DNP - Der Neurologe & Psychiater

, Volume 18, Issue 5, pp 10–10 | Cite as

Lithium geht bei bipolaren Störungen mehrfach als Sieger hervor

  • Andreas Häckel
Medizin aktuell
  • 126 Downloads

Lithium ist nach wie vor der Goldstandard in der medikamentösen Therapie bipolarer Störungen, jedoch sprechen nicht alle Patienten hierauf an.

Bipolare Störungen (BPS) beginnen in der Regel in der Adoleszenz oder im frühen Erwachsenenalter, haben einen intraindividuell sehr unterschiedlichen Verlauf und verkürzen – auch aufgrund des hohen Suizidrisikos – die Lebenserwartung um etwa zehn Jahre. Als mitbestimmend für das Ansprechen von Lithium auf BPS wurden jetzt offenbar vier Genpolymorphismen auf Chromosom 21 identifiziert, wie Professor Michael Bauer von der TU Dresden berichtete [1]. Unter einer Lithium-Therapie findet sich überdies, dosisabhängig, nach weiteren, vorläufigen Befunden im Vergleich zur Behandlung mit Antikonvulsiva bei BPS-Patienten ein geringeres Risiko für Tumorerkrankungen [2]. Auch die Häufigkeit von Selbstverletzungen und Unfällen war unter Lithium im Vergleich zu Valproat oder Quetiapin reduziert [3], was als bessere Stimmungsstabilisierung unter dem Leichtmetall interpretiert wurde. Ein suizidprotektiver Effekt konnte wegen zu geringer Fallzahlen nicht ermittelt werden. Eine britische populationsbasierte Kohortenstudie bestätigte zudem, dass Lithium hinsichtlich der Zeitdauer, über die 75 % der Patienten mit einer Monotherapie noch erfolgreich behandelt werden konnten, mit zwei Jahren deutlich besser abschnitt als Valproat, Olanzapin (je 1,1 Jahre) oder Quetiapin (0,76 Jahre). Damit liegt Lithium in der Langzeittherapie im klinischen Alltag vorne, so Bauer. Auch positive strukturelle Veränderungen werden ihm zugeschrieben: So fand sich ein neuroprotektiver Effekt von Lithium im Vergleich zu einer nicht lithiumhaltigen Therapie auf das bei Bipolar-I- und -II-Störungen reduzierte Hippocampusvolumen [4]. Nicht aus dem Blick geraten sollten allerdings dessen unerwünschte Wirkungen wie Hypothyreose, Hyperkalzämie und leichte Niereninsuffizienz. Mögliche neue Therapieoptionen bei bipolaren Störungen mit bislang aber noch nicht tragfähigen Studiendaten sind Einzelinfusionen mit Ketamin oder anderen NMDA-Rezeptorantagonisten mit rasch einsetzendem antidepressiven Effekt, der nach einer Metaanalyse bis zu einer Woche anhält [5], sowie die neuen atypischen Antipsychotika Cariprazin und Lurasidon.

Bipolare Störungen (Prof. Michael Bauer). Psychiatrie Update, Mainz, 25.3.2017

  1. 1.
    Hou et al. Lancet 2016; 387 (10023): 1085–93CrossRefPubMedPubMedCentralGoogle Scholar
  2. 2.
    Huang et al. Br J Psychiatry 2016;209 (5):393–9CrossRefPubMedGoogle Scholar
  3. 3.
    Hayes et al. JAMA Psychiatry 2016;73 (6): 630–7CrossRefPubMedGoogle Scholar
  4. 4.
    Hayek et al., Psychol Med 2013;44 (3): 507–17Google Scholar
  5. 5.
    Kishimoto et al., Psychol Med 2016;46 (7): 1459–72CrossRefPubMedPubMedCentralGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin 2017

Authors and Affiliations

  • Andreas Häckel
    • 1
  1. 1.

Personalised recommendations