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CardioVasc

, Volume 18, Issue 2, pp 25–25 | Cite as

Herzinsuffizienz: Nicht die Anämie, sondern der Eisenmangel ist das Problem

  • Peter Stiefelhagen
Medizin aktuell Dresdner Herz-Kreislauf-Tage

Nicht erst die Anämie, sondern bereits ein funktioneller Eisenmangel verschlimmert bei herzinsuffizienten Patienten die Symptomatik und verschlechtert die Prognose. Deshalb sollte immer danach gefahndet und womöglich eine intravenöse Substitution eingeleitet werden.

Patienten mit Herzinsuffizienz haben in 10 bis 20 % aller Fälle eine Anämie. Bei etwa 80 % findet sich ein absoluter oder funktioneller Eisenmangel. Ursachen des absoluten Eisenmangels bei diesen Patienten sind Mangelernährung, Malabsorption und chronischer Blutverlust durch die antithrombotischen Medikamente. Der sehr viel häufiger vorkommende funktionelle Eisenmangel mit der gestörten Eisenverfügbarkeit ist dagegen Folge der bei einer Herzschwäche häufig vorliegenden chronischen Inflammation.

Gesteigerte Hepcidin-Bildung

Chronische Entzündungsprozesse, wie sie bei der Herz- und Niereninsuffizienz vorkommen, führen zu einer vermehrten Bildung des Entzündungs-Peptids Hepcidin in der Leber. Dieses Peptid spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation des Eisenstoffwechsels. Eine vermehrte Hepcidin-Synthese hemmt die Eisenresorption im Dünndarm, sodass trotz ausreichender Eisenzufuhr ein Eisenmangel entsteht. Dies erklärt auch, warum eine orale Eisensubstitution bei solchen Entzündungsprozessen ineffizient sein kann.

Nach funktionellem Eisenmangel fahnden

Dass nicht erst eine Anämie, sondern schon der Eisenmangel ohne Anämie bei herzinsuffizienten Patienten die Prognose quo ad vitam verschlechtert, dafür gib es zahlreiche Daten. In einer dieser Studien stieg die 1-Jahres-Mortalität bei Vorliegen eines Eisenmangels von 65 % auf 73 %.

„Im Alltag wird das Problem Anämie überbewertet und der Eisenmangel unterbewertet“, machte Prof. Stefan Anker von der kardiologischen Universitätsklinik der Charité in Berlin auf den Dresdner Herz-Kreislauf-Tagen aufmerksam. Deshalb sollte bei allen Patienten mit einer systolischen Herzinsuffizienz immer mithilfe einer Ferritin-Bestimmung und evtl. der Transferrinsättigung nach einem absoluten (Ferritin < 100 ng/ml) oder funktionellen (Ferritin 100–300 ng/ml, Transferrinsättigung < 20 %) Eisenmangel gefahndet werden.

Substitution auch ohne Anämie

In der FAIR-HF-Studie hat sich gezeigt, dass eine i. v.-Eisentherapie bei Patienten mit einem Eisenmangel den klinischen Status und somit auch die Lebensqualität deutlich verbessert, und zwar unabhängig vom Hb-Wert; denn der Eisenmangel hat bei Vorliegen einer Herzinsuffizienz einen doppelt ungünstigen Effekt auf den Sauerstoffstoffwechsel. So kommt es zum einen zu einer funktionellen Beeinträchtigung aerober Enzyme und somit zu einer Störung der oxydativen Phosphorylierung, die Sauerstoffnutzung ist also beeinträchtigt. Zum andern vermindert ein niedriges Hb den Sauerstofftransport. Beides beeinträchtigt die körperliche Leistungsfähigkeit, was durch eine Eisensubstitution verbessert werden kann.

Was sagt die Leitlinie?

Aufgenommen in die FAIR-HF-Studie wurden herzinsuffiziente Patienten mit einem Ferritin-Wert < 100 μg/l oder einem Ferritin-Wert zwischen 100 und 299 μg/l und einer Transferrinsättigung < 20 %, unabhängig davon, ob eine Anämie vorlag oder nicht. Sie erhielten Eisen-Carboxymaltose i. v. Unter der Eisentherapie kam es zu einer deutlichen Verbesserung der Belastbarkeit und der Lebensqualität, und zwar sowohl bei den anämischen als auch bei den Patienten ohne Anämie. Diese Ergebnisse konnten in einer zweiten Studie (CONFIRM HF-Studie) bestätigt werden. „In dieser Studie wurde durch die Eisengabe zudem die Notwendigkeit für eine stationäre Behandlung signifikant verringert“, berichtete Anker.

Auf der Basis dieser Studienergebnisse hat die Eisensubstitution Eingang in die aktualisierte ESC-Leitlinie „Herzinsuffizienz“ gefunden, mit dem Empfehlungsgrad IIa A. Propagiert wird die Eisentherapie für symptomatische Patienten mit einer systolischen Herzinsuffizienz, wenn das Ferritin < 100 μg/l beträgt oder bei einem Ferritin-Wert zwischen 100 und 299 μg/l und eine Transferrinsättigung < 20 %.

Fakten zum Eisenmangel

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  • Ein absoluter Eisenmangel liegt bei einem Ferritin-Wert < 100 ng/ml und ein funktioneller Eisenmangel bei einem Ferritin zwischen 100–300 ng/ml und einer Transferrinsättigung < 20 % vor.

  • 80 % der Patienten mit Herzinsuffizienz leiden an einem absoluten oder funktionellen Eisenmangel.

  • Bei einem Eisenmangel steigt das Sterberisiko von Herzinsuffizienz-Patienten. In einer Studie erhöhte sich die 1-Jahres-Mortalität von 65 % auf 73 %.

  • In der FAIR-HF-Studie verbesserten sich die Beschwerden und die Leistungsfähigkeit der Patienten durch eine i. v.-Eisengabe signifikant.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Peter Stiefelhagen
    • 1
  1. 1.

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