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Pädiatrie

, Volume 31, Issue 4, pp 78–78 | Cite as

Otto Dix (1891–1969)

Maler und Familienmensch

  • Joachim Gunkel
Bildbetrachtung
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Neben zahlreichen Werken, welche die unerbittliche Gesellschaft der Weimarer Republik dokumentierten, portraitierte Otto Dix auch voller Zuneigung seine Kinder und Enkelkinder.

Es war ein beglückendes Ereignis für das Ehepaar Martha und Otto Dix, als 1923 deren erstes Kind Nelly geboren wurde. Und so malte er seine Tochter 1924 inmitten von sie überragenden Blumen in altmeisterlicher Form, die er wie kein zweiter beherrschte. „Nelly ist in einem paradiesischen Garten als ‚Menschenblume unter Gartenblumen‘ ohne Anzeichen von Dissonanzen geschildert“ schrieb ein S. Michalski dazu. Das kleine offensichtlich eigenwillige Mädchen mit Schmollmund will gerade jemanden eine gepflückte Blume überreichen. Ein Jahr später entstand sein noch bekannteres Gemälde „Nelly mit Spielzeug“ und 1929 „Nelly mit Puppe“.

Otto Dix „Nelly in Blumen“ (1924)

© VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Ausdruck einer Liebe

1927 war es der Sohn Ursus, dessen Geburt Dix mit seinen beiden Gemälden „Neugeborener mit Nabelschnur“ und „Neugeborenes auf Händen“ festhielt. 1928 malte er Ursus mit einem Kreisel auf einem Hochstühlchen sitzend („Ursus mit Kreisel“). 1930 war es das ungewöhnliche Gemälde „Selbstbildnis mit Jan“, das den Sohn Jan auf der Schulter des Künstlers zeigte wie den Jesusknaben auf der Schulter des Heiligen Christopherus, den er mehrmals darstellte. 1934 entstand das „Selbstbildnis mit Ursus und Jan“. Ein weiteres Bildnis hat er 1927 mit „Die Familie des Künstlers“ geschaffen, das ihn mit seiner Frau Martha sowie Ursus im Vordergrund und Nelly zeigt. Immer wieder malte Dix seine Familie und Kinder wie auch 1929 auf „Spielende Kinder“. In seiner französischen Gefangenschaft, wo ihn in Colmar ein Offizier als den berühmten Maler Otto Dix erkannt hatte, bekam er Gelegenheit, Kinder zu porträtieren. Zuletzt waren es Bilder seiner Enkelkinder, die er sehr liebte und immer wieder malte und lithografierte. Zu den heiteren und farbintensiven Kinderbildnissen gehört auch „Zwei Kinder im Garten mit Sonnenblumen (Marcella und Nana)“ von 1965. Kurz vor seinem Tod hielt er Marcella mehrmals großväterlich mit „Selbstbildnis mit Marcella“ fest.

Dix hatte seine Frau Martha beim Tanzen kennengelernt. Beide galten als Traumpaar auf der Tanzfläche. Martha kam aus einem eher reichen gutbürgerlichen Haus, während er als Wilhelm Heinrich Otto Dix 1891 als erstes Kind eines einfachen Eisengießereiarbeiters in Gera geboren wurde. Seine Mutter aber war musisch, sie schrieb Gedichte und es gab einen Verwandten, der Kunstmaler war. Diesem durfte der kleine Otto manchmal Modell sitzen. Den Geruch der Farben und die Farbenpalette fand er dabei herrlich.

Selbst malen konnte Otto Dix schon immer und so hatte ihm sein Volksschullehrer ein Stipendium an der Kunstgewerbeschule in Dresden von 1909 bis 1914 besorgt. Da er vorher ein Handwerk erlernen sollte, ging er in die Lehre eines Dekorationsmalers. Dort entstanden auch seine ersten Selbstbildnisse.

Er versuchte sich autodidaktisch fortzubilden und besuchte die Galerien und Museen in Dresden. Zu seinen Vorbildern wurden die Brücke-Maler und Vincent van Gogh. Seine bevorzugten Themen waren zunächst Landschaften, dann schließlich Eros und der Tod.

Gesellschaftskritische Kunst

Otto Dix dokumentierte außerdem unerbittlich die Gesellschaft der Weimarer Republik und malte Huren, Krüppel, Jazzmusiker und immer wieder den Schrecken der Schützengräben. Wie so viele Zeitgenossen auch, hatte sich Dix in der allgemeinen Kriegseuphorie, die vor allem junge Leute erfasste, als Kriegsfreiwilliger gemeldet. Ende 1918 kehrte er nach Gera zurück. Während seines Studiums von 1919 bis 1922 an der Kunstakademie in Dresden wurde Dix Mitbegründer der „Dresdner Sezession-Gruppe 1919“, später Mitglied der „Berliner Sezession“. 1927 wurde er als Professor an die Staatliche Akademie in Dresden berufen, aber 1933 entlassen. Eine erneute Professur nach dem Krieg lehnte er ab. Er verstarb nach einem Schlaganfall und wurde auf dem Friedhof in Hemmers-hofen begraben.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Joachim Gunkel
    • 1
  1. 1.

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