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DNP - Der Neurologe & Psychiater

, Volume 18, Issue 5, pp 11–11 | Cite as

Angsterkrankungen – hat das Mikrobiom hier seine Finger im Spiel?

  • Andreas Häckel
Medizin aktuell

Angst ist die häufigste neuropsychiatrische Erkrankung, aber auch eine Vorläufererkrankung für weitere psychiatrische Erkrankungen wie Depression oder Demenz. Eine wirksame Therapie der Angst ist teuer.

Auch wenn der finanzielle Aufwand für eine wirksame Therapie der Angst hoch ist, schlägt der pharmakologische Anteil daran mit zirka 150 € pro Jahr kaum zu Buche. Gleichwohl ist aufgrund der protektiven Folgeeffekte eine Rendite der erfolgreichen Angsttherapie von Faktor 4 der eingesetzten Ressourcen zu erwarten [1], betonte Professor Katharina Domschke von der Universität Freiburg. So zeigte eine dänische Kohortenstudie bei über 3,3 Millionen Personen, dass bei Angsterkrankungen das Risiko einer nachfolgenden depressiven Episode dreifach und das einer rezidivierenden depressiven Störung im Vergleich zur Normalbevölkerung fünffach erhöht war. Weiter scheint durch eine Angsterkrankung die Konversion eines MCI (mild cognitive impairment) in eine manifeste Alzheimer-Demenz abhängig von der Ausprägung der Angstsymptomatik um 33 – 135 % erhöht zu sein [2].

Auch bei der Angsterkrankung ist eine epigenetisch verringerte Methylierung bestimmter Gene als Risikofaktor beteiligt. Damit bildet die Epigenetik ein Scharnier zwischen Genen und Umwelt, sagte Domschke. Dies wurde etwa für das Monoaminoxidase A-Gen (MAOA) [3], aber auch für das FK506-binding protein-5-Gen (FKBP5) nachgewiesen [4]. Zugleich zeigte sich, dass sich diese reduzierte Methylierung im MAOA-Gen nach einer erfolgreichen kognitiven sechswöchigen Verhaltenstherapie wieder normalisierte, was quasi als molekularer Wirkmechanismus von Psychotherapie gesehen werden kann.

Auch das Mikrobiom spielt eine Rolle bei Angsterkrankungen. In einer Gruppe von über 10.000 Probanden erhöhte bereits eine einmalige antibiotische Behandlung mit Penicillin, Chinolonen, Sulfonamiden, Tetrazyklinen oder Imidazolen das Risiko einer späteren Angsterkrankung um das 1,17 – 1,44-fache [5]. Auf dieser Achse lässt sich aber offenbar auch therapeutisch ansetzen. In einer Pilotstudie mit 45 Probanden führte eine dreiwöchige präbiotische Diät (u. a. mit Galacto-Oligosacchariden) im Vergleich zur Kontrollgruppe unter Maltodextrin zu einer signifikanten Reduktion des morgendlichen Cortisolspiegels als Maß für den Stresslevel [6].

Entsprechend den S3-Leitlinien für Angsterkrankungen sollte Angstpatienten grundsätzlich Psycho- und Pharmakotherapie angeboten werden [7], erinnerte Domschke. SSRI und SNRI (selektive Serotonin/Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer) sind initial in halbierter Dosis langsam aufzudosieren („start low, raise slow“). Zudem sollte der Arzt die Therapie nach einer Remission noch für mindesten sechs bis zwölf Monate fortsetzen. Neu im Portfolio und offenbar gut wirksam bei generalisierter Angststöruntg sowie gemischter Angst und Depression ist auch ein Lavendelöl-extrakt [8].

Angst (Prof. Katharina Domschke). Psychiatrie Update, Mainz, 25.3.2017

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Copyright information

© Springer Medizin 2017

Authors and Affiliations

  • Andreas Häckel
    • 1
  1. 1.

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