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gynäkologie + geburtshilfe

, Volume 22, Issue 1, pp 17–17 | Cite as

Kontralaterale Mastektomie: Chirurg des Vertrauens ist richtungsweisend

  • Robert Bublak
Literatur kompakt
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Frauen mit unilateralem Brustkrebs, die von ihrem Operateur entsprechend beraten werden, entschließen sich nur selten zu einer vorbeugenden Mastektomie der kontralateralen Brust.

Ein Forscherteam um Reshma Jagsi von der University of Michigan in Ann Arbor hat die Ergebnisse einer Studie zur prophylaktischen kontralateralen Mastektomie vorgelegt. Die Wissenschaftler hatten mehr als 2.000 Frauen, die neu an einem einseitigen Mammakarzinom der Stadien 0, I oder II erkrankt waren, nach ihren Motiven, ihrem Wissen und ihrer Entscheidung mit Blick auf die vorbeugende Entfernung der gesunden Brust befragt. Rund 62 % von ihnen unterzogen sich schließlich einer brusterhaltenden Operation der erkrankten Seite, 21 % einer unilateralen Mastektomie, und 17 % ließen auch eine kontralaterale Mastektomie vornehmen. Überragendes Motiv dafür war es, innere Ruhe zu finden, was 96 % der betreffenden Patientinnen äußerten.

44 % der Frauen hatten über eine solche prophylaktische Operation nachgedacht, 25 % sogar eingehend oder sehr eingehend. Dass die Maßnahme nicht unbedingt zu einem längeren Leben beiträgt, wussten aber nur 38 %. Zu den Frauen, die sich zur prophylaktischen Mastektomie entschlossen, zählten unter anderem jüngere und Frauen mit höherem Bildungsstand und entsprechender Familienanamnese.

Bei rund 1.600 Frauen der untersuchten Gruppe lagen keine identifizierbare Mutation und kein hohes genetisches Risiko vor. Von ihnen berichteten 39 %, ihr Chirurg habe ihnen von einer prophylaktischen Brustentfernung abgeraten; 2 % der so beratenen Frauen ließen einen solchen Eingriff vornehmen. Unter den Frauen, deren Operateur ihnen keinen Ratschlag dafür oder dagegen gegeben hatte, lag die Rate prophylaktischer Mastektomien bei 19 %.

Der Anteil von Patientinnen, die sich ohne klinische Indikation einer prophylaktischen kontralateralen Mastektomie unterzögen, sei „alarmierend hoch“, konstatieren die Autoren. „Wird den Patientinnen chirurgischerseits davon abgeraten, liegt der Anteil hingegen niedrig.“ Um eine potenzielle Übertherapie zu vermeiden, sei eine verbesserte Kommunikation zwischen Patientinnen und Ärzten über die prophylaktische Brustentfernung nötig.

Literatur

  1. Jagsi R et al. Contralateral Prophylactic Mastectomy Decisions in a Population-Based Sample of Patients With Early-Stage Breast Cancer. JAMA Surg 2016, online 21. Dezember; doi: 10.1001/jamasurg.2016.4749Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin 2017

Authors and Affiliations

  • Robert Bublak
    • 1
  1. 1.

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