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pädiatrie hautnah

, Volume 25, Issue 2, pp 78–78 | Cite as

Vorgehen bei kombinierter Blasen-Darm-Funktionsstörung

  • Martin Claßen
Literatur kompakt
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Blase und Darm gehören bei der Behandlung der Harninkontinenz zusammen. Das wurde erneut durch eine Studie von Pädiatern aus Dänemark bestätigt. Bei der Behandlung der kombinierten Störung kommen sie zu dem Schluss: Zunächst die Stuhlentleerungsstörung behandeln!

Dr. med. Martin Claßen, Bremen

Dass die Betrachtung des jeweils korrespondierenden Ausscheidungsorgans bei Kindern mit Harninkontinenz, Obstipation und Stuhlinkontinenz enorm wichtig ist, setzt sich bei den Spezialisten zunehmend durch. Für die kombinierte Störung wurde der neue Begriff der „Bladder-Bowel-Dysfunction“ (kombinierte Blasen-Darm-Funktionsstörung) geprägt.

Von den Patienten einer Ambulanz für Harninkontinenz sowie einer gastroenterologischen Sprechstunde in Aarhus, Dänemark, wurden 73 Kinder mit dieser Störung identifiziert, weiter untersucht und anhand eines Behandlungsprotokolls betreut. Die Kinder waren zwischen fünf und 14 Jahre alt und litten sowohl an einer Harninkontinenz tagsüber als auch an einer Verstopfung und/oder Stuhlinkontinenz. Kinder mit angeborenen Fehlbildungen oder organischen Ursachen der Inkontinenz wurden ausgeschlossen. Das Behandlungsprotokoll bestand aus Beratung, stuhlweichmachender Behandlung mit ca. 1 g/kg Macrogol sowie Verhaltenstherapie. Auf eine Beratung oder Therapie der Harninkontinenz wurde absichtlich verzichtet. Kontrollen erfolgten nach ein und drei Monaten mit einer Anpassung der Dosis von Macrogol.

Unter dieser Behandlung besserte sich die Häufigkeit der Harninkontinenzepisoden tagsüber bei 68% der Kinder um mindestens 50%, 27% der Kinder wurden innerhalb der mittleren Behandlungsdauer von 77 (49–144) Tagen komplett trocken.

Kommentar: Die Verbindung zwischen Harninkontinenz und Stuhlentleerungsproblemen ist mittlerweile im Bewusstsein der Pädiater angekommen und die Erfassung der korrespondierenden Komorbidität zur Routine geworden. Für den therapeutischen Umgang mit den kombinierten Störungen gab es bisher wenig wissenschaftliche Evidenz. Die vorliegende Studie zeigt eindrucksvoll, dass auch dann, wenn die Kinder primär wegen der Harninkontinenz vorgestellt werden, man gut daran tut, die Stuhlentleerungsproblematik mit den Werkzeugen Schulung, Laxanzien und Verhaltenstherapie konsequent zu betreuen. Die Erfolge sprechen für sich. Auch das in Deutschland verbreitete Schulungsprogramm für Kinder mit funktioneller Harninkontinenz der Konsensusgruppe Kontinenzschulung (KgKS e. V.; www.kontinenzschulung.de ) wählt diesen Ansatz.

Sind sowohl die Blasen- als auch Darmfunktion gestört, sollte der Fokus zunächst auf dem Darm liegen.

© ilFede / shutterstock.com

Literatur

  1. Borch L et al. Bladder and bowel dysfunction and the resolution of urinary incontinence with successful management of bowel symptoms in children. Acta Paediatr 2013 Feb 1 [Epub ahead of print]Google Scholar

Copyright information

© Urban & Vogel 2013

Authors and Affiliations

  • Martin Claßen

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