Bei der Pharmakotherapie psychischer Störungen wird die Monotherapie empfohlen, gleichwohl kommt es immer wieder zu Fällen, in denen die Monotherapie nicht zu einer ausreichenden Besserung führt. Hier kann — unter anderen Strategien — auch eine Augmentation überlegt werden, also die Hinzugabe einer Substanz zu einer bestehenden Pharmakotherapie, die primär nicht für die zu behandelnde Störung geeignet ist. Als Beispiel: Wird zur Behandlung einer depressiven Episode mit einem selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Lithium oder ein atypisches Antipsychotikum (in Deutschland zugelassen: retardiertes Quetiapin) hinzugegeben, spricht man von Augmentation. Wird zum Beispiel Mirtazapin hinzugegeben, handelt es sich um eine Kombinationstherapie zweier Antidepressiva.

Die Pharmakotherapie der ersten Wahl bei der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) sind SSRI. Jedoch sind diese in Monotherapie oft nicht ausreichend wirksam, sodass häufig atypische Antipsychotika (meistens in relativ niedriger Dosierung) hinzugegeben werden. Bei Asenapin handelt es sich um ein atypisches Antipsychotikum, das in Deutschland die Zulassung zur Akuttherapie der Manie besitzt, in den USA aber auch zur Behandlung der Schizophrenie zugelassen ist. Aufgrund seiner speziellen Rezeptorpharmakologie (partieller Agonismus am 5-HT1A-Rezeptor, Affinität für α-1- und α-2-adrenerge Rezeptoren) scheint es besonders für die Behandlung der PTBS geeignet, da diese Systeme an der Auslösung eines Teils der PTBS-Symptomatik beteiligt sein sollen.

In der vorliegenden offenen Studie wurde der Effekt von Asenapin als Augmentativum zu einer bestehenden SSRI-Therapie bei PTBS untersucht. Hierzu wurden 18 ehemalige Soldaten, die unter einer PTBS litten und bei denen eine regelrecht durchgeführte Therapie mit SSRI, Venlafaxin oder Mirtazapin nicht zu einem ausreichenden Erfolg geführt hatte, rekrutiert. Die Studienteilnehmer erhielten nun zusätzlich über zwölf Wochen zwischen 5 mg und 20 mg Asenapin, je nachdem, wie gut sie diese Substanz tolerierten. Das primäre Wirksamkeitskriterium war der Gesamtwert der CAPS (Clinician Administered PTSD Scale). Der CAPS-Wert fiel von 77,56 (± 14,48) auf 48,7 (± 30,6) zu Woche 4 auf schließlich 35,4 (± 19,7) zu Woche 12. Diese Pilotstudie zeige, so die Autoren, dass Asenapin einen zusätzlichen Nutzen für therapierefraktäre PTBS-Patienten darstellen könnte. Da eine Placebogruppe fehlte und die Studie auch nicht doppelblind war, müssen solche placebokontrollierten randomisierten Studien (RCT) dringend durchgeführt werden, um diese vorläufigen Ergebnisse zu verifizieren oder zu falsifizieren.

Kommentar

Bei dieser Studie handelt es sich um ein Beispiel einer Pilotstudie, die ermutigende Ergebnisse zeigt, die aber durch adäquate RCT abgesichert werden müssen.