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Pädiatrie

, Volume 30, Issue 3, pp 59–59 | Cite as

Lieber einmal krank als impfen

Praxis konkret
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Knapp die Hälfte der Bundesbürger findet es wichtig, dass ein Kind eine Krankheit „auch mal durchmacht“, so neue Umfragedaten. Angeblich sei das Kind danach besser geschützt als mit einer Impfung.

Eine repräsentative Meinungsumfrage entlarvt eine verbreitete Haltung contra Impfen: Vier von zehn Deutschen sind danach der Meinung, dass Kinder schon vor der Geburt im Mutterleib und danach über die Milch genügend Abwehrstoffe bekommen. Und noch ein Drittel glaubt, dass Impfungen vermeidbare Risiken für Kinder bilden, zum Beispiel weil sie das Immunsystem überlasten. Dies teilte der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller e. V. (BAH) mit.

Der Verband hatte die repräsentative Meinungsumfrage („Gesundheitsmonitor“, 4. Quartal 2017) beim Marktforschungsunternehmen Nielsen in Auftrag gegeben. Dr. Elmar Kroth, Geschäftsführer Wissenschaft beim BAH, kritisiert die Ergebnisse: „Diese Auffassungen widersprechen allen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Bei manchen Erregern gleicht ein Verzicht auf Impfschutz gar einem Spiel mit dem Feuer. Zum Beispiel können Masern-Viren eine Hirnhautentzündung auslösen, die eventuell auch Jahre nach der Ansteckung noch zum Tode führt. Von der Ansteckungsgefahr für andere gar nicht zu reden.“

Die Zahlen decken ein anderes Bild auf. Insgesamt glaubt dem Gesundheitsmonitor zufolge offenbar nur jeder Zweite in Deutschland, einen aktuellen Impfschutz gegen Masern zu haben, und nur etwa jeder Dritte gegen Keuchhusten. Die Empfehlungen der STIKO sehen eigentlich gegen Masern und Keuchhusten eine Grundimmunisierung im 1. und 2. Lebensjahr sowie eine Standard- (Masern) oder Auffrischimpfung (Keuchhusten) im Erwachsenenalter vor. Grundsätzlich zeigt sich laut BAH eine deutliche Unsicherheit, ob der Impfschutz noch aktuell ist oder nicht.

Weitere Ergebnisse der Umfrage:
  • Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist davon überzeugt, dass Impfungen ständig wiederholt werden müssen, sollen sie wirklich schützen.

  • Vier von zehn halten die Nebenwirkungen und Risiken für nicht kalkulierbar.

  • Jeder Vierte denkt, dass Impfungen die Erkrankungen erst verursachen, gegen die sie schützen sollen.

Immerhin: Gegen Tetanus sind der Umfrage zufolge drei von vier Bürgern geschützt.

Aus den Ergebnissen folgert Kroth: „Offensichtlich müssen wir dringend mehr Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung leisten. Dabei denke ich in erster Linie an die Ärzte und Apotheker.“

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© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • run
    • 1
  1. 1.BerlinDeutschland

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