Im Focus Onkologie

, Volume 21, Issue 4, pp 45–45 | Cite as

Mit Chemotherapie starten bei fortgeschrittenem Ovarialkarzinom?

  • Elke Oberhofer
Gynäkoonkologie Literatur kompakt
  • 30 Downloads

Der verstärkte Einsatz einer neoadjuvanten Chemotherapie (NACT) beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom in einigen Regionen der USA hat einen Überlebensvorteil für die Patientinnen mit sich gebracht. Den Grund sehen US-Forscher hauptsächlich in dem damit verbundenen Rückgang der operationsbedingten Mortalität.

In einer quasi-experimentellen Studie hat das Team um Alexander Melamed Hinweise darauf gefunden, dass die Einführung einer NACT-Strategie auf Bevölkerungsebene mit einem Überlebensvorteil gegenüber primär operierten Patientinnen verbunden sein könnte.

Die Forscher wertete Daten der US-amerikanischen National Cancer Database nach der Methode der Regression Discontinuity aus. Damit lassen sich aus Beobachtungsstudien unter Umständen kausale Zusammenhänge ableiten, z. B. dann, wenn im Laufe der Beobachtungszeit ein abrupter Strategiewechsel erfolgt. Solche Idealvoraussetzungen fanden die Forscher in den Neuenglandstaaten sowie in bestimmten Regionen im Süden der USA (East South Central) vor. Hier war nach der Publikation der ersten randomisierten Studie zur NACT im Jahr 2010 diese Strategie binnen Kurzem weitreichend implementiert worden. Im Jahr 2012 hatte ein ausgeprägter Anstieg der NACT-Einsätze stattgefunden, sodass man Patientinnen mit Therapiestart vor der Einführung von NACT mit denjenigen nach der Einführung vergleichen konnte, ähnlich wie bei einem randomisierten Design.

In die Studie eingeschlossen waren alle in der Datenbasis erfassten Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom im Stadium 3c und 4, die zwischen 2004 und 2013 behandelt wurden.

Aus der Regression-Discontinuity-Auswertung ergibt sich, dass die verstärkte Implementierung der NACT im Jahr 2012 bei den Patientinnen aus den Neuenglandstaaten sowie aus East South Central (n = 1.156) zu einer Verringerung des Sterberisikos innerhalb von 3 Jahren (alle Todesursachen zusammengenommen) um relative 19 % geführt hat. Dagegen verzeichnete man bei den Patientinnen aus Regionen ohne Strategiewechsel (n = 4.878) diesbezüglich keine Veränderung.

Die Rate der chirurgisch behandelten Frauen, die postoperativ innerhalb von 30 Tagen starben, sank in den Regionen mit Strategiewechsel zwischen 2011 und 2012 von 3,1 auf 1,8 %; in anderen Regionen stieg sie von 1,9 auf 2,2 %. Dieser Unterschied war signifikant, ebenso wie der Unterschied bei der 90-Tages-Mortalität (Reduktion von 7,0 auf 4,0 % bzw. von 5,0 auf 4,3 %). Der Anteil der Frauen, die weder Chemotherapie noch eine tumorreduktive Operation erhalten hatten, sank nach Wechsel auf die NACT-Strategie von 20,0 auf 17,4 %; ohne einen solchen Strategiewechsel stieg er leicht, von 19,0 auf 19,5 %.

Ein wichtiger Mechanismus für den Nutzen der NACT scheine die Reduktion der operativen Mortalität zu sein, so die Forscher. Sie weisen darauf hin, dass die Sterblichkeit nach einer primären tumorreduktiven Operation in Bevölkerungsstudien zumindest in den USA höher sei als in randomisierten klinischen Studien, die in erster Linie an spezialisierten Zentren durchgeführt würden.

Fazit: Der in ihrer Studie beobachtete Überlebensvorteil sei die Konsequenz eines erweiterten NACT-Einsatzes, der vor allem ältere Patientinnen und solche mit Karzinomen im Stadium 4 betroffen habe. In spezialisierten Zentren lasse sich mit der neuen Strategie möglicherweise weniger Nutzen erzielen. Zukünftige Studien müssten zeigen, welche Patientinnen von der NACT am meisten profitieren, so die Forscher.

Literatur

  1. Melamed A et al. Effect of adoption of neoadjuvant chemotherapy for advanced ovarian cancer on all cause mortality: quasi-experimental study. BMJ. 2018;360: j5463.CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Elke Oberhofer
    • 1
  1. 1.

Personalised recommendations