Liebe Leserin, lieber Leser,

seit Januar 2023 hat Mobileye die TÜV-Zulassungsempfehlung für seine "Robo-Taxis" in Deutschland. Feldversuche sollen in München und Darmstadt an den Start gehen, gesichtet wurde noch kein Fahrzeug im realen Einsatz. Dabei dürfte das gerade in München spannend werden, denn erfahrungsgemäß ist dort das Verhalten vieler am Verkehr Teilnehmenden ausreichend rücksichtslos und egoistisch für einen echten Härtetest. Zudem ist München momentan und sicher auch künftig einer der Blockadehotspots der "letzten Generation".

Aktuell viel beachtete Feldversuche seitens Cruise und Waymo laufen in San Francisco, wo teils trotz im Detail an sich unspektakulärer Vor- und Unfälle - Cruise fährt in feuchten Zement, unerklärlicher Stillstand, spontane Rudelbildung mehrerer Cruise-Fahrzeuge auf derselben Kreuzung und anschließende gegenseitige Blockade − in großer Zahl gefahren wird. Auch Rettungsfahrzeuge werden teils nicht erkannt, starker Nebel ist sowieso ein Hindernis. Die meisten Vorkommnisse sind nicht gravierend. Allerdings, und das merken Fachleute an, ist der Punkt der geringen Schwere der Fehler im Sinn von Sicherheit ein eher schlechtes Argument. So lange propagiert wird, dass der Automat besser fährt als ein Mensch, darf er letztlich gar keine machen. Ergo sollten sowohl die Baustellenkennzeichnung als auch der Rettungswagen registriert werden, da Computer (vermutlich) weder träumen noch zu laut Musik hören.

Trotz allem kommen also im Zweifel neue oder mindestens andere Fehler hinzu, die der Mensch nicht macht: Die besagten Blockaden beispielsweise wurden anscheinend durch Kontaktverlust mit dem Firmenserver hervorgerufen. Insofern könnte man den Vorgang sogar als Proof-of-Concept werten, wenn ohne Kommunikationsverbindung ein sicherer Zustand ausgelöst wird und das Fahrzeug so keine Gefährdung darstellt. Von der gedachten Funktion her, ist es allerdings der GAU, wenn nichts mehr geht in der Rushhour. Zumal es auch Blockadesituationen ohne Kontaktverlust gibt, wo die KI versagt und zu keiner Option mehr gelangt - würde jeweils geklärt, warum das der Fall ist, winkt ein Erkenntnisgewinn. Von Fachleuten aber wird teils angezweifelt, dass die Root Causes gefunden werden, da sich manche Fehler wiederholen.

So oder so droht noch eine andere "Gefahr": Eine Aktivistengruppe in San Francisco namens Safe Street Rebels platziert immer wieder Warnhütchen auf der Fronthaube der autonomen Fahrzeuge, was diese blockiert und eine manuelle Entsperrung vor Ort nötig macht. Das würde für Aktivisten neben dem Ankleben auf der Fahrbahn eine weitere Methode der Blockade eröffnen: quasi vollautomatisch.

Viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe.

Robert Unseld

Verantwortlicher Redakteur

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