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Im Focus Onkologie

, Volume 21, Issue 4, pp 87–87 | Cite as

Wer ist ... Petra Boukamp?

  • Springer Medizin
Menschen,Ideen,Perspektiven
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Wie beginnen Sie Ihren Tag?

Boukamp: Ich starte gerne früh, mag es aber gar nicht, wenn ich gleich „in offizieller Mission“ unterwegs sein muss. Ich brauche einen ruhigen, informellen Auftakt mit viel Kaffee.

Was treibt Sie an?

Boukamp: Die Neugierde und der Wunsch, die grundlegenden Probleme — in unserem Fall der Regulation der Haut — besser verstehen zu lernen um damit auch einen Beitrag leisten zu können, dass dieses Wissen sinnvoll umgesetzt und angewendet werden kann.

Als Kind wollten Sie …?

Boukamp: All das tun, was Spaß machte. So galt meine große Liebe dem Sport. Auch Musik, mein Akkordeon und später die Gesangsausbildung waren prägend. Aber die Freude am Experimentieren zeigte sich ebenfalls bereits sehr früh. So vergesse ich nicht, wie ich als kleiner Steppke einen Aufsatz über die Zerfall eines Zuckerstücks in warmem Wasser verfasste.

Was beeindruckt Sie an anderen Menschen?

Boukamp: Eine humorvolle, fröhliche und eine ehrliche, offene Art. Ebenso einnehmend sind eine Begeisterungsfähigkeit — auch für nicht immer Offensichtliches — und die Leidenschaft, Dinge anzupacken, im beruflichen wie außerberuflichen Umfeld. Nicht zuletzt beeindrucken mich Menschen, die über ein anscheinend grenzenloses Gedächtnis verfügen.

Was fasziniert Sie an Ihrem Fachgebiet?

Boukamp: Alles, was die Haut ausmacht. Dabei fällt es mir immer noch schwer, mich auf spezielle Aspekte zu beschränken. Stattdessen gilt mein Interesse allen Facetten der Hautforschung. Gott sei Dank lernen wir ja immer mehr, dass und wie all diese unterschiedlichen Aspekte ineinander greifen und sich zu einem großen Gesamtbild zusammenschließen. Daran mitwirken zu dürfen, ist einfach ein Traum.

Die Forschung von Prof. Dr. rer. nat. Petra Boukamp geht buchstäblich unter die Haut: Zusammen mit ihrem Team am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg hat die ausgebildete Biologin als Leiterin der Abteilung „Genetik der Hautcarcinogenese“ (2001–2015) ein biologisches 3D-Modell der Haut entwickelt, das genau wie diese aus verschiedenen Schichten besteht. Dadurch lässt sich z. B. erforschen, wie Tumorzellen durch die Basalmembran in das darunter liegende Stroma eindringen. Weil die Modellhaut bis zu sechs Monate „überlebt“, lassen sich in vitro auch Alterungs- und Lichtschäden-induzierte (maligne) Hautveränderungen über die Zeit untersuchen. Seit 1972 dem DKFZ treu, betreibt Boukamp diese Forschung seit 2015 auch als Teamleiterin am Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung in Düsseldorf.

Ihre Forschungsanstrengungen sind nicht nur ausgezeichnet — 2017 erhielt sie den Deutschen Krebspreis in der Kategorie „experimentelle Forschung“—, sie haben auch zu Gesetzesveränderungen beigetragen: Seit 1. Januar 2012 bestehen neue Vorschriften zum Schutz vor der „schädlichen Wirkung künstlicher ultravioletter Strahlung (UV-Schutz-Verordnung)“ und ein Verbot von Solarienbesuchen für Jugendliche unter 18 Jahren — auch dank Boukamp.

© Jutta Jung/DKFZ

Was braucht die onkologische Welt am dringlichsten?

Boukamp: Ehrliche und wohlüberlegte originelle Forschung. Und Forschung, die das globale Ganze nicht außer Acht lässt. Es darf nicht um den schnellen Erfolg gehen. Der Druck, der heute speziell auf den jungen Forschern lastet, scheint dies manchmal vermissen zu lassen. Entsprechend träume ich gelegentlich auch von den „guten alten Zeiten“, in denen Zeit ein großes Gut war und es erlaubte, auch ungewöhnliche Konzepte anzugehen, ohne dass die finanzielle Förderung dabei auf dem Spiel stand.

Welches Buch oder Kunstwerk hat Sie in Ihren Bann gezogen?

Boukamp: Ich liebe Kirchen und auch wenn mein Mann gelegentlich murrt, muss ich schauen, ob mir eine offene Tür Einlass gewährt. Etwas Besonderes ist es dann noch, wenn die Orgel spielt.

Wie halten Sie Balance in Ihrem Leben?

Boukamp: Ein wichtiger Ausgleich ist seit vielen Jahren unser Häuschen auf Mallorca mit seinem mediterranen Garten. Ich genieße es, im Garten zu „puddeln“ und mit den Pflanzen zu „sprechen“. Früher war das Skifahren eine alternativlose Erholung.

Wie beenden Sie Ihren Tag?

Boukamp: Gerne bei einem Krimi und einem Gläschen Rotwein.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Springer Medizin

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