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Ökonomische Handlungslogik versus psychologisch-normativer Ansatz zur Erklärung und Messung von Devianz

Economic Versus Psychological-Normative Approach to Explain and Measure Deviance

Zusammenfassung

Um die Ursachen normkonformer Handlungen sowie von Normverstößen zu erörtern, wird im vorliegenden Beitrag das Menschenbild eines eigeninteressierten „Homo Oeconomicus“ in der individualistischen Tradition Humes beschrieben und mit dem Entwurf eines moralisch motivierten „Homo Sociologicus“ in der Tradition Durkheims und Parsons kontrastiert. Gestützt durch eine Reihe von Befragungsstudien wird das empirisch vorliegende normkonforme bzw. deviante Handeln der Akteure gemessen und in das durch die beiden Traditionen aufgespannte Kontinuum einer ökonomisch-instrumentellen versus einer psychologisch-normativen Handlungslogik verortet. Der vorliegende Beitrag argumentiert, dass sowohl situative Handlungsanreize als auch internalisierte psychische Konstrukte bei der Erklärung und der Messung von Devianz relevant sind. Allerdings zeigen die empirischen Befunde auch, dass sich normkonformes Handeln und auch eine validere Messung desselben besser durch situative Handlungsanreize erklären lässt als etwa durch uneigennützige Präferenzen der handelnden Akteure. Schließlich wird der enge Zusammenhang zwischen der empirischen Sozial- und Surveyforschung zu Normabweichungen und dem Problem der sozialen Erwünschtheit aufgezeigt. Auf einer praktischen Ebene werden Datenerhebungsansätze besprochen, die es erlauben, sozial erwünschtes Antwortverhalten zu reduzieren und eine validere Messung von Devianz zu erreichen.

Abstract

To discuss the causes of norm compliance and deviance, the present article contrasts the conception of the human being as a selfish “Homo Economicus” in the individualistic tradition of Hume with the conception of a morally motivated “Homo Sociologicus” in the tradition of Durkheim and Parsons. In a series of empirical studies, norm compliant and deviant behavior is measured and it is discussed how human behavior can be ranged between the two ideal-typical principles of an economically instrumental logic on the one hand and a psychological-normative logic on the other. This paper argues that both situational incentives and internalized psychological constructs and norms are relevant in regards to the explanation and measurement of deviance and that pure Homo Economicus and pure Homo Sociologicus conceptions are incorrect. However, the empirical results also indicate that norm compliant behavior as well as a more valid measurement of it can be better explained by situational incentives than by unselfish preferences of the actors. Finally, the paper shows the close relation between empirical research of norm violations and the problem of social desirability. On a practical level, data collection methods are discussed that reduce socially desirable answers and increase the validity of measurements of norm violations.

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Notes

  1. Das Streben nach Reputation und sozialer Anerkennung gehörten hierbei nach Humes Auffassung zu den zentralen Triebfedern menschlichen Handelns. Hume bezweifelt hierbei, dass Menschen ihren Eigennutz überwinden können. Selbst altruistische Verhaltensweisen würden letztlich der Verwirklichung von Eigeninteressen dienen (z. B. das Streben nach sozialer Anerkennung und Reputation durch scheinbar selbstloses Handeln oder die Befriedigung von Eitelkeiten) und weniger durch Sympathie für andere geleitet sein. Soziale Ordnung müsse sich also auf moralische Institutionen stützen, die in ihrem Bestand und ihrer Stabilität keine altruistischen Motive voraussetzen (vgl. Braun et al. 2012, S. 18–20; Braun und Voss 2014, S. 27).

  2. Diese Ausführungen beziehen sich auf das Konzept des sogenannten „Nash-Gleichgewichts“ und dessen Verfeinerungen. Ausgangspunkt sind hierbei die Arbeiten des US-Mathematikers John Nash (vgl. Braun und Gautschi 2011, S. 158 ff.). Hierbei stellt das grundlegende Konzept eines Nash-Gleichgewichts in einer strategischen Spielsituation eine Kombination bester Antworten dar und begründet einen stabilen Zustand in dem Sinne, dass sich kein Akteur durch eine unilaterale Abweichung von der Gleichgewichtsstrategie besser stellen kann, wenn die anderen Akteure bei ihren ursprünglichen Strategiewahlen bleiben. Ein Nash-Gleichgewicht kann eine Kombination reiner Strategien umfassen, aber auch aus gemischten Strategien bestehen. Hierbei bewies Nash, dass jedes finite nichtkooperative Spiel mindestens ein Nash-Gleichgewicht besitzt, zumindest in gemischten Strategien.

  3. Kollektivgüter lassen sich allgemein durch die Eigenschaften der „Nicht-Ausschließbarkeit“ und „Nicht-Rivalität“ charakterisieren.

  4. Solche Anpassungsprozesse müssen nicht zwingend aufgrund von Sanktionsbefürchtungen geschehen. Vielmehr dient die Norm hierbei als Orientierungshilfe in Form eines „Frame of Reference“ (vgl. Sherif 1936).

  5. Messen lassen sich solche empirischen Normen über den wahrgenommenen Anteil der Normerfüllung bezüglich der untersuchten Verhaltensweisen im sozialen Umfeld eines individuellen Akteurs (vgl. Kirchner et al. 2013). Eine solche Messung könnte man zudem auch als subjektiv wahrgenommene Normgeltung im Sinne von Popitz interpretieren und argumentieren, dass eine als hoch eingeschätzte Normgeltung einen präventiven Effekt hat und eigenes deviantes Verhalten weniger wahrscheinlich macht (vgl. Popitz 1968).

  6. Konkret ähnelt diese Situation einem „Stag Hunt Game“, welches die Wirkungsweise von Konventionen beschreibt (vgl. Braun und Gautschi 2011, S. 175–176).

  7. Dies setzt einen mehrheitlichen Konsens der Bevölkerung darüber voraus, welche Verhaltensweisen normal sind und welche „von der Norm abweichen“. Obgleich man sich darüber streiten kann, ob es einen solchen normativen Konsens gibt, bleibt es unbestritten, dass bestimmte absichtsvolle und bewusste Handlungen, die einerseits zum Vorteil des Handelnden sind, andererseits aber körperlichen, psychischen oder materiellen Schaden beim Gegenüber oder bei Dritten verursachen, oder allgemein dem Staat und der Gesellschaft schaden, in den verschiedenen Gesellschaften und Zeitepochen stets verfolgt und bekämpft wurden (vgl. Mehlkop 2011).

  8. Hintergrund des ökonomischen Ansatzes ist ein Marktmodell von Kriminalität. Wie schon bei Durkheim wird auch aus dieser Perspektive ein gewisses Ausmaß an Kriminalität in einer Gesellschaft als „normal“ betrachtet (Ehrlich 1996, S. 51): „The model implies (…) that crime is a ‘normal’ social fact which is assured of historical survival at some positive level regardless of the prevailing economic, political or social system. Crime persists in this model because the interplay between private supply and demand forces and the social costs of enforcement imply that some level of crime will remain socially optimal – that is, tolerable.“

  9. Die Rational Choice Theorie ist nicht unumstritten. Eine grundsätzliche Kritik findet sich in Green und Shapiro (1999). Häufig wird der Vorwurf der Tautologie formuliert, da jede Verhaltensänderung (z. B. ein höheres Ausmaß an Devianz) im Prinzip ex post durch eine Änderung des Nutzens des devianten Verhaltens „erklärt“ werden kann. Um das Problem tautologischer Scheinerklärungen zu vermeiden, wurde die heuristische Regel vorgeschlagen, Verhaltensänderungen in erster Linie durch Veränderung der externen Anreize bzw. Restriktionen zu erklären und möglichst nicht über Präferenzen. Erklärungen sollten nur in gut begründeten Fällen auf Präferenzänderungen zurückgreifen (vgl. Becker 1996; Diekmann und Voss 2004, S. 16).

  10. Derartige Überlegungen werden mit dem „Modell der Frame-Selektion“ begründet (vgl. Kroneberg 2007; Best 2009; Mehlkop 2011, S. 101–104). Aus diesem lässt sich die Hypothese ableiten, dass mit zunehmender Stärke der Norminternalisierung der Effekt der Nutzenerwägungen (speziell: der Verhaltenskosten) auf das zu erklärende normkonforme Verhalten schwächer wird. Ein derartiger Interaktionseffekt würde allerdings im klaren Gegensatz zur sogenannten „Low-Cost-Hypothese“ stehen (vgl. Diekmann und Preisendörfer 1992, 2009; Rauhut und Krumpal 2008). Diese würde nämlich postulieren, dass nicht etwa die Stärke der internalisierten Norm die moderierende Variable in der Entscheidungssituation für oder wider ein normkonformes Verhalten ist, sondern dass vielmehr die Verhaltenskosten den Effekt der internalisierten Norm moderieren. Konkret würde ein aus der Low-Cost-Hypothese abgeleiteter Interaktionseffekt lauten, dass die Wirksamkeit einer internalisierten Norm auf das entsprechende normkonforme Verhalten mit steigenden Verhaltenskosten schwächer wird. „Homo Sociologicus“ wäre also in sogenannten Niedrigkostensituationen das passendere Menschenbild. Dagegen würde in sogenannten Hochkostensituationen eine instrumentelle Handlungslogik dominieren, welche eher mit dem Bild eines „Homo Oeconomicus“ vereinbar ist.

  11. Eine kritische Abhandlung der makrotheoretischen Variante der Anomie-Theorie mit dem Vorwurf einer „Black-Box-Theorie“ und eine Rekonstruktion im Rahmen eines strukturindividualistischen Ansatzes finden sich bei Diekmann und Opp (1979).

  12. Der Fokus der in diesem Abschnitt besprochenen Befragungsstudien war ursprünglich relativ eng gefasst und lag in erster Linie auf methodischen Fragestellungen. Die zentralen empirischen Befunde dieser Studien werden dagegen im vorliegenden Beitrag vor einem stärker theoretischen Hintergrund neu systematisiert sowie ideengeschichtlich breiter verortet als in den zitierten Arbeiten. Aus Platzgründen verzichte ich an dieser Stelle auf die Darstellung der methodischen Details und beschränke mich auf eine überblicksartige Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse. Den interessierten Leserinnen und Lesern sei eine ergänzende Lektüre der zitierten Arbeiten empfohlen.

  13. Des Weiteren lassen sich die durchgeführten Befragungsstudien anhand ihrer Größe und Repräsentativität einordnen. Die Bandbreite reicht hierbei von kleineren Stichproben aus Spezialpopulationen wie Studierende an Universitäten (vgl. Coutts et al. 2011; Jann et al. 2012), über mittelgroße, einfache Zufallsstichproben aus Online-Access-Panels mit heterogeneren Populationen (Krumpal und Näher 2012; Korndörfer et al. 2014), bis hin zu zwei großen, mehrstufigen Zufallsstichproben aus der allgemeinen Bevölkerung von Deutschland (Kirchner et al. 2013; Trappmann et al. 2014). Hierbei wurden die Befragungen in verschiedenen Erhebungsmodi durchgeführt: telefonische CATI-Interviews (Kirchner et al. 2013; Trappmann et al. 2014), Web-Surveys im Online Modus (Coutts et al. 2011; Krumpal und Näher 2012; Korndörfer et al. 2014), sowie klassische schriftliche Befragungen mit Papierfragebögen (Jann et al. 2012).

  14. Bei den experimentell evaluierten Fragetechniken handelt es sich um die Randomized Response Technik (vgl. Coutts et al. 2011; Kirchner et al. 2013), die Item Count Technik (vgl. Coutts et al. 2011; Kirchner et al. 2013), die Item Sum Technik (vgl. Trappmann et al. 2014) und das Crosswise Modell (vgl. Coutts et al. 2011; Jann et al. 2012; Korndörfer et al. 2014).

  15. Die Veränderung des Anonymitätsgrades in der Befragungssituation stellt einen Anreiz dar zu lügen (in einer nicht anonymen Datenerhebungssituation, wenn die Antwort beobachtbar und mit der Identität des Befragten in Verbindung gebracht werden kann) bzw. nicht zu lügen (wenn die Antwort anonymisiert wurde und somit keine nachteiligen Konsequenzen einer wahren Antwort befürchtet werden müssen).

  16. Wikströms SAT postuliert im Kern eine Person-Umwelt-Interaktion (genauer: eine Wechselwirkung zwischen der persönlichen Kriminalitätsneigung und der kriminellen Gefährdung, die von der unmittelbaren Umgebung ausgeht), die im Individuum einen Wahrnehmungs-Entscheidungs-Prozess in Gang setzt, der dann das Handeln beeinflusst: „According to SAT, action is not a result of the person (propensities) or the setting (environmental inducements) but the situation (the perception-choice process that arises from the person-setting interaction). When a particular kind of person is exposed to a particular kind of setting, a particular situation (perception-choice process) arises that initiates and guides his or her actions in relation to the motivations he or she may experience. That is why the theory is called situational action theory.“ (Wikström 2014, S. 77).

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Danksagung

Der Beitrag fasst die wichtigsten Thesen und empirischen Befunde meiner kumulativen Habilitation an der Universität Leipzig zusammen. Ich möchte meinen Gutachtern Thomas Voss, Roger Berger und Peter Preisendörfer für ihre langjährige Unterstützung und die kritische Lektüre meiner Arbeit danken. Anregungen und wertvolle Hinweise erhielt ich dankenswerterweise auch von meinen Kollegen Kurt Mühler und Andreas Tutic.

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Corresponding author

Correspondence to Ivar Krumpal.

Anhang

Anhang

Die Randomized Response Technik

Bekanntlich ist die Bereitschaft zu einer ehrlichen Offenlegung des eigenen devianten Verhaltens in einer Befragungsstudie eher gering, da viele Befragte unangenehme Konsequenzen (z. B. Missbilligung seitens des Interviewers oder Strafverfolgung) befürchten. Sozial erwünschte Antworten oder systematische Nonresponse gefährden aber die Validität der erhobenen Daten. Um diese Probleme zu verringern, wurde die Randomized Response Technik (Warner 1965; Boruch 1971) entwickelt. Es handelt sich hierbei um eine auf wahrscheinlichkeitstheoretischen Überlegungen basierende Befragungsmethode, die es erlaubt, individuelle Antworten auf heikle Fragen über einen Zufallsmechanismus zu anonymisieren. Eine beobachtete Antwort erlaubt dadurch keinen eindeutigen Schluss mehr auf das Vorliegen bzw. Nichtvorliegen von deviantem Verhalten bei einer befragten Person. Eine zentrale Annahme für ehrlicheres Antwortverhalten besteht darin, dass die Befragten die Methode verstehen und auf den Schutz ihrer Privatsphäre vertrauen.

Eine praktische Anwendung der Randomized Response Technik sei kurz vorgestellt (Beispiel aus Kirchner et al. 2013). Im Rahmen eines telefonischen CATI-Surveys werden Befragte gebeten sich jeweils 3 Münzen bereitzulegen und auf die heikle Frage (z. B. „Haben Sie in diesem Jahr für eine Privatperson schwarzgearbeitet?“) gemäß den folgenden Regeln zu antworten:

Alle der folgenden Fragen lassen sich mit Ja oder Nein beantworten. Vor jeder Frage werfen Sie bitte die drei Münzen. Sagen Sie mir aber nicht, was Sie geworfen haben! Je nach Ergebnis des Münzwurfs, antworten Sie bitte wie folgt (…): Bei 3×Zahl, antworten Sie bitte immer mit „ja“; bei 3×Kopf, antworten Sie bitte immer mit „nein“; bei einem gemischten Ergebnis, also einer Kombination aus Zahl und Kopf, z.B. 2×Zahl und 1×Kopf, antworten Sie bitte immer wahrheitsgemäß. Sie sehen, der Zufall entscheidet, ob Sie die Frage beantworten oder eine vorgegebene Antwort geben. Ihre Privatsphäre bleibt dadurch immer geschützt. Ich als Interviewer kenne das Ergebnis Ihres Münzwurfes nicht. Deshalb kann ich auch nie wissen, warum Sie „ja“ oder „nein“ sagen. Haben Sie das Münzverfahren verstanden? (…) (Kirchner et al. 2013, S. 295).

Aus einer gegebenen Antwort ist kein eindeutiger Schluss auf das Verhalten des Befragten möglich, da niemand außer dem Befragten das Ergebnis des Münzwurfs kennt. Der Anteil der Personen, die sich deviant verhalten, kann jedoch aus den beobachteten Antworten und der bekannten Wahrscheinlichkeitsverteilung des Münzwurfs geschätzt werden: Zunächst wird über den beobachteten Anteil der „ja“ Antworten in der Stichprobe \(\hat{\phi }\) der unbekannte Anteil der „ja“ Antworten in der Population \(\phi\) geschätzt. Dieser setzt sich zusammen aus dem Anteil der durch den Münzwurf erzwungenen „ja“-Antworten \(p_{1}\) (hier: 0,125) sowie aus dem Anteil ehrlicher „ja“-Antworten \(p_{2}\) (hier: 0,75) multipliziert mit dem unbekannten Populationsanteil des devianten Verhaltens \(\pi\). Für den Erwartungswert einer „ja“-Antwort gilt in dem Beispiel also formal: \(\phi =0,125+0,75*\pi\). Nach π umgestellt, erhält man schließlich eine Schätzformel für den unbekannten Populationsanteil des devianten Verhaltens. Dieses Verfahren mag auf den ersten Blick unnötig kompliziert erscheinen. Der Vorteil des Prinzips der Zufallsverschlüsselung ist aber, dass die Privatsphäre der Befragten geschützt wird und er oder sie keinen Grund mehr hat, sozial erwünscht zu antworten.

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Krumpal, I. Ökonomische Handlungslogik versus psychologisch-normativer Ansatz zur Erklärung und Messung von Devianz. SozProb 29, 45–67 (2018). https://doi.org/10.1007/s41059-018-0041-3

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