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Info Diabetologie

, Volume 7, Issue 4, pp 22–23 | Cite as

Nierenleistung fällt früher ab

Bei Familienanamnese für diabetische Nephropathie
  • Emanuel FritschkaEmail author
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Diabetiker mit einem Geschwisterteil, das bereits eine chronische Nierenerkrankung hatte, neigen mehr zu einer terminalen Niereninsuffizienz als Diabetiker ohne eine solche Familienanamnese.

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Fragestellung: Ist bei Diabetikern mit einer weitgehend erhaltenen Nierenleistung (Stadium I–II) eine Albuminurie und die Anamnese einer diabetischen Nephropathie bei einem Geschwisterteil mit einer frühen Progression und Mortalität assoziiert?

Hintergrund: Diabetes ist in den USA mit 44% der führende Grund für eine terminale Niereninsuffizienz. Für etwa 40% der Fälle ist die diabetische Nephropathie verantwortlich. 2008 waren 202 290 Diabetiker in den USA auf eine Nierenersatztherapie angewiesen. Da nur ein kleiner Teil der Menschen mit Diabetes eine Nephropathie entwickelt, ist es wichtig, Risiko-Populationen in prospektiven Studien zu identifizieren. Denn sie sollten im klinischen Alltag besonders kontrolliert werden, um deren Nierenfunktion möglichst lange erhalten zu können. Verlässliche frühe Biomarker für diabetische Nephropathie sind bisher nicht etabliert. Um Hochrisikokollektive im Hinblick auf Mortalität und terminale Niereninsuffizienz identifizieren zu können, wurde bisher die Kombination aus Abfall der glomerulären Filtrationsrate (GFR) und Mikroalbuminurie vorgeschlagen [1,2]. Dies galt allerdings vor allem für Personen mit bereits fortgeschrittener Nierenkrankheit. Da die diabetische Nephropathie auch vererbbar ist, ging die vorliegende Studie der Frage nach, ob eine positive Familienanamnese und Albuminurie schon frühzeitig die Progression einer diabetischen Nephropathie vorhersagen kann, solange die GFR noch weitgehend erhalten ist.

Patienten und Methodik: Als Hochrisiko-Patienten (n=435) galten Diabetiker mit einem Geschwisterpaar, das bereits an einer terminalen Nierenerkrankung litt (mittleres Alter bei Diagnosestellung „Diabetes“ > 40 Jahre). Die Probanden der Niedrigrisiko-Gruppe (n=400) hatten keine Geschwister mit diabetischer Nephropathie, eine Normalbuminurie und einen Diabetes >10 Jahre (▶ Tab. 1). Von 2003 bis 2011 wurden die Teilnehmer nachverfolgt (mittlere Beobachtungszeit: 4,6 Jahre).

T1

Eingangsparameter zu Beginn der Studie bei Hoch- und Niedrig-Risikogruppe für Diabetische Nephropathie

 

High Risk

Low Risk

p-Wert

n

435

400

 

Geschlecht (% Frauen)

62,8

67,0

0,20

Alter (yr)

58,9 ± 10.5

59,9 ± 11,8

0,20

Rasse (% AA)

51,4

52,5

0,75

Diabetes-Dauer (yr)

14,1 ± 9,7

17,2 ± 8,7

<0,01

HbA1c (%)

7,7 ± 1,9

7,8 ± 2,0

0,46

Systolische BP (mmHg)

135,4 ± 17,8

134,2 ± 197,7

0,36

Diastolische BP (mmHg)

75,9 ± 11,6

74,7 ± 11,9

0,14

Serum Kreatinin (mg/dl)

1,05 ± 0.37

0,97 ± 0,25

<0,01

eGFRKreat (ml/min/1,73 m2)

74,3 ± 27,7

76,1 ± 24,3

0,32

Serum cystatin C (mg/dl)

1,1 ± 0,3

1,0 ± 0,5

<0,01

eGFRKreat+cysC (ml/min/1,73 m2)

73,9 ± 29,3

77,4 ± 24,1

0,06

Urin alb:kreat (mg/g)

27,6 (9–119)

11,2

<0,01

BP-Medikamente (%)

77,7

81,6

0,16

ACE-Inhibitor (%)

48,5

52,8

0,21

ARB (%)

14,1

14,8

0,77

Andere BP-Medikamente (%)

57,3

57,4

0,98

Insulin (%)

45,8

42,9

0,26

Orale hypoglykämische Mittel (%)

61,0

65,6

0,06

Lipidsenkende Mittel (%)

64,2

70,2

0,01

Blutdruck, Kreatinin, Cystatin C und Urin-Albumin sowie HbA1c wurden bei beiden Gruppen sequenziell gemessen. Beide Gruppen wurden hinsichtlich der Veränderungen der eGFR, der Progression zur terminalen Niereninsuffizienz und der Mortalität verglichen.

Ergebnisse: Die mittlere GFR zu Beginn war 74 ml/min/1,73 m2. 30 Personen mit hohem Risiko und keine aus der Niedrigrisiko-Gruppe erreichten das Stadium der terminalen Niereninsuffizienz. Der GFR-Abfall war signifikant augeprägter bei der Hochrisiko-Gruppe. Dies legt nahe, dass die Familienanamnese die GFR unabhängig beeinflusst. Die GFR-Abnahme wurde bei Patienten mit Mikro- oder Makroalbuminurie frühzeitig beobachtet (mittleres Albumin/Kreatinin-Verhältnis im Urin: 27,6 mg/g Kreatinin). Die GFR nahm signifikant schneller ab, wenn die Albuminurie über 300 mg/g Kreatinin lag.

Die Mortalität lag ebenfalls höher in der Hochrisiko-Gruppe als in der Niedrigrisiko-Gruppe, jedoch war dies unabhängig von der Familienanamnese. 119 Hochrisiko- und 54 Niedrigrisiko-Patienten starben im Verlauf der Studie. ACE-Hemmer bzw. AT1-Blocker erhielten in beiden Gruppen über 60% der Patienten.

Schlussfolgerung: Bisherige Langzeitbeobachtungen hatten Patienten in den Stadien I und II der Niereninsuffizienz nicht berücksichtigt [3]. Diese Studie zeigte, dass Diabetiker mit Familienanamnese für diabetische Nephropathie und Albuminurie viel stärker zu einem frühen Abfall der Nierenleistung neigen, wohingegen Patienten mit Diabetes seit mehr als 10 Jahren, mit normalen Albuminurin-Werten und negativer Familienanamnese einen milderen Abfall der glomerulären Filtrationsrate aufweisen und damit eher nicht das Stadium der Dialysepflicht erreichen.

Kommentar von Prof. Dr. med. Emanuel Fritschka

Familienanamnese und Albuminstatus rechtzeitig evaluieren

Die Studienergebnisse machen deutlich, dass Diabetiker mit einem erhöhtem Risiko, also jene mit einer Familienanamnese für diabetische Nephropathie und Albuminurie, frühzeitig, also möglichst vor Einsetzen einer Mikroalbuminurie oder eines GFR-Abfalls, evaluiert werden sollten. Damit ließe sich die Chance einer therapeutischen Intervention erhöhen.

Prof. Dr. med. Emanuel Fritschka

Literatur

  1. 1.
    Matsushita K, van der Velde M, Astor BC, Woodward M, Levey AS, De Jong PE et al: Association of estimated glomerular filtration rate and albuminuria with all-cause and cardiovascular mortality in general population cohorts: a collaborative meta-analysis. Lancet 2010, 375:2073–81.PubMedCrossRefGoogle Scholar
  2. 2.
    Tonelli M, Muntner P, Lloyd A, Manns BJ, James MT, Klarenbach S, et al: Using proteinuria and estimated glomerular filtration rate to classify risk in patients with chronic kidney disease: a cohort study. Ann Intern Med 2011,154:12–21.PubMedCrossRefGoogle Scholar
  3. 3.
    Lash JP, Go AS, Appel LJ, He J, Ojo A, Rahman M, et al: Chronic Renal Insufficiency Cohort (CRIC) Study: Baseline Characteristics and Associations with Kidney Function. Clin J Am Soc Nephrol 2009, 8:1302–11.CrossRefGoogle Scholar
  4. a.
    Gunzler D, Bleyer AJ, Thomas RL et al. Diabetic nephropathy in a sibling and albuminuria predict early GFR decline: a prospective cohort study. BMC Nephrol. 2013;14(1):124. [Epub ahead of print]PubMedCrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Urban & Vogel 2013

Authors and Affiliations

  1. 1.Chefarzt der Sinntalklinik, Rehabilitations- und AHB-Klinik für Nephrologie und Diabetologie der DRV NordbayernNordbayernDeutschland

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