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Gute Software entsteht nicht in hardwareorientierten Organisationsformen

Die Zukunft der Automobilindustrie wird durch Software bestimmt. Eine aktuelle Berylls-Studie belegt, dass bis 2030 fast 60 % aller F&E-Kosten auf Software entfallen werden. Die Gründe dafür sind in den Nachrichten und auf den Tagesordnungen der Führungsetagen der Automobilindustrie allgegenwärtig: autonomes Fahren, E-Mobilität, Shared Mobility, KI und viele mehr.

Die etablierten Entwicklungsorganisationen der OEMs sind jedoch nach wie vor komponentenorientiert organisiert, wie sie es seit fast 30 Jahren sind. Sie sind daher nicht dafür geeignet, die Komplexität moderner Softwarefunktionen zu bewältigen, die domänenübergreifend arbeiten. Die Folgen sind steigende Kosten, Qualitätsprobleme und das Risiko, von der Konkurrenz aus dem Silicon Valley oder China abgehängt zu werden. Eine Entwicklung, die sich auf einzelne Komponenten konzentriert, führt zu isolierten Prozessen mit viel Zeitaufwand für Schnittstellenabstimmungen. Wir sind der Meinung, dass OEMs von der Systemorientierung lernen sollten, die den Fokus auf Software und Hardware gleichermaßen legt. Der Systembezug hilft in der Kundenorientierung und umgeht das Gesetz von Conway, nach dem Produkte immer die Systemgrenzen der erschaffenden Organisation repräsentieren. Darüber hinaus hilft dies, eine durchgängige Verantwortung zu schaffen und Abstimmungsaufwände zu verringern.

Doch was bedeutet dies für die Matrixorganisationen der meisten OEMs? Wir empfehlen eine systemorientierte Projektorganisation mit Funktions- und Komponentenverantwortung in den gleichen Teams, um durch Integration von Hard- und Software am Ende ein ganzheitliches System zu erschaffen. In der Linie sehen wir jedoch drei mögliche Ansätze:

Eine systemorientierte Aufstellung mit der Spiegelung der Projektorganisation in der Linie funktioniert am besten, wenn der OEM den Großteil seiner Software extern bezieht, anstatt sie selbst zu entwickeln. Der Fokus liegt hierbei auf der Integration der verschiedenen Lösungen in ein stimmiges Endprodukt.

Für die Inhouse-Softwareentwicklung eignet sich eine funktionsorientierte Organisation, in der Funktionen als eigenständige Softwarekomponenten von dedizierten, hardwarefreien Organisationseinheiten entwickelt werden. Das ermöglicht mehr Flexibilität und einen stärkeren Fokus auf die Kundenfunktionen.

Eine hybride Linienorganisation ermöglicht es den OEMs, sich gleichzeitig auf komplexe Funktionen zu konzentrieren und ihre Legacy-Architekturen auf systemorientierte Weise zu pflegen. Es besteht jedoch die Gefahr, am Ende keinen der beiden Ansätze wirklich zu realisieren.

Welchen Weg die OEMs auch wählen, die Herausforderungen eines softwaredefinierten Fahrzeugs lassen sich nicht allein durch strukturelle Veränderungen bewältigen. Die OEMs müssen ihre Prozesse, ihre Kultur und ihre Managementpraktiken ebenso anpassen, um sich auf die dezentrale, iterative und kontinuierliche Entwicklung des "software-defined vehicle" des 21. Jahrhunderts einzustellen.

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Kronen, T. Gute Software entsteht nicht in hardwareorientierten Organisationsformen. ATZ Elektron 17, 58 (2022). https://doi.org/10.1007/s35658-022-0754-8

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