Advertisement

Gastro-News

, Volume 6, Issue 3, pp 48–48 | Cite as

Akute hepatische Porphyrie: RNA-Interferenztherapeutikum reduziert in Phase-III-Studie Attacken deutlich

  • Dirk Einecke
aktuell
  • 65 Downloads

Beim EASL wurde ein deutlicher Therapieerfolg bei akuter hepatischer Porphyrie (AHP) berichtet. Mit dem RNA-Interferenztherapeutikum Givosiran gelang eine Reduktion der Schmerzattacken um 74 %.

Bei der AHP handelt es sich um eine Gruppe seltener, genetisch bedingter Stoffwechselerkrankungen. Es mangelt an einem der Enzyme, die für die Häm-Biosynthese erforderlich sind, erläuterte Prof. Manisha Balwani, Mount Sinai Hospital New York. Die häufigste Form ist die akute intermittierende Porphyrie. Pathophysiologisch kommt es zu einer Induktion des Enzyms ALAS1, das zu den neurotoxischen Substanzen Aminolävulinsäure und Porphobilinogen abgebaut wird. Die Symptomatik ist oft unspezifisch, kann die Lebensqualität der Patienten aber erheblich beeinträchtigen, berichtete Balwani. Im Vordergrund stehen schwere, diffuse Bauchschmerzen, Übelkeit, Fatigue und Angstzustände. Auch Nieren- und Lebererkrankungen sowie Bluthochdruck kommen vor.

Phase-III-Studie ENVISION mit Givosiran

Givosiran ist ein monatlich subkutan zu verabreichendes RNA-Interferenz-Therapeutikum (2,5 mg/kg), das die Aktivität des induzierten Schlüsselenzyms ALAS1 reduziert. Es besitzt „breakthrough therapy designation“-Status in den USA und „priority medicines designation“-Status in Europa. Wirksamkeit und Verträglichkeit des Orphan Drug wurden in der doppelblinden Phase-III-Studie ENVISION bei 94 Patienten mit dokumentierter AHP und mindestens zwei Attacken in den letzten sechs Monaten untersucht. Primärer Endpunkt war die auf ein Jahr hochgerechnete Attackenfrequenz aus Krankenhauseinweisung, Notfallbehandlung oder i. v.-Hämin-Therapie zuhause. Das Risiko für diesen Endpunkt wurde hochsignifikant von 12,5 unter Placebo auf 3,2 unter Givosiran reduziert, so Balwani. Die mediane Attackenfrequenz sank um 90 %. Die Hälfte der behandelten Patienten blieb attackenfrei.

Schwere Nebenwirkungen wurden bei 10,9 % (Placebo) und 16,7 % (Verum) registriert. In drei Fällen wurde die Nebenwirkung auf das Medikament zurückgeführt. 93 von 94 Patienten entschieden sich aber dafür, die Givosiran-Behandlung nach der Studie fortzuführen. Der Hersteller plant die baldige Markteinführung.

Quelle

  1. Balwani M et al. ENVISION, a Phase 3 Study to Evaluate the Efficacy and Safety of Givosiran, an Investigational RNAi Therapeutic Targeting Aminolevulinic Acid Synthase 1, in Acute Hepatic Porphyria Patients (gesponsored von Alnylam). The International Liver Congress (ILC) 2019 der EASL, 10. — 14.4.2019 in Wien, ÖsterreichGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Dirk Einecke
    • 1
  1. 1.

Personalised recommendations