Liebe Leserin, lieber Leser,

die Wiege der Menschheit wird wiederentdeckt. Zugleich alt und jung - das ist Afrika. Vor drei Millionen Jahren streiften die Frühmenschen der Lucy-Spezies durch den tropischen Regenwald und die sich bildenden Savannen. Und heute lebt auf dem Kontinent zwischen Kairo und Kapstadt sowie Dakar und Dschibuti die Bevölkerung mit dem weltweit niedrigsten Altersdurchschnitt von nur 18 Jahren, während unser Europa mit 42 Jahren im wahrsten Sinne des Wortes alt aussieht.

2020 lag die Bevölkerungszahl in Afrika bei rund 1,3 Milliarden Menschen, und die UN-Bevölkerungsabteilung geht davon aus, dass sich diese Zahl bis Ende des Jahrhunderts noch kräftig erhöhen wird, nämlich auf 4,5 Milliarden. Lag die Lebenserwartung 1950 noch auf einem sehr niedrigen Niveau von rund 37 Jahren, können die heute geborenen Kinder sich darauf freuen, 63 Jahre alt zu werden. Bis 2100 sagt die UN ein Alter von 76 voraus. Das sind gute Nachrichten und rosige Aussichten. Damit ergeben sich auch neue industrielle Möglichkeiten für den bislang oft nur ausgebeuteten Kontinent.

Dafür stärkt sich Afrika selbst. Mit der nun gestarteten Freihandelszone AfCFTA steht Afrika an der Schwelle zu einer neuen Ära. Denn der größte zollfreie Zusammenschluss der Welt birgt große Chancen in sich, wenn 97 % des Binnen-Warenverkehrs ohne Zollschranken auskommen. Und die jungen Menschen sind für viele Branchen als Kunden und zudem immer mehr als einheimische Fachkräfte interessant.

Das Aufblühen Afrikas sieht die deutsche Automobilindustrie ebenso. Der VDA hat den Kontinent neu als Markt, aber auch als Produktionsstätte lokalisiert; er kooperiert nun mit dem Afrikanischen Verband der Automobilhersteller (AAAM), um unter anderem den Zugang zu oft schwierigen Märkten zu ebnen. Dazu sagt VDA-Präsidentin Hildegard Müller: "Mit dem Gemeinschaftsprojekt verfolgen VDA sowie AAAM das Ziel, die Bedingungen für eine blühende Automobilindustrie auf dem afrikanischen Kontinent zu verbessern, um Wirtschaftswachstum und Wohlstand in Afrika zu erhöhen". Somit soll sowohl deutschen als auch afrikanischen Firmen ermöglicht werden, am Marktwachstum teilzuhaben und Win-win-Situationen im Handels- und Investitionsaustausch zu begünstigen. Eine VDA-Gruppe in Berlin sowie zwei Projektbüros in Südafrika und Ghana sind für die Umsetzung des Projekts zuständig.

Die Ziele sind also gesetzt, erste Aktionen eingeleitet. So kann die deutsche Autobranche mit ihren über 2500 Produktionseinrichtungen im Ausland helfen, auch das alte junge Afrika mit Wachstum und Wohlstand an einer gerechten Globalisierung teilhaben zu lassen.

Herzliche Frühlingsgrüße, Ihr

Dipl.-Ing. Michael Reichenbach

Stellvertretender Chefredakteur

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