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DNP - Der Neurologe & Psychiater

, Volume 18, Issue 5, pp 20–20 | Cite as

Hilft grünes Licht bei Migräne?

  • Stefan Evers
Literatur kompakt

Eine Studie konnte belegen, dass weißes, blaues, oranges und rotes Licht intensitätsabhängig Kopfschmerzen verstärken kann, grünes Licht dagegen bei einigen Patienten sogar zu einer Abschwächung führte.

Während einer Migräneattacke kommt es oft zu Photophobie, die unangenehm ist und auch die Kopfschmerzen verstärken kann. Bisher dachte man, dass die inadäquate Verarbeitung der Lichtreize kortikalen Prozessen unterliegt. Die mögliche Rolle der Retina und der Sehstrahlung bei der Photophobie wurde bisher nicht untersucht. Die Arbeitsgruppe aus Boston untersuchte 69 Migränepatienten, die während ihrer Migräneattacken unterschiedlichen Lichtfarben ausgesetzt wurden. Dabei wurde gemessen, ob die entsprechende Farbe die Kopfschmerzen und die Photophobie verstärkten oder nicht. Zusätzlich wurden die Elektroretinographie mit unterschiedlichen Farben und die visuell evozierten Potenziale abgeleitet. Die Studie konnte belegen, dass weißes, blaues, oranges und rotes Licht intensitätsabhängig Kopfschmerzen verstärkten. Dieselben Stimuli führten auch bei vielen Patienten zu einer vermehrten Muskelanspannung und zu pochenden Kopfschmerzen. Bei einem Teil der Patienten führte dagegen grünes Licht zu einer nur geringen Verstärkung der Kopfschmerzintensität, bei einigen sogar zu einer Abschwächung. In der Elektroretinografie und in den visuell evozierten Potenzialen waren bei grüner Farbe die evozierten Potenziale am kleinsten.

Kommentar

Diese Studie hat in den Laienmedien ein außerordentlich hohes Interesse erregt. Dabei wurde etwas übereilt berichtet, dass Migräne mit Lichttherapie behandelt werden könne. Es ist daher gut, sich die Studie genau anzuschauen. Man kann aus der Studie schließen, dass Farbsignale in der Migräneattacke (und auch weniger ausgeprägt außerhalb) vor allem in der Retina und im Thalamus verschaltet und moduliert werden. Bislang hat man angenommen, dass die Modulation vor allem im visuellen Kortex stattfindet. Weiterhin lässt sich erschließen, dass diese Strukturen für die Entstehung der typischen Photophobie eine größere Rolle spielen als die kortikale Verarbeitung. Dabei spielen die Farbfrequenzen des Lichts anscheinend auch eine wichtige Rolle, zumindest in der Ausprägung der Symptome. Allerdings kann nicht gefolgert werden, dass die Exposition gegenüber grünem Licht einen therapeutischen Effekt hat. Dies muss erst in klinischen Studien untersucht werden, die hier vorgelegte Studie macht dazu keine Aussagen.

Für die Entstehung der typischen Photophobie bei Migräne spielen die Farbfrequenzen des Lichts anscheinend eine wichtige Rolle, das bedeutet aber noch kein „grünes Licht“ für die Lichttherapie der Migräne, wie in der Laienpresse berichtet wurde.

© SPA / picture alliance

Literatur

  1. Noseda R et al. Migraine photophobia originating in cone-driven retinal pathways. Brain 2016; 139: 1971 – 86CrossRefPubMedGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin 2017

Authors and Affiliations

  • Stefan Evers
    • 1
  1. 1.

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