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So wirken sich orale Kontrazeptiva auf das Krebsrisiko aus

Der Frage, ob hormonelle Kontrazeptiva das Brustkrebsrisiko beeinflussen, ging eine prospektive dänische Registerauswertung nach, in der 1,8 Millionen Frauen ohne Krebs in der Vorgeschichte über einen Zeitraum von durchschnittlich 10,9 Jahren beobachtet wurden [Morch LS et al. N Engl J Med 2017; 377: 2228–39]. Es traten 11.517 Brustkrebsfälle auf. Das relative Risiko (RR) bei gegenwärtigen und früheren Nutzerinnen hormoneller Kontrazeptiva lag im Vergleich zu Frauen, die solche nie angewendet hatten, bei 1,20. Das relative Risiko betrug 1,09 bei Anwendung unter einem Jahr und 1,38 bei einer Dauer von zehn Jahren.

Bei einer Anwendung von über fünf Jahren war das Risiko auch nach dem Absetzen noch erhöht. Die Brustkrebsdiagnosen stiegen um 13 Fälle pro 100.000 Personenjahre und etwa ein zusätzliches Mammakarzinom pro 7.690 Frauen an, die hormonelle Kontrazeptiva nutzten. Allerdings wurde an der Studie kritisiert, dass es keine Angaben zur Mortalität gab und auch das Alter bei der ersten Geburt nicht berücksichtigt wurde, berichtete Prof. Ariane Germeyer, Heidelberg.

In einer Fall-Kontroll-Studie mit 4.748 Brustkrebs-Patientinnen zeigte sich unter oralen Kontrazeptiva über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren ein Trend zur Risikoerhöhung der Brustkrebsinzidenz, jedoch nicht in Bezug auf Her2-positive und Her2-positive Luminal-B-Tumoren [Ellingjord-Dale M et al. Breast Cancer Res 2017; 19: 10]. Bei Anwendung eines Intrauterin-Pessars über mehr als zehn Jahre fand sich eine leichte Risikosenkung für Luminal-B-Subtypen bei erhöhter Rate an Luminal-A-Subtypen.

In einer aktuellen US-amerikanischen prospektiven Populationsstudie [3] wurde unter der Einnahme oraler Kontrazeptiva eine Risikoreduktion bezüglich Ovarialkarzinome beobachtet, die sich mit der Dauer der Pilleneinnahme verstärkte (HR 0,6 bei Einnahme über zehn Jahre) und zwar unabhängig von weiteren Risikofaktoren [Michels KA et al. JAMA Oncol 2018; 4: 516–21]. Ähnlich sank auch das Risiko für Endometriumkarzinome mit der Dauer der Einnahme, allerdings am ausgeprägtesten bei Raucherinnen, bei adipösen Frauen und bei reduzierter Bewegung, so Germeyer.

Eine weitere Studie untersuchte die Auswirkungen einer Einnahme oraler Kontrazeptiva bei 46.000 Frauen über einen Zeitraum von 44 Jahren [Iversen L et al. Am J Obstet Gynecol 2017; 216: 580–1]. War jemals die Pille eingenommen worden, war das Risiko für kolorektale Karzinome, Endometriumkarzinome, Ovarialkarzinome sowie lymphatische und hämatologische Krebserkrankungen reduziert. Das erhöhte Risiko für Brust- und Zervixkarzinome verlor sich etwa fünf Jahre nach Ende der oralen Kontrazeption wieder. Die meisten Frauen, die orale Kontrazeptiva einnehmen, setzen sich somit langfristig keinem erhöhten Krebsrisiko aus, so Germeyer. Viele Frauen profitieren dagegen von einer anhaltenden Reduktion des Risikos für manche Krebsformen.

Literatur

  1. Präsentation „Hormone und Brustkrebs: Zurück in die Zukunft!“

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Bauer-Delto, A. So wirken sich orale Kontrazeptiva auf das Krebsrisiko aus. gynäkologie + geburtshilfe 23, 51 (2018). https://doi.org/10.1007/s15013-018-1475-1

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