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Pädiatrie

, Volume 30, Issue 3, pp 11–11 | Cite as

Schlafrhythmus etabliert sich schon früh

  • Dietrich Reinhardt
Literatur kompakt
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Viele Eltern nervt es, wenn ihre Kinder ständig zu spät einschlafen oder zu früh aufwachen. Eine finnische Studie zeigt nun, dass dies keine Störung sein muss — sondern bereits ein individueller Biorhythmus.

Prof. em. Dr. med. Dr. h. c. Dietrich Reinhardt

Für eine Longitudinalstudie konnten 111 Kinder einer Geburtenkohorte (65 % weiblich) dreimal einer Schlafanalyse unterzogen werden, und zwar zu den Zeitpunkten T1 im mittleren Alter von 8,1 Jahren, T2 mit 12,3 und T3 mit 16,9 Jahren. Mithilfe eines Aktigrafen wurden die Aktivität verschiedener Muskelgruppen gemessen und so Einschlafzeit, Schlafdauer und Schlafqualität ermittelt. Darüber hinaus wurde ein Schlafprotokoll geführt. Als Schlafeffizienz wurde der Quotient aus Schlafzeit und Liegezeit definiert. Zum Zeitpunkt T3 füllten die Probanden einen Fragebogen zur subjektiven Schlafqualität aus.

Die Betrachtung des zeitlichen Mittelpunkts des Schlafs ergab, dass 17 der Kinder Früh- und 28 Spätschlaftypen waren. 66 waren in einem intermediären Bereich. Die Typen waren bereits im Schulalter differenziert. Frühschläfer schliefen zu allen Evaluationszeitpunkten früher ein als Spätschläfer (p jeweils < 0,04). Mit zunehmendem Alter wuchs der Abstand sogar. Größer wurde auch der Abstand zwischen den zeitlichen Schlafmittelpunkten der beiden Typen, von 19 Minuten zu T1 über 36 Minuten zu T2 bis zu 89 Minuten zu T3.

Keine Unterschiede gab es bei der Gesamtdauer des Schlafs und den zwischenzeitlichen Wachphasen. Auch Körpergewicht, sozioökonomischer Status und Pubertätsentwicklung waren nicht mit dem Schlaftyp assoziiert, weder an Werktagen noch am Wochenende. Zu den Zeitpunkten T1 und T2 hatten die Mädchen eine etwas längere Schlafzeit als Jungen (p < 0,05).

Kommentar

Die Präferenz der Schlafmuster prägt sich also bereits im Schulalter aus. Wer schon als Kind später als seine Altersgenossen einschläft und aufwacht, vergrößert den Abstand zu den Frühschläfern als Jugendlicher noch.

Wenn Eltern — oder die Jugendlichen selbst — über Schlafstörungen berichten, sollte der Arzt demnach nicht nur organische oder psychische Faktoren ausschließen. Er muss auch berücksichtigen, dass die innere Uhr nicht immer genau so tickt wie die soziale Uhr, also jene Zeit, nach der die Menschen in der Gesellschaft leben.

Literatur

  1. Kuula L et al. Development of late circadian preference: sleep timing from childhood to late adolescence. J Pediatr 2018;194:182–9.e1CrossRefPubMedGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Dietrich Reinhardt
    • 1
  1. 1.MünchenDeutschland

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