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gynäkologie + geburtshilfe

, Volume 23, Issue 2, pp 12–12 | Cite as

Bei Chlamydien und Gonokokken immer auch einen Rektalabstrich veranlassen

  • Tino F. Schwarz
Literatur kompakt
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Chlamydien und Gonokokken verursachen nicht nur genitale, sondern auch rektale Infektionen. Wird nur ein genitaler Abstrich untersucht, würden knapp 50 % der Infektionen unerkannt bleiben. Eine häufige Ursache für rektale Chlamydien- und Gonokokken-Infektionen bei Frauen ist Analverkehr.

In der Rubrik „Literatur kompakt“ werden die wichtigsten Originalarbeiten aus der internationalen Fachliteratur referiert.

© Mehmet Dilsiz / Fotolia.com

Infektionen mit Chlamydia trachomatis (CT) und Neisseria gonorrhoeae sind die zwei häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen (STD) in den USA. Im Jahr 2015 wurden 1,5 Millionen Chlamydien-Infektionen, von den 70 % bei Frauen auftraten, registriert. Von den gemeldeten 400.000 Gonorrhö-Fällen betrafen 45 % Frauen. In den USA wird ein jährliches Screening auf CT und Gonokokken bei sexuell aktiven Frauen ≤ 24 Jahren, Schwangeren sowie älteren Frauen mit erhöhtem Risiko für eine STD mittels einer Nukleinsäureamplifikationsmethode empfohlen. Hierzu wird in der Regel nur ein vaginaler oder endozervikaler Abstrich untersucht. In einer aktuellen nationalen Umfrage gaben 35,9 % der Frauen im Alter von 18–44 Jahren in den USA an, Analverkehr praktiziert zu haben. Auch durch Analverkehr können CT und Gonokokken bei Frauen übertragen werden. Allerdings wird nur bei 0,1 % der Frauen ein Rektabstrich auf CT und Gonokokken untersucht.

Gonokokken bleiben ohne Rektalabstrich oft unerkannt.

© CDC / James Archer

Um die Häufigkeit rektaler CT- und Gonokokken-Infektionen abzuschätzen, wurden Laborergebnisse eines großen Zentrallabors ausgewertet. Von 5.499 Frauen mit rektalen Abstrichen, die auf CT und Gonokokken untersucht wurden, fand sich bei 10,8 % ein positives Ergebnis. Bei 80 % dieser Patientinnen wurden zudem ein genitaler sowie ein pharyngealer Abstrich auf die beiden Erreger untersucht. Bei 40 % wurde neben dem rektaler nur ein pharyngealer Abstrich untersucht. Bei Frauen mit einem positiven rektalen Befund waren die Erreger auch im genitalen Abstrich nachweisbar. Wäre allerdings nur ein genitaler Abstrich untersucht worden, hätte man 46,5 % der rektalen Infektionen nicht entdeckt. Bei 34,2 % ließen sich die Erreger auch im pharyngealen Abstrich detektieren. Ein empfohlener Kontrollabstrich innerhalb von zwölf Monaten wurde nur bei 20,0 % veranlasst. 17,7 % der durchgeführten Kontrollabstriche waren erneut oder weiterhin positiv. Es zeigte sich, dass rektale Abstriche auf CT und Gonokokken nicht regelhaft durchgeführt werden. Des Weiteren ergab die Studie, dass trotz negativen Befundes im Genitalabstrich eine rektale CT- oder Gonokokken-Infektion vorliegen kann.

Kommentar

Die Studie belegt zum einen die hohe Bedeutung dieser beiden STDs bei sexuell aktiven Frauen in den USA. Wegen der fehlenden Meldepflicht stehen keine vergleichbaren Zahlen für Deutschland zur Verfügung. Von großer Bedeutung ist, dass zum Ausschluss einer CT- oder Gonokokken-Infektion immer neben dem Genital- auch ein Rektalabstrich bei Frauen erfolgen sollte.

Prof. Tino F. Schwarz

Literatur

  1. Tao G et al. Infrequent testing of women for rectal chlamydia and gonorrhea in the United States. J Infect Dis 2018; 66: 570–6Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Tino F. Schwarz
    • 1
  1. 1.Institut für Labormedizin und ImpfzentrumKlinikum Würzburg Mitte Standort JuliusspitalWürzburgDeutschland

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