hautnah dermatologie

, Volume 34, Issue 2, pp 16–16 | Cite as

Placebo- und Noceboeffekte in der Dermatologie — Beispiel Pruritus

  • Sebastian Lux
Im Blickpunkt
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Auch in der Dermatologie nimmt die Evidenz für den Einfluss von Placebo- und Noceboeffekten zu. Im Mittelpunkt der Foschung steht dabei der Pruritus [Übersicht in 11]. Juckreiz ist in hohem Maße suggestiv. In vielen Studien konnte gezeigt werden, dass sich Menschen und Tiere zu kratzen beginnen, sobald sie jemand anderes sehen, der sich kratzt. In einer Studie konnten Noceboeffekte induziert werden, indem Studienteilnehmer suggeriert wurde, dass durch einen Stimulus in der Regel ein hoher Juckreiz ausgelöst werde.

Umgekehrt lässt sich der Placoboeffekt mit einer Pawlowschen Konditionierung zu Nutze machen: Allergiker, die zur Bekämpfung ihrer Symptomatik sowohl Antihistaminika als auch ein spezielles Getränk bekamen, hatten später bei Einnahme des Getränks sowohl eine subjektiv wesentlich geringere Symptomatik als auch kleinere Quaddeln im Hauttest.

In der Übersicht werden vier Konsequenzen formuliert, die sich in der Dermatologie aus dem aktuellen Forschungsstand ergeben [11]:
  1. 1.

    Hautärzte und ihre Patienten müssen sich bewusst machen, dass Wirkungen und Nebenwirkungen zu einem bestimmten Teil mit ihren Erwartungen an die Therapie zusammenhängen.

     
  2. 2.

    Schon in Studiendesigns sollte mögliche Placeboeffekte in höchstmöglichem Maße berücksichtigt werden. Neben Verum- und Placebobehandlung sollte auch eine dritte Gruppe in Erwägung gezogen werden: gar keine Intervention.

     
  3. 3.

    Dermatologen können lernen, Noceboeffekte zu vermeiden.

     
  4. 4.

    Pharmaunternehmen, Krankenversicherungen und ähnliche Player im Gesundheitswesen sollten sich bewusst machen, dass sich mithilfe des Placeboeffekts Wirkungen verstärken, Nebenwirkungen mildern und Kosten senken lassen.

     

© Kaspars Grinvalds / Fotolia (Symbolbild mit Fotomodell)

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Authors and Affiliations

  • Sebastian Lux
    • 1
  1. 1.

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