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Info Diabetologie

, Volume 11, Issue 5, pp 17–17 | Cite as

Kardiovaskuläre Endpunktstudie

Gliflozin schützt Herz und Hirn, aber nicht Zehen

  • Emanuel Fritschka
journal club
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Fragestellung: Welchen Einfluss hat der SGLT2-Inhibitor Canaglifozin auf einen kombinierten Endpunkt aus kardiovaskulärem Tod, nicht tödlichem Myokardinfarkt und nicht tödlichem Schlaganfall bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und hohem kardiovaskulärem Risiko?

Hintergrund: Canaglifozin reduziert bei Diabetikern Blutzucker, Blutdruck, Körpergewicht und Albuminurie. Das Canaglifozin Cardiovascular Assessment Program bestand aus zwei Schwesterstudien, in denen das Verhältnis von Nutzen und Risiko der Substanz untersucht wurde. In der ersten CANVAS-Studie wurde die kardiovaskuläre Sicherheit vor der Zulassung geprüft und in der zweiten (CANVAS-R) wurden nach der Zulassung auch renale Endpunkte wie Albuminurie einbezogen. Beide Studien wurden dann gemeinsam statistisch ausgewertet.

Amputationen im Zehen- und Metatarsalbereich waren in der Studie bei Gliflozintherapie häufiger.

© Springer Medizin Verlag GmbH

Methoden: Teilnehmer waren 10.142 Typ-2-Diabetiker im Alter > 30 Jahren mit symptomatischen arteriosklerotischen Vorerkrankungen oder im Alter > 50 Jahre mit mehr als 2 starken kardiovaskulären Risikofaktoren und GFR > 30 ml/min pro 1,73 m2. Das mittlere Alter betrug 63,3 Jahre; 36 % waren Frauen; die mittlere Diabetesdauer war 13,5 Jahre und 66 % hatten bereits kardiovaskuläre Vorerkrankungen. Die Teilnehmer wurden auf Canaglifozin oder Placebo randomisiert und wurden im Mittel 188,2 Wochen beobachtet.

Ergebnisse: Der kombinierte primäre Endpunkt (kardiovaskulärer Tod, nicht tödlicher Myokardinfarkt und nicht tödlicher Schlaganfall) wurde unter Canglifozin signifikant weniger häufig (26,9 vs. 31,5 /1000 Patienten-Jahre, HR 0,86) erreicht, wenn auch die Komponenten einzeln ausgewertet im Vergleich zu Placebo nicht-signifikant seltener waren. Auch die Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz waren seltener (5,5 vs. 8,7, HR 0,67). Die Progression der Albuminurie war unter Canglifozin geringer (89,4 vs. 128,7, HR 0,73). Der kombinierte renale Endpunkt (Abnahme der Nierenleistung um –40 %, Dialysepflicht oder renal bedingter Tod) trat unter Canaglifozin ebenfalls seltener auf (5,5 vs. 9,0, HR 0,6). Nur in der Placebo-Gruppe gab es 3 renal-bedingte Todesfälle.

Dagegen waren mit 6,3 vs 3,4 Fällen/ 1000 Teilnehmer Amputationen unter Canaglifozin häufiger (HR 1,97). Davon betrafen 71% die Zehen oder Metatarsalia. Die mittlere Differenz der HbA1c-Werte betrug –0,58 %, das Gewicht war mit Canglifozin um –1,6 kg und der systolische/diastolische Blutdruck um –3,09/1,40 mmHg niedriger.

Schlussfolgerung: Die gemeinsame Auswertung der 2 Studien zeigte, dass bei Diabetikern mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko mit Canaglifozin weniger oft kardiovaskuläre Ereignisse auftraten als mit Placebo, aber auf Kosten häufigerer Amputationen.

Kommentar von Prof. Dr. med. E. Fritschka

Weniger Apoplexie, das hat Gewicht

Die Studie befasst sich nur mit Diabetikern mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko. Die Ergebnisse können daher nicht auf alle Diabetiker generalisiert werden. Die tendenziell günstige Auswirkung auf die Schlaganfallhäufigkeit im Gegensatz zu anderen Studienergebnissen hat Gewicht [1]. Der protektive Einfluss auf den kombinierten kardiovaskulären und den renoprotektiven Endpunkt stimmt mit früheren Ergebnissen mit SGLT2-Hemmern überein [2]. Die positiven Effekte wurden hier durch die geringe Differenz der HbA1c-Werte möglicherweise gar unterschätzt. Eine weitere Studie mit Canaglifozin bei Patienten mit nachgewiesener diabetischer Nephropathie ist unterwegs. Die erhöhte Rate von Amputationen in der Canaglifozin-Gruppe bei Patienten mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko wurde bisher mit anderen Gliflozinen nicht beobachtet. Canaglifozin sollte daher vorerst bei Patienten mit erhöhtem Risiko für Amputationen nur mit Vorsicht angewendet werden. Insgesamt zeigen die vorliegenden Studien bei Typ-2-Diabetikern mit erhöhtem kardiovaskulären Risiko, dass unter Canaglifozin gegenüber Placebo, kombiniert betrachtet, signifikant weniger kardiovaskuläre Todesfälle und weniger nicht tödliche Infarkte sowie Schlaganfälle zu beobachten sind.

Prof. Dr. med. Emanuel Fritschka

Literatur

  1. 1.
    Wu JH, Foote C, Blomster J et al. Lancet Diabetes Endocrinol 2016; 4:411–9CrossRefPubMedGoogle Scholar
  2. 2.
    Wanner C, InzucchiSE, Lachin JM, et al. Empaglifozin and progression of kidney disease in type 2 diabetes. N Engl J Med 2016;375:323–34CrossRefPubMedGoogle Scholar

Originalie

  1. Neal B, Perkovic V, Mahaffey KW et al. Canagliflozin and Cardiovascular and Renal Events in Type 2 Diabetes. N Engl J Med. 2017 Aug 17;377(7):644–57.CrossRefPubMedGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH 2017

Authors and Affiliations

  1. 1.Bad BrückenauDeutschland

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