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Gastro-News

, Volume 5, Issue 3, pp 70–70 | Cite as

PPI-Glosse

Nehmen ist schwerer als geben!

  • Peter Stiefelhagen
aktuell
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© Kzenon / fotolia.com

Einen Protonenpumpeninhibitor (PPI) anzusetzen ist nicht schwer, ihn abzusetzen dagegen sehr. Dass es allerdings so schwierig ist, hatte niemand geahnt, als sich internationale Experten diesem Thema vor geraumer Zeit angenommen haben. Sie haben zusammengesessen und zunächst darüber diskutiert, ob ein so bewährtes Medikament überhaupt abgesetzt werden dürfe, wurden PPI doch über viele Jahre intensiv als Schutz des Magens vor allen schädlichen Einflüssen propagiert, also quasi als gastrales Heftpflaster. Dem Statement „Einmal PPI, immer PPI“ wollten sich am Ende nicht alle anschließen. So einigte man sich schließlich auf detaillierte Empfehlungen in Form einer Leitlinie mit zehn Seiten [1]. Es ist das erste Mal, dass eine Extra-Leitlinie für etwas, was man absetzen will, erarbeitet wurde. Es klingt ja schon etwas paradox, dass jetzt versucht wird, mittels einer Leitlinie ein Problem zu lösen, was ja nur dadurch entstanden ist, dass kaum jemand die Leitlinie bei der Indikationsstellung richtig beachtet.

Lohnt sich der Aufwand?

Doch wie nun vorgehen? Zunächst halten die Experten es nicht für sinnvoll, der Frage nachzugehen, warum der PPI überhaupt angesetzt wurde. Metaanalysen haben nämlich ergeben, dass sich in der Regel kein „Schuldiger“ mehr findet. Häufig sei der erstverordnende Arzt bereits im Ruhestand oder sogar unter der Erde. Sollte man aber den Mut haben, den heroisch anmutenden Absetzversuch zu starten, dann bitte den PPI langsam ausschleichen und zwar über mindestens ein Jahr. Wenn zwischenzeitlich jedoch irgendwelche Symptome wie Zungenbrennen, Bauchschmerzen oder Appetitverlust auftreten, sollte schnell wieder auf die volle Dosis zurückgegangen werden. Somit dürfte es sicherlich nur ein verschwindend kleiner Teil von Patienten sein, der dauerhaft vom PPI entwöhnt werden kann. Dazu kommt, dass es eines erhöhten kommunikativen Aufwands bedarf, dem Patienten die Sinnhaftigkeit des Absetzens klar zu machen; denn er vermutet, man wolle nur „an ihm“ sparen. Deshalb dürfte sich der ganze Aufwand eigentlich gar nicht lohnen, so das Fazit der Leitlinie.

Literatur

  1. 1.
    Farrell B, Pottie K, Thompson W et al. Deprescribing proton pump inhibitors: Evidence-based clinical practice guideline. Can Fam Physician 2017 May;63(5):354–64PubMedPubMedCentralGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Peter Stiefelhagen
    • 1
  1. 1.

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