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Info Diabetologie

, Volume 10, Issue 4, pp 14–15 | Cite as

Kardiovaskuläre Primärprävention

Blutdruck- und Cholesterinsenkung schützt auch ohne Vorerkrankung

  • Emanuel FritschkaEmail author
journal club
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Wieder einmal bestätigt: Die Primärprävention kardiovaskulärer Ereignisse bei Risikofaktoren macht Sinn.

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Fragestellung: Welchen Einfluss hat eine Blutdruck- und Cholesterinsenkung bei Personen mit intermediärem kardiovaskulärem Risiko, aber ohne kardiovaskuläre Vorerkrankungen?

Hintergrund: Systolischer Blutdruck und LDL-Cholesterin sind zusammen für 2 Drittel des weltweiten Gesamtrisikos für kardiovaskuläre Erkrankungen verantwortlich [1]. Die gemeinsame Senkung von LDL-Cholesterin und Blutdruck könnte daher einen größeren kardiovaskulär-protektiven Effekt haben, als die Senkung von einem Parameter allein. In dieser randomisierten, placebokontrollierten und doppelblinden Multicenter-Studie wurde daher der Einfluss der Gabe eines potenten Statins und einer ACE-Hemmer-Diuretika-Kombination, einzeln oder gemeinsam bei Patienten mit intermediärem kardiovaskulärem Risiko prospektiv untersucht.

Patienten und Methoden: Der „Heart Outcomes Prevention Evaluation (HOPE-)3-Trial“ schloss 12705 Männer > 55 Jahre und Frauen > 65 Jahre ohne kardiovaskuläre Erkrankung, aber mit wenigstens einem kardiovaskulären Risikofaktor, ein. Die Teilnehmer erhielten an 228 Zentren in 21 Ländern Rosuvastatin (10 mg/Tag) oder Placebo und Candesartan (16 mg/Tag) plus Hydrochlorothiazid (HCT, 12,5 mg/Tag) oder Placebo. Hier wird der Vergleich der Ergebnisse bei den 3180 Teilnehmern berichtet, die eine Kombinationstherapie von Rosuvastatin gemeinsam mit den 2 antihypertensiven Substanzen erhalten hatten, verglichen mit den 3168 Teilnehmern, die Doppel-Placebo erhalten hatten. Der kombinierte primäre Endpunkt bestand aus kardiovaskulärem Tod, nicht tödlichem Myokardinfarkt und nicht tödlichem Schlaganfall. Der Ko-Primär-Endpunkt schloss zusätzlich Herzinsuffizienz, Herzstillstand oder Revaskularisierung ein. Die mittlere Beobachtungsdauer betrug 5,6 Jahre. In der Verum-Gruppe hatten 47% 2 und 25% 3 Risikofaktoren. Im Mittel war initial der BMI 27, LDL-Cholesterin 127 mg/dl, Nüchtern-Blutzucker 95,4 mg/dl (6,2% Diabetiker) und der Blutdruck (BD) lag bei 138/81 mmHg, ohne Differenz zur Placebo-Gruppe.

Ergebnisse: Nach 5,6 Jahren ergab die Kombitherapie vs. Doppel-Placebo ein signifikant niedrigeres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse (▶Abb. 1 zeigt als Beispiel den Myokardinfarkt).Der Abfall des LDL-Cholesterins betrug unter Kombinationstherapie im Vergleich zu Placebo 33,7 mg/dl und der Abfall des systolischen Blutdrucks war um 6,2 mmHg und des diastolischen BD um 3,2 mmHg stärker als unter Doppel-Placebo. Der primäre Endpunkt trat mit der Kombinationstherapie bei 113 Teilnehmern (3,6%) auf und bei 157 Teilnehmern unter Doppel-Placebo (p < 0,005). Der Ko-Primäre Endpunkt trat bei 136 Teilnehmern versus 187 Teilnehmern unter Doppel-Placebo auf (p =0,003). In der Kombinationstherapie-Gruppe gab es weniger Todesfälle insgesamt (163 versus 178) und aus kardiovaskulärer Ursache (75 versus 91) als in der Doppel-Placebo-Gruppe.

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Kaplan-Meier Kurve für den Endpunkt Myokardinfarkt. Die Hazard Ratio und der p-Wert betreffen den Vergleich zwischen der Kombinationstherapie Rosuvastatin plus Candesartan-Hydrochlorothiazid (HCTZ) mit der Doppel-Placebo-Therapie.

Quelle: nach

Schlussfolgerung: Die Kombination von Rosuvastatin, Candesartan und HCT ergab bei Personen mit intermediärem Risiko, aber ohne bereits bestehende kardiovaskuläre Erkrankung, eine signifikant niedrigere Rate von kardiovaskulären Ereignissen als Doppel-Placebo.

Kommentar von Prof. Dr. med. Emanuel Fritschka

Nutzen je nach Risikoprofil verschieden

Die HOPE-3-Studie wurde bei Personen mit durchschnittlichen Lipid- und Blutdruckwerten und mit einer Beobachtungszeit von 5,6 Jahren durchgeführt. Am Ende hatte die Verum-Gruppe mit einer Kombination, bestehend aus Statin, AT-1-Blocker und HCT ein 29% niedrigeres relatives Risiko für den kombinierten kardiovaskulären Endpunkt als die Placebo-Gruppe. Die „number needed to treat“ war 72 für den ersten und 63 für den zweiten kombinierten Endpunkt. Die Raten von Myokardinfarkten (-40%) und von Schlaganfällen (-44%) waren in der Kombinations-Therapie-Gruppe niedriger, als in der Placebogruppe.

Die Senkungen des LDL-Cholesterins mit 34 mg/dl und des systolischen Blutdrucks mit 6,2 mmHg waren moderat und sicher. Der protektive Effekt von Rosuvastatin bei den Teilnehmern, die initial LDL-Werten im normalen Bereich hatten, war unabhängig von der Höhe der Lipidwerte und des Blutdrucks.

Die Blutdrucksenkung wirkte sich nur positiv bei Personen im höchsten Drittel der Blutdruckverteilung (>143,5 mmHg) aus. Diese Beobachtung ist im Einklang mit den Ergebnissen von Metaanalysen, denen zufolge nur Personen mit initialen Blutdruckwerten über 140 mmHg von einer Blutdrucksenkung profitieren. Die Kombination von Statin und Antihypertensiva (AT-1-Blocker mit HCT) ist demnach nur bei Personen mit erhöhtem Blutdruck wirksam, während Personen mit mittlerem kardiovaskulärem Risiko, jedoch ohne erhöhten Blutdruck, von einer Monotherapie mit einem niedrigdosierten Statin profitierten.

Prof. Dr. med. Emanuel Fritschka

Literatur

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Originalie

  1. Yusuf S, Lonn E, Pais PN et al. HOPE-3 Investigators. Blood-Pressure and Cholesterol Lowering in Persons without Cardiovascular Disease. N Engl J Med 2016; 374:2032–43.PubMedCrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin 2016

Authors and Affiliations

  1. 1.Bad BrückenauDeutschland

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