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Industrielle Kerne in Ostdeutschland und ihre Interaktion mit dem regionalen Umfeld – vier Fallbeispiele

Industrial cores in East Germany and its interaction with the surrounding territories—findings from four case studies

Zusammenfassung

Der Beitrag hat die Entwicklung ausgewählter industrieller Kerne in Ostdeutschland seit 1990 zum Gegenstand. Bei den industriellen Kernen handelte es sich um ehemalige volkseigene Betriebe, die die Treuhandanstalt als sanierungsfähig ansah, für die sich jedoch kurzfristig keine Käufer fanden. Anhand von vier Fallbeispielen wird deren Entwicklung vor und nach der Privatisierung nachgezeichnet und dabei besonderer Wert auf die Wechselwirkungen mit dem regionalen Umfeld gelegt. Alle vier Kernunternehmen existieren fort und stellen marktgängige Produkte und Leistungen her. Die Intensität der Interaktion mit dem regionalen Umfeld fällt allerdings unterschiedlich aus. In allen vier untersuchten Kernen gab es Ausgründungen von Einheiten, die früher zu den Kombinaten gehörten. Neuansiedlungen gab es ebenfalls in allen Fällen. Teils wurden neue Investoren aufgrund eigener „strukturpolitischer“ Aktivitäten der Kern-Unternehmen attrahiert. Teils handelte es sich um Ko-Lokationen, die mit der Standortqualität des regionalen Umfelds zusammenhängen. Im Rahmen der Fallbeispiele waren offenbar positive Wirkungen des regionalen Umfelds bei jenen Kern-Unternehmen besonders günstig, die in urbanen Räumen gelegen sind.

Abstract

Subject to this article is how four cases of so called industrial cores have developed in East Germany since 1990. Industrial cores represent former state-owned firms which were regarded as economically viable by the Treuhand. But there was no chance to privatize them in the short run. The case studies show the development prior to and after privatization. A special focus is laid on the interaction between the respective firm and its spatial environment. To sum up: All four firms are still existent. They provide competitive goods and services. Nonetheless, the interaction with the surrounding region differs from case to case. There were spin-offs in all cases. Organizational units previously belonging to the former state owned firms were split up, and became independent firms. In addition, new firms were established. Partly the establishment of new firms was supported directly by—de facto—structural policy measures implemented by the core firms. Partly the new establishments were simply cases of co-location resulting from a prospering regional environment. Taking the four cases, urban areas obviously formed a particularly fertile economic environment.

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Notes

  1. Die Ausführungen in diesem Absatz zu den Hintergründen für das Aufkommen des Konzepts industrieller Kerne fußen auf Ludewig (2015, S. 135–143).

  2. Ausführlichere Darstellungen zu den vier Fallbeispielen sind enthalten in Heimpold (2016a, 2016b, 2016c) und Heimpold (2017a, 2017b) und Heimpold (2018). Anders als in den genannten Veröffentlichungen wird im vorliegenden Beitrag ausführlicher auf die Interaktion der Kerne mit der regionalen Umgebung eingegangen.

  3. Die Ausführungen über die Standortentscheidung für das EKO fußen, sofern nichts anderes angegeben ist, auf: Schmidt und Nicolaus (2000, S. 46–58).

  4. Diese Ausführungen zu den unmittelbar nach der Währungsunion vollzogenen Entwicklungsschritten einschließlich der Informationen im Kasten über Ausgliederungen und Neuansiedlungen fußen auf Schmidt und Nicolaus (2000, S. 241, 246–248, 270–272, 347).

  5. Die Ausführungen über den Aufbau des Werkes in Schkopau, die Standortwahl und die funktionalen Merkmale des Buna-Werkes im Zeitraum bis 1945 und die Entwicklung danach bis 1989 fußen auf Karlsch und Stokes (2000, S. 17–43) sowie auf Buna-Werke (2018, o.S.).

  6. Die Ausführungen zur Entwicklung der Buna-Werke im Zeitraum von Mitte 1990 bis zur Privatisierung im Frühjahr 1995 fußen, sofern nichts anderes angegeben ist, auf Brümmer (2002, S. 44, 56–75) sowie auf Karlsch und Stokes (2000, S. 45–146).

  7. Die Informationen über den ValuePark stammen aus: The DOW Chemical Company (1995–2018a, 1995–2018b, o.S. und The Dow Chemical Company 1995–2019, o.S.).

  8. Die Ausführungen über Carl Zeiss, die Firmengründung und die Zeit davor betreffend, fußen auf Hellmuth und Mühlfriedel (1996, S. 15–23).

  9. Die Angaben über die Zusammenarbeit mit Ernst Abbe und Otto Schott stammen aus: ZEISS Deutschland (o.J.b, o.S.).

  10. Die Darstellung zur Entwicklung des VEB Carl Zeiss Jena ab Mitte 1990 bis zur Übernahme der Verantwortung für die Sanierung der JENOPTIK GmbH durch Dr. Lothar Späth, den früheren Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg, fußt, sofern nichts anderes angegeben ist, auf Bohn (1993, S. 173–182, hier S. 175–177).

  11. Die Informationen zum Interessenausgleich, die geplanten Veränderungen der Beschäftigtenzahlen sowie zur Schaffung neuer Arbeitsplätze stammen, sofern nichts anderes angegeben ist, aus Schleef (1997, S. 335–350, hier S. 339 f., 347).

  12. Die Ausführungen zur Umstrukturierung der JENOPTIK GmbH in diesem Absatz fußen, sofern nichts anderes angegeben ist, auf Späth (1999, S. 229–236, hier 230–232).

  13. Die Darstellung der strukturpolitischen Aktivitäten in diesem Kasten fußt auf Schleef (1997, S. 342–346).

  14. Die Angaben über die räumliche Verteilung des Anteilsbesitzes der JENOPTIK AG fußen auf: JENOPTIK: Geschäftsbericht (2017, S. 191 f.) sowie Berechnungen des IWH auf dieser Grundlage.

  15. Diese und die nachstehenden Informationen über die Zusammenarbeit der JENOPTIK AG mit Wissenschaftseinrichtungen stammen aus: JENOPTIK: SHAPING THE MARKETS. GESCHÄFTSBERICHT (2015, S. 71).

  16. Die Ausführungen über den Verkauf des ZMD an die beiden Beteiligungsgesellschaften und später an die Sachsenring Automobiltechnik AG sowie über die spätere Herauslösung des ZMD fußen, sofern nichts anderes angegeben ist, auf Europäische Kommission (2001, S. 2 f., 5.).

  17. Diese und die nachstehenden Angaben über Globalfoundries und den Dresdener Standort fußen auf GLOBALFOUNDRIES (o.J., o.S.).

  18. Vgl. zu diesen und den nachfolgenden Informationen über die Errichtung eines Halbleiterwerkes durch die Robert Bosch-GmbH in Dresden: Robert Bosch GmbH (2018, S. 1–4, hier speziell S. 2).

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Heimpold, G. Industrielle Kerne in Ostdeutschland und ihre Interaktion mit dem regionalen Umfeld – vier Fallbeispiele. List Forum 45, 97–120 (2019). https://doi.org/10.1007/s41025-019-00177-w

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  • DOI: https://doi.org/10.1007/s41025-019-00177-w

Schlüsselwörter

  • Industrielle Kerne
  • Ostdeutschland
  • Privatisierung
  • Regionalentwicklung

Keywords

  • Industrial cores
  • East Germany
  • Privatization
  • Regional development