Pneumo News

, Volume 10, Issue 1, pp 15–15 | Cite as

Geriatrie

Pneumonie und Hüftfraktur — eine unheilvolle Kombination

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Auf Geriatrie-Patienten mit Pneumonie und Fraktur muss man besonders aufpassen.

© Springer Medizin Verlag

Fragestellung: Beeinflussen präoperative Pneumonien die Komplikationsrate bei geriatrischer Patienten mit hüftnaher Fraktur?

Hintergrund: Es ist gar nicht so selten, dass zwei wirklich häufige Erkrankungen geriatrischer Patienten zusammenkommen: Die Pneumonie als eine der häufigsten Infektionskrankheiten [1] im höheren Lebensalter und die hüftnahe Fraktur als klassische Sturzfolge [2]. Beides hat großen Einfluss auf Morbidität und Mortalität. Es ist beschrieben, dass Patienten mit hüftnaher Fraktur in bis zu 3 % der Fälle bereits präoperativ an einer Pneumonie erkrankt sind. Dies mag ein Risikofaktor für einen komplizierten postoperativen Verlauf sein, was aber bisher nicht systematisch analysiert wurde. Daher haben sich die Autoren die Fragen gestellt, ob ein direkter Zusammenhang besteht, der postoperative Verlauf mit und ohne Pneumonie anders ist und ob die Pneumonie den Operationszeitpunkt beeinflussen kann.

Patienten u. Methoden: In dieser retrospektiven Kohortenstudie über sieben Jahre wurden geriatrische Patienten mit hüftnaher Fraktur auf präoperative Pneumonie gescreent. Alter, Geschlecht, Einweisungsgrund, Body Mass Index (BMI), funktioneller Status, Art der Narkose und das etwaige Vorliegen von perioperativer Anämie, Dyspnoe, COPD und weitere Komorbiditäten wurden ebenfalls erfasst. Datengrundlage war das National Surgical Quality Improvement Program (NSQIP) des American College of Surgeons. Sie betrachteten das 30-Tage-Outcome bzgl. aller erhobener Parameter. Statistische Analysen erfolgten mit Paerson-Chi-Quadrat-Test, Student‘s t-Test und multivariaten Analysen. Die post-OP Sterblichkeit wurde in der Kaplan-Meier-Kurve dargestellt.

Ergebnisse: 7.128 Patienten wurden in die Studie aufgenommen, 82 (1,2 %) litten zum Operationszeitpunkt an einer Pneumonie. Dies war mit einer erhöhten Komplikationsrate (relative risk [RR] = 1,44), schweren Komplikationen (RR = 1,79) und Tod (RR = 2,08) verbunden. Bestand zum OP-Zeitpunkt ein deutliches Untergewicht (BMI < 18,5 kg/m2), war dies ein deutlicher Prädiktor für die 30-Tage-Sterblichkeit (RR = 4,67). Der OP-Zeitpunkt spielte in diesem Zusammenhang keine Rolle. Die Krankenhausverweildauer war bei vorbestehender Pneumonie signifikant länger.

Schlussfolgerung: Die Autoren schlossen, dass eine präoperativ existente Pneumonie sehr wohl die Komplikationsrate erhöht und daher auf diese Patienten ein deutlich höheres Augenmerk bzgl. einer optimierten perioperativen Versorgung gelegt werden muss.

Kommentar von Prof. Dr. med. Hans Jürgen Heppner

Mehr interdisziplinäre Zusammenarbeit ist angesagt

Leider haben die Autoren in der Arbeit den geriatrischen Patienten lediglich über das kalendarische Alter definiert, und das auch noch mit 65 Jahren primär angesetzt. Diese Kohorte ist sicherlich nicht mit dem klassischen geriatrischen Patienten mit hüftnaher Fraktur, wie wir ihn kennen, zu vergleichen. Jedoch waren die meisten Studienteilnehmer in der vorliegenden Untersuchung doch 75 Jahre und älter. Die meisten Fälle mit einer präoperativ bestehenden Pneumonie finden sich in der Altersgruppe 75 bis 84 Jahre (43,9 %). Dies waren auch die Patienten mit einer signifikant höheren Einschränkung ihrer Alltagskompetenz und mehr Komorbiditäten [3]. Es wird in dieser Arbeit sehr deutlich, dass eben nicht nur die Fraktur das Problem ist, sondern diese Patienten eine deutlich aufmerksamere perioperative Versorgung benötigen. Dies beinhaltet sowohl eine präoperative Optimierung als auch die postoperative gemeinsame Versorgung im Sinne von co-managed care, wie es zwischen der Geriatrie und der Unfallchirurgie schon vielerorts gelebt wird. Es zeigt sich in dieser Arbeit klar, dass pneumologische Aspekte in dieser Versorgung eine große Bedeutung haben. Daher muss für diese Patientengruppe die interdisziplinäre Zusammenarbeit verbessert werden, um den eigentlichen Behandlungserfolg zu sichern [4].

Univ.-Prof. Dr. med. Hans Jürgen Heppner, MHBA

Literatur

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Originalie

  1. Patterson JT, Bohl DD, Basques BA et al. Does Preoperative Pneumonia Affect Complications of Geriatric Hip Fracture Surgery? Am J Orthop (Belle Mead NJ). 2017;46(3):E177–85PubMedGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Universität Witten/HerdeckeSchwelmDeutschland

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