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Pädiatrie

, Volume 30, Issue 2, pp 18–18 | Cite as

Kein Einfluss auf die Kognition durch Stimulanzien

  • Kirsten Stollhoff
Literatur kompakt
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Viele Studenten nehmen verschreibungspflichtige Stimulanzien ein, da sie sich eine Leitungssteigerung davon erhoffen. Ob sie damit tatsächlich ihre Noten verbessern, überprüften Wissenschaftler von der Universität in Maryland.

Dr. med. Kirsten Stollhoff, Hamburg

Die Autoren führten eine Längsschnittstudie bei 898 Studenten im 2. und 3. Studienjahr durch, die kein ADHS hatten. Sie teilten sie in vier Gruppen ein: Die erste Gruppe (68,8 %) nahm über den ganzen Verlauf der Studie keine Stimulanzien ein. Die zweite Gruppe (8,7 %) nahm sie im 3., aber nicht im 2. Studienjahr, die dritte Gruppe (5,8 %) im 2., aber nicht im 3. Studienjahr, die vierte Gruppe (16,7 %) nahm sowohl im 2. als auch im 3. Studienjahr Stimulanzien ein. Generell griffen die Studenten insgesamt nur selten zu Methylphenidat & Co.: In Gruppe 4 an 14 Tagen im Jahr, in der zweiten und dritten Gruppe an 4 beziehungsweise 3 Tagen im Jahr.

Die Studienergebnisse im 3. Studienjahr waren in der Gruppe, die keine Stimulanzien einnahm, tendenziell besser als die der anderen Gruppen, zeigten jedoch keinen signifikanten Unterschied. Die Leistungen der Gruppe zwei bis vier unterschieden sich nicht voneinander. Die Autoren schließen aus ihren Ergebnissen, dass die Studenten ihre Studienergebnisse mittels Medikamenten nicht verbessern konnten und dass die Einnahme von Stimulanzien daher nicht zu einem kognitiven Enhancement führt.

Kommentar

Auch wenn die Studenten aus verschiedenen US-amerikanischen Colleges nicht von den Stimulanzien profitierten, so bleibt doch offen, ob ihre Leistungen ohne Stimulanzien schlechter gewesen wären. Gegen diese Hypothese spricht allerdings, dass es keinen Unterschied machte, ob die Studenten die Medikamente nur im 2., im 3. oder in beiden Studienjahren genommen hatten. Allerdings wird den Lesern in der Laienpresse leider immer noch vermittelt, dass ein kognitives Enhancement mit Stimulanzien möglich wäre. Dies unterstützt unnötigerweise den „Schwarzmarkt“. Denn die vorliegenden Studienergebnisse weisen eher darauf hin, dass es sich hier um einen Placeboeffekt handelt. Dies vermutete bereits Russel Barkley durch seine Studien aus dem Jahr 2005 mit Autofahrtsimulationen. Die vorliegende Langzeitstudie konnte auch zeigen, dass sich keine Abhängigkeit entwickelte — selbst in der vierten Gruppe, die die Stimulanzien über beide Jahre einnahmen, blieb der Konsum mit 14 Tagen/Jahr niederfrequent.

Literatur

  1. Arria AM et al. Do college students improve their grades by using prescription stimulants nonmedically? Addict Behav 2017;65:245–9CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Kirsten Stollhoff
    • 1
  1. 1.

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