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Pädiatrie

, Volume 30, Issue 2, pp 42–42 | Cite as

Mukopolysaccharidose Typ 7

  • Heike Grosse
Medizin aktuell
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© [M] Olena Timashova / iStock

Fachliche Betreuung: Dr. Christina Lampe, Zentrum Seltene Erkrankungen, Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden

Synonym: Sly-Syndrom, nach ihrem Entdecker, dem Arzt Dr. Wiliam Sly, der sie 1973 zum ersten Mal beschrieb.

Beschreibung: Die Mukopolysaccharidose Typ 7 (MPS VII) ist eine sehr seltene lysosomale Speicherkrankheit. Die MPS VII ist eine progredient verlaufende Multisystemerkrankung. Betroffene zeigen meist bereits nach der Geburt erste klinische Symptome. Die Patienten leiden an skeletalen Deformitäten (Dysostosis multiplex), Gelenkkontrakturen, Hepatosplenomegalie, groben Gesichtszügen, Kleinwuchs, Hernien, Seh- und Hörstörungen sowie kardiopulmonalen Komplikationen. Die meisten Betroffenen zeigen ebenso eine progrediente kognitive Beteiligung. Das klinische Bild der MPS VII ähnelt sehr der MPS I, II und VI.

Prävalenz: Etwa bei 1 : 500.000 Neugeborenen [1]

Erbgang: Die Erkrankung wird autosomal-rezessiv vererbt. Durch Mutationen eines Gens in der Chromosomenregion 7q21 bis 7q22 kommt es zu einer Defizienz des lysosomalen Enzyms β-D-Glukonidase [2].

Einteilung: Je nach Schwere der Symptome, gibt es drei Ausprägungen der Erkrankung: Die schwerste und häufigste Form führt zu einem Hydrops fetalis und kann zum Verstreben des Fötus prä-prä- oder perinatal führen. Bei langsamer fortschreitenden Formen können die betroffenen Kinder direkt nach der Geburt auffällig werden oder sich zunächst normal entwickeln und später durch Kleinwuchs, Gelenkdeformitäten und einen oft fortschreitenden Verlust kognitiver Fähigkeiten auffallen. Verlauf, Schwere und Ausprägung der Krankheit und deren Symptome sind jedoch extrem variabel. Manche Betroffenen haben eine normale Lebenserwartung [1, 2].

Pathophysiologie: Das Fehlen des Enzyms β-D-Gukonidase führt zur Akkumulation der Glykosaminoglykane Dermatansulfat, Heparansulfat und Chondroitin-6-Sulfat in den Lysosomen. Besonders betroffen sind Zellen des Skelettsystems, viszeraler Organe, der Haut, des Endokards oder des ZNS [3].

Klinik: Die Symptome können sehr vielfältig sein. Fast alle Organsysteme sind betroffen. Kinder mit MPS VII haben gehäufte Infekte der Ohren und der oberen Atemwege, Adenoide und eine Tonsillenhypertrophie. Auch inguinale und umbilikale Hernien, Skelettdeformitäten, Gelenkkontrakturen, vergröberte Gesichtszüge, kardiale und pulmonale Beteiligung, Kleinwuchs und psychomotorische Entwicklungsstörungen kommen häufig vor.

Diagnose: Patienten mit MPS VII scheiden vermehrt Glykosaminglykane (GAG) aus, die im Urin quantitativ und qualitativ nachgewiesen werden können. Mit zunehmendem Alter sinkt die GAG-Ausscheidung im Urin jedoch und kann sich im Normbereich befinden. Eine weitere Option ist ein Trockenbluttest auf MPS VII. Die Sicherung der Diagnose erfolgt durch einen enzymatischen Nachweis des β-D-Glukoronidase-Mangels in den Leukozyten oder Fibroblasten oder durch eine molekulargenetische Testung. Besonders wichtig ist die Diagnosestellung bei intrauteriner Manifestation, um eine entsprechende genetische Beratung und Familienplanung anzubieten. Eine pränatale Diagnostik erfolgt in der Regel molekulargenetisch in Chorionzotten [2].

Therapie: Seit diesem Jahr steht im Rahmen eines „compassionate use“-Programms eine intravenöse Enzymersatztherapie mit der rekombinanten menschlichen Beta-Glucuronidase (rhGUS, Wirkstoff: Vestronidase alfa®) zur Verfügung [3], die alle 2 Wochen über etwa 4 Stunden verabreicht wird. In der Zulassungsstudie konnten signifikante Verbesserungen der Krankheitssymptome sowie der GAG-Ausscheidung im Urin gezeigt werden [4]. Die Zulassung des Medikaments wird für das Frühjahr 2018 erwartet.

Quellen

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Heike Grosse
    • 1
  1. 1.

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