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Pädiatrie

, Volume 30, Issue 2, pp 12–12 | Cite as

Adipöse Kinder haben schwierige Venen

  • Thomas Hoppen
Literatur kompakt
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„Big Data“-Analysen können gefühlte Erfahrungen im Alltag mit Evidenz belegen. Hierzu ein Beispiel: Gefäßzugänge sind bei kritisch kranken, adipösen Kindern schwieriger zu legen und führen zu mehr Komplikationen. Die erste Ausgabe 2018 der Pediatric Critical Care Medicine wartet mit einer interessanten Studie zu diesem Thema auf.

Dr. med. Thomas Hoppen, Koblenz

Bei kritisch kranken Kindern hat die erfolgreiche Anlage eines Gefäßzugangs eine hohe Bedeutung und Fettleibigkeit ist mit erhöhter Mortalität, längeren Krankenhausaufenthalten und erhöhten Raten von unerwünschten Ereignissen bezüglich der Patientensicherheit vergesellschaftet. Eine retrospektive Kohortenstudie analysierte auf Grundlage der großen U.S. Virtual Pediatric Systems Database über 45.000 Patienten, die in einer pädiatrischen Intensiveinheit (PICU) aufgenommen und bei denen insgesamt 74.000 zentrale Zugänge angelegt wurden. Die Kinder waren zwischen 2 und 17 Jahren alt, 63 % normal-, 16 % übergewichtig und 21 % fettleibig. Untersucht wurde die Anlage von Arterienkathetern, von peripher (PICC) und herznah inserierten zentralen Venenkathetern, permanenten Port-/Broviac-/Hickmann- und Dialysekathetern.

Bei übergewichtigen Kindern ist die Anlage eines Katheters oft erschwert.

© vzmaze / Getty Images / iStock

Typische Komplikationen waren mechanischer oder infektiöser Natur oder Folgen von Thrombose oder Blutung. Es zeigte sich, dass bei schwerer Fettleibigkeit die Wahrscheinlichkeit für die erfolgreiche Anlage aller Formen von Gefäßdevices vermindert waren. Bei allen Schweregraden von Übergewicht waren die Gesamtraten für den peripher eingeführten PICC und für zugangsassoziierten Komplikationen erhöht, da die Gefäßsituation für normale periphere Zugänge schon nach kurzer Zeit zu schwierig wurde.

Kommentar

Dies ist die erste Arbeit, die die Erfordernis von zentralen Gefäßzugängen bei kritisch kranken Kindern in Relation zum BMI untersucht. Die Betrachtung von Kindern unter 2 Jahren und die Rate von Anlagen peripherer Zugänge wäre sicher sehr interessant gewesen, konnte aus methodischen Gründen beziehungsweise fehlender Erfassung in dieser qualitativ hochrangigen Datenbank nicht ausgewertet werden. Jeder Kinderarzt verzweifelt auch heute noch regelmäßig im Angesicht von beeindruckenden „Speckrollen“, wenn es heißt, hier muss nun eine Kanüle rein. Trotzdem ist diese Analyse eines derart riesigen Datensatzes sehr wertvoll und liefert weitere Argumente, genau bei dieser Patientengruppe von fettleibigen Kindern hilfreiche Zusatzmethoden wie die Sonografie bei der Katheteranlage routinemäßig einzusetzen.

Literatur

  1. Halvorson EE et al. Vascular access in critically ill pediatric patients with obesity. Pediatric Critical Care Medicine 2018;19:1–8CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Thomas Hoppen
    • 1
  1. 1.

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