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Im Focus Onkologie

, Volume 21, Issue 5, pp 40–40 | Cite as

Hämatopoetische Zelltransplantation: Was das Gehirn schützt

  • Christian Behrend
Hämatoonkologie Literatur kompakt
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Kognitive Beeinträchtigungen gehören zu den gefürchteten Nebenwirkungen einer myeloablativen allogenen hämatopoetischen Zelltransplantatation (HCT). Ist das Problem behoben, wenn man die Intensität der HCT senkt?

Die kognitiven Nebenwirkungen setzen später ein, wenn eine allogene HCT mit geringerer Intensität verabreicht wird, wie eine prospektive Langzeitstudie aus Großbritannien zeigt. Auch bei autologer HCT sind sie geringer ausgeprägt als bei einer myeloablativen allogenen HCT. Im Rahmen der Studie wurden 477 HCT-Empfänger untersucht. 236 erhielten autologe Stammzellen, 128 eine allogene HCT mit reduzierter Intensität, 113 eine myeloablative allogene HCT. Sie absolvierten vor der Zelltransplantation, 6 Monate danach sowie nach 1, 2 und 3 Jahren standardisierte neuropsychologische Tests. Dies galt auch für 99 gesunde Kontrollpersonen.

Die nach der HCT erreichten Testergebnisse der Empfänger einer autologen HCT oder einer HCT mit reduzierter Intensität waren mit denen der Kontrollpersonen vergleichbar. Nach myeloablativer allogener HCT waren dagegen u. a. die Werte für exekutive Funktionen und verbale Geschwindigkeit signifikant niedriger als bei den Kontrollpersonen. Schon nach 6 Monaten war die Fingerfertigkeit in der in der Gruppe mit myeloablativer HCT gegenüber dem Ausgangszustand signifikant vermindert. Erst nach 3 Jahren zeigten sich auch signifikant verschlechterte Ergebnisse bei der HCT von reduzierter Intensität, was exekutive Funktionen, Sprachkompetenz und Arbeitsgedächtnis betraf. 3 Jahre nach der HCT bestand bei 18,7 % mit autologer HCT und bei 35,7 % mit allogener HCT eine kognitive Beeinträchtigung. In der Studie zeigten sich auch vulnerable Subpopulationen, die von gezielten Interventionen am stärksten profitieren könnten, z. B. ältere Patienten, Männer oder Personen mit geringerer kognitiver Reserve.

© Anita Ponne / Fotolia

Fazit: Eine autologe HCT oder eine allogene mit reduzierter Intensität gehen mit einem geringeren Risiko für kognitive Beeinträchtigungen einher als eine myeloablative allogene HCT.

Literatur

  1. Sharafeldin N et al. Cognitive Functioning After Hematopoietic Cell Transplantation for Hematologic Malignancy: Results From a Prospective Longitudinal Study. J Clin Oncol. 2017;36(5):463–75.CrossRefPubMedGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Christian Behrend
    • 1
  1. 1.

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