Am 7. Mai 2022 wurde im Rahmen des 34. Allergie-Kolloquiums "Update Allergologie" am Forschungszentrum Borstel der Kanert-Preis der Deutschen Stiftung für Allergieforschung vergeben. Die Auszeichnung erhielt in diesem Jahr Prof. Regina Treudler.

Im Jahr 1993 wurde der Kanert-Preis für Allergieforschung vom privaten Stifter Horst Kanert gegründet. Seither wird er in der Regel alle zwei Jahre an ein Projekt verliehen, das sich auf dem Boden bisheriger wissenschaflicher Arbeiten in die Zukunft richtet. Das Besondere an diesem Preis der Deutschen Stiftung für Allergieforschung ist, dass er für eine Projektidee vergeben wird.

Preisverleihung in Borstel

Die Preisverleihung fand im Rahmen eines hochkarätigen Symposiums statt, das Prof. Uta Jappe, Borstel, meisterhaft zusammengestellt hatte. Ausgezeichnet wurde in diesem Jahr Prof. Regina Treudler, Leipzig. Vorher gab es noch eine kurze Einführung durch Prof. Ulrich Schaible, den Vorsitzenden des Forschungszentrums Borstel. Zudem erläuterte Horst Kanert per Videoschaltung die Grundidee seiner Stiftung, die bis jetzt circa 200.000 € an Preisgeldern ausgeschüttet hat. Direkt im Anschluss stellte der Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung, Prof. Johannes Ring, München, die diesjährige Preisträgerin vor, die in einer stolzen Tradition bisheriger Preisträger seit 1995 steht. Zuletzt waren dies im Jahr 2018 Prof. Uta Jappe, und Prof. Wolfgang Pfützner, Marburg, sowie 2020 Prof. Stefan Martin, Freiburg.

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© Ring, J.

Preisverleihung beim Allergie-Kolloquium im Forschungsinstitut Borstel im Mai 2022 mit (von links) Prof. Ulrich Schaible, Prof. Uta Jappe, Prof. Regina Treudler und Prof. Johannes Ring.

Ausgezeichnetes Forschungsprojekt

Prof. Regina Treudler ist Leiterin des Leipziger Interdisziplinären Centrums für Allergologie. Sie hatte sich mit dem Projekt "Speicheldiagnostik bei Nahrungsmittelallergie (SADIFA)" um den Preis beworben. Aufbauend auf einer langjährigen wissenschaftlichen Tätigkeit ihrer Arbeitsgruppe auf dem Gebiet der Nahrungsmittelallergien soll bei diesem Projekt in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie in Leipzig sowie dem Institute of Analytical Sciences in Lyon erforscht werden, inwieweit es möglich ist, nicht invasiv diagnostische Informationen bei Nahrungsmittelallergien zu gewinnen. Dabei stehen die methodologischen Ansätze ganz im Vordergrund. Zunächst sollen standardisiert die Abnahme und Probenzubereitung von Speichelproben bei klinisch genau charakterisierten Patient*innen mit Nahrungsmittelallergien studiert werden. Dabei werden nicht nur die Abnahmetechnik untersucht, sondern auch Tagesschwankungen, die Reproduzierbarkeit sowie der Vergleich zwischen Speichel- und Plasmaproben. Die Ergebnisse werden in Beziehung zur gesamten klinischen Situation gesetzt. Im Speichel werden Nahrungsmittel-spezifische Immunglobuline (Ig) verschiedener Klassen (IgA, IgE, IgG) untersucht und das auch unter Erfassung von Epitop-Mapping. Einflüsse der Umwelt, wie zum Beispiel Jahreszeit und Pollenflug, werden - im Hinblick auf eventuelle Kreuzreaktionen zwischen Nahrungsmitteln und Pollen - ebenfalls untersucht. Die diagnostischen Wertigkeiten werden anhand einer kontrollierten oralen Provokationstestung evaluiert. Treudler führte aus, dass sie aus den Untersuchungen möglicherweise neue, wesentlich weniger eingreifende Ansätze zur Diagnostik von Nahrungsmittelallergien erwarte.

Die Überreichung von Urkunde und Scheck erfolgte anlässlich eines Besuchs der Preisträgerin und des Kuratoriumsvorsitzenden durch das Stifterehepaar in Köln.