Welche Folgen eine unzureichende Jodaufnahme vor und während der Schwangerschaft haben kann, hat ein norwegisches Team in einer großen Kohorte untersucht. Die wichtigste Botschaft lautet: Bei weniger als 150 µg pro Tag steigt die Gefahr von Präeklampsie und fetalen Wachstumsstörungen.

Wissenschaftler aus Norwegen haben überprüft, welche Folgen ein (wenn auch nur leichter) Jodmangel in der Schwangerschaft oder auch schon davor haben kann. Hierzu griffen sie auf eine enorm große Datenbasis von 78.318 Schwangerschaften aus einem nationalen Register zurück mit detaillierten Angaben zur Ernährung, zum Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln sowie zu Komplikationen im Rahmen der Schwangerschaft. Mit einer täglichen Jodaufnahme über Nahrungsmittel von median 121 µg pro Tag lag die Kohorte insgesamt im Bereich eines leichten bis mittelgradigen Jodmangels.

49.187 Frauen nahmen während der Schwangerschaft keine jodhaltigen Nahrungsergänzungsmittel ein. Bei ihnen war die Jodaufnahme über die Nahrung signifikant mit dem Geburtsgewicht des Kindes assoziiert. Adjustiert nach Gestationsalter und Geschlecht war dieses deutlich geringer, wenn die Mutter regelmäßig weniger als etwa 150 µg Jod pro Tag zu sich genommen hatte. Bei 100 µg betrug die mittlere Standardabweichung 0,04, bei 75 µg 0,08; Letzteres entspricht bei Babys, die zum Termin geboren werden, etwa 36 g. Das Risiko, mit dem Geburtsgewicht unter das 10. Perzentil zu rutschen, stieg insbesondere bei einer täglichen Jodzufuhr von unter 100 µg deutlich an. Über 150 µg pro Tag kam es zu einer Plateaubildung. Die Einnahme jodhaltiger Präparate ließ im Mittel das Geburtsgewicht steigen. Bei langfristiger Einnahme mit Beginn bereits vor der Schwangerschaft entsprach der Effekt einem Plus von 0,05 SD oder 22 g bei termingerecht geborenen Babys.

Eine unzureichende Jodaufnahme über Nahrungsmittel war ferner mit einem erhöhten Präeklampsierisiko assoziiert: Bei 75 µg pro Tag stieg dieses gegenüber der Referenzgruppe (täglich 100 µg) um 14 %; bei 50 µg um 40 %. Auch Frühgeburten traten unter diesen Umständen häufiger auf (adjustierte Odds Ratio [aOR]: 1,10 bzw. 1,28). Der Einsatz von Supplementen machte sich im Hinblick auf Präeklampsien ebenfalls deutlich bemerkbar. Das entsprechende Risiko sank bei langfristiger Einnahme um 15 %.

Fazit: Eine unzureichende Jodzufuhr in der Schwangerschaft erhöht die Gefahr von geringem Geburtsgewicht und Präeklampsie. Unterhalb von etwa 100−150 µg pro Tag drohen schädliche Effekte, oberhalb dieses Werts stellt sich ein Plateau ein.

Abel MH et al. Insufficient maternal iodine intake is associated with subfecundity, reduced foetal growth, and adverse pregnancy outcomes in the Norwegian Mother, Father and Child Cohort Study. BMC Medicine 2020;18:211