Im Focus Onkologie

, Volume 21, Issue 5, pp 83–83 | Cite as

Nachgefragt

„Wichtig ist die Interaktion zwischen allen Akteuren“

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Praxis konkret Zukunft der Onkologie
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Im Hinblick auf die Spitzenzentren sieht Prof. Christof von Kalle in drei Bereichen noch besonderen Entwicklungsbedarf.

? Herr Professor von Kalle, vieles hat das Netzwerk Onkologische Spitzenzentren schon erreicht. Wo sehen Sie in den kommenden Jahren noch Entwicklungspotenziale?

Prof. Christof von Kalle: Zum einen haben wir die Fläche in Deutschland noch nicht so überspannt, dass die Spitzenzentren für alle Patienten gleichermaßen leicht zu erreichen sind. Zum zweiten sind die zusätzlichen Aufwände, die die Spitzenzentren durch die Netzwerkarbeit haben, im Augenblick durch die Finanzierung in der Versorgung nicht dargestellt. Sie werden aus ganz unterschiedlichen Mitteln bedient, zum Teil auch aus anderen Bereichen übernommen oder querfinanziert. Das ist auf Dauer kein haltbarer Zustand. Die besonders gute Betreuung von Krebspatienten darf kein Zuschussgeschäft bleiben. Unser drittes großes Thema ist die Förderung klinischer Studien. Wir sind da in erster Linie auf die pharmazeutische Industrie oder verschiedene Einzelprogramme, z. B. des Bundes, angewiesen, die gelegentlich ausgeschrieben werden. Aber im Vergleich zu dem, was Großbritannien, Frankreich oder die USA da an systematischen Anstrengungen unternehmen, um klinische Studien zur Verbesserung der Krebstherapie auf die Beine zu stellen, sind wir noch — vorsichtig gesagt — schlank aufgestellt. Da brauchen wir aus der Forschungsförderung und aus dem Gesundheitswesen eine deutlich stärkere finanzielle Unterstützung.

„In einem lernenden System müssen die Behandlungsergebnisse und Daten untereinander ausgetauscht werden.“

Prof. Dr. Christof von Kalle Geschäftsführender Direktor des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen Heidelberg und Sprecher des Netzwerks

© Philip Benjamin

? Was verbirgt sich hinter der Idee eines lernenden Gesundheitssystems, die das Netzwerk zusammen mit Deutscher Krebshilfe und Deutscher Krebsgesellschaft anstrebt?

von Kalle: Wir wollen, dass die Behandlung jedes Patienten — zumindest von der Datenaufbereitung her — dazu herangezogen wird, die Behandlung nachfolgender Patienten zu verbessern. Dazu müssen wir ein lernendes Gesundheitssystem aufbauen, das in der Lage ist, aus den Behandlungsergebnissen der einzelnen Patienten Rückschlüsse zu ziehen. Aber wir sind in der Datenverarbeitung im Gesundheitssystem insgesamt und auch beim Thema Krebs auf dem Stand des 20. Jahrhunderts. Auch, was die klinischen Studien angeht, haben wir noch Nachholbedarf.

Wichtig ist die Interaktion zwischen allen Akteuren der Krebsversorgung. In einem lernenden System müssen die Behandlungsergebnisse und Daten untereinander ausgetauscht werden, damit wir besser verstehen lernen, was gerade mit dem einzelnen Patient passiert, was mit ihm schon passiert ist und was mit ihm in Zukunft besser passieren sollte.

Literatur

  1. Das Gespräch führte Friederike KleinGoogle Scholar

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