur Geschichte der neuern Zeit …, Freiburg 1862, 66. Über die Entstehungsbedingungen der zweiten Epistel teilt Becks Biografie nichts mit. Nur die erste Epistel wird in die Ausgabe letzter Hand aufgenommen: Ders., Sämmtliche Dichtungen, Stuttgart 1834 ff., II, 224–239. Allerdings sind beide Episteln in den ersten Band der zweibändigen Sammlung Gedichte aufgenommen (Zürich 1800 und 1801); die zweite Epistel dort 163–234. – Wessenberg sagt rückblickend, bei diesen frühen Gedichten der 1800/1801 erschienenen Bände habe es sich um eine »Thorheit« gehandelt, welcher »der poetische Geist« gefehlt habe, berichtet Biograf Beck (ebd., 366).

  104. 104.

    Die folgenden Zitate aus dem Text alle aus den Versen 180–267 in: Wessenberg (Anm. 102), 40–45.

  105. 105.

    Die beste Übersicht bietet: Friedrich Albert Lange, Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart. Erstes Buch. Geschichte des Materialismus bis auf Kant, 3. Aufl., Iserlohn 1876.

  106. 106.

    Günther Mensching, »Claude-Adrien Helvétius«, in: Die Philosophie des 18. Jahrhunderts. Bd. 2, Frankreich, hrsg. Johannes Rohbeck, Helmut Holzhey, Basel 2008 (Grundriss der Geschichte der Philosophie (Ueberweg), völlig neu bearb. Ausg. hrsg. Helmut Holzhey, 547–558, hier: 549.

  107. 107.

    Martin Schmeisser, »[Rezension zu] Roland Krebs, Helvétius en Allemagne ….«, Arbitrium 27 (2009), 203–206, hier: 204.

  108. 108.

    Schmeisser (Anm. 107), 205, der hier das besprochene Werk von R. Krebs zusammenfasst.

  109. 109.

    Mensching (Anm. 106), 551.

  110. 110.

    Tatsächlich widmet Helvétius diesem Thema nur eine Fußnote am Anfang von De l’esprit, in der er zu klären versucht, wie Mensch und Tier, von gleichen prinzipiellen Voraussetzungen ausgehend, zu anderen Entwicklungsstufen gelangen konnten. Das liege beim Menschen daran, dass er Hände habe! Claude Adrién Helvétius, Discurs über den Geist des Menschen, Leipzig, Liegnitz 1760, 3–5.

  111. 111.

    »Die Völker, die unter einer eigenmächtigen Gewalt seufzen, haben also nur vergnügte Augenblicke, nur schimmernden Ruhm: früh oder spät müssen sie unter das Joch einer freyen und kühnen Nation kriechen. Wenn wir aber annähmen, daß besondere Umstände und Stellungen sie aus dieser Gefahr rissen: so gereichet die übele Verwaltung dieser Reiche zu ihrem Verderben, zu ihrer Entvölkerung und Verwüstung. Eine schleichende Mattigkeit, welche nach und nach alle Glieder befällt, verursachet diese Wirkung. Das Eigene der unumschränkten Gewalt besteht darinnen, daß sie die Leidenschaften ersticket: sobald nun die Gemüther, aus Mangel der Leidenschaften, ihre Thätigkeit verloren haben: wenn die Bürger, so zu sagen, durch das Opium (Mohnsaft) der Pracht, des Müßigganges und der Weichlichkeit eingeschläfert worden sind; alsdann verfällt der Staat in eine Auszehrung. Die anscheinende Ruhe, deren er genießt, ist in den Augen des einsichtvollern Menschen, nichts als ein Vorläufer eines unvermerkten Todes«, Helvétius (Anm. 110), 408.

  112. 112.

    Lange (Anm. 105), 341–342, über La Mettrie: »Was war der Mensch, vor der Erfindung der Worte und der Kenntniss der Sprache? Ein Thier seiner Art, mit weit weniger Instinkt […] Aus alle diesem wird geschlossen, dass die Menschen aus demselben Stoffe sind wie die Thiere«.

  113. 113.

    Julien Offray de La Mettrie, Oeuvres philosophiques. Nouvelle édition, corrigée & augmentée, 3 Bde., Berlin 1775.

  114. 114.

    Die einzigen Werke, deren deutsche Übersetzung La Mettrie selbst veranlasste – und die entsprechend sofort auf Deutsch erschienen sind, so der Herausgeber der deutschsprachigen Neuausgabe Bernd A. Laska, »La Mettrie und die Kunst, Wo(h)llust zu empfinden. Porträt eines verfemten Denkers«, Der blaue Reiter H. 16 (2003), 98–103, hier: 100. Online: http://www.lsr-projekt.de/lmsex.html.

  115. 115.

    Laska (Anm. 114), 100.

  116. 116.

    Günther Mensching, »Julien Offray de La Mettrie«, in: Die Philosophie des 18. Jahrhunderts. Bd. 2, Frankreich (Anm. 106), 506–518, hier: 511.

  117. 117.

    Mensching (Anm. 116), 511.

  118. 118.

    Laska (Anm. 114), XV.

  119. 119.

    »Einer der geschmähtesten Namen der Literaturgeschichte, aber ein wenig gelesener«, so Lange (Anm. 105), 326.

  120. 120.

    Lange (Anm. 105), 348.

  121. 121.

    Lange (Anm. 105), 348.

  122. 122.

    Helmut Gollwitzer (Anm. 68) hat bereits auf die Nähe zu Holbachs Religionskritik hingewiesen, auf den sich z. B. auch Bruno Bauer in seinen Vorlesungen und in Das entdeckte Christentum (1843) beruft. Holbach schreibt in Le Christianisme dévoile (1766): »La religion est l’art d’enivrer les hommes de l’enthousiasme, pour les empêcher de s’occuper des maux, dont ceux qui les gouvernent, les accablent ici bas.« Zu deutsch etwa: Die Religion ist »die Kunst, begeisterte Menschen zu berauschen, um zu verhindert, dass sie sich mit den Übeln beschäftigten, mit denen sie die überhäufen, die sie regieren.« Paul Henri Thiry d’Holbach, Le Christianisme dévoilé, ou examen des principes et des effets de la religion chrétienne. Par Feu M. Boulanger, Londres 1756, 282. – Die Schrift erschien anonym, mit falschem Erscheinungsjahr und Erscheinungsort auf dem Titelblatt. Nach Gollwitzer ist es nur ein kleiner Schritt, den von Holbach schon genannten »Rausch« mit Opium in Verbindung zu bringen.

  123. 123.

    Dieckhoff (Anm. 59), 404.

  124. 124.

    Eberhardt (Anm. 53), 5–10 und passim.

  125. 125.

    So fasst Gollwitzer (Anm. 68), 15, die Arbeit von Seeger (Anm. 23) zusammen; »fairly common« urteilt Pedersen (Anm. 4), 356.

  126. 126.

    Friedrich Nietzsche, Unzeitgemäße Betrachtungen, in: Ders., Werke (Anm. 30), I, 379.

  127. 127.

    »Das Geschlecht, nicht die Religion, ist das Opium des Volkes«, Erving Goffmann, Interaktion und Geschlecht, Frankfurt a. M. 1994, 130.

  128. 128.

    Albert Krölls, Kritik der Psychologie: Das moderne Opium des Volkes, Hamburg 2006, 3. Aufl. 2016.

  129. 129.

    Z. B.: »›Fußball ist Opium für das Volk und der Drogenhandel der Medien‹, diesen Spruch haben kürzlich Aktivisten auf jenes Luxushotel in Rio de Janeiro projiziert, in dem die FIFA Granden residieren.« Ulla Ebner, »Fußball, das Opium des Volkes«, https://ullaebner.wordpress.com/2014/07/09/fusball-das-opium-des-volkes/.

  130. 130.

    Ganz im Sinne der Säkularisation als sprachbildende Kraft, wie sie Albrecht Schöne beschrieben hat, Albrecht Schöne, Säkularisation als sprachbildende Kraft. Studien zur Dichtung deutscher Pfarrersöhne, 2. überarb. Aufl., Göttingen 1968.

  131. 131.

    Soulsaver, »Fußball ist Opium für das Volk« (24.8.2018), https://www.soulsaver.de/blog/fussball-ist-opium-fuer-das-volk/.

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Eberhardt, J. Religion als »das Opium des Volkes«. Dtsch Vierteljahrsschr Literaturwiss Geistesgesch 93, 263–286 (2019). https://doi.org/10.1007/s41245-019-00080-4

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