Anaphylaktische Reaktion: Herz-Kreislauf-System in Echtzeit beobachtet

Bei schweren anaphylaktischen Reaktionen kann bereits das Aufrichten des Oberkörpers fatale Konsequenzen haben. Die zugrunde liegenden kardiovaskulären Veränderungen wurden jetzt im Rahmen einer klinischen Provokationsstudie mit Erdnussallergikern untersucht.

Ein internationales Wissenschaftlerteam hat im Rahmen von oralen Provokationstests bei 57 Erdnussallergikern untersucht, wie sich wichtige kardiovaskuläre Parameter während einer sich entwickelnden anaphylaktischen Reaktion verändern.

Bei 22 (39 %) der Teilnehmer trat während der Provokation eine anaphylaktische Reaktion auf. Während der Episode sank - unabhängig von der Schwere der Reaktion - das mittlere Schlagvolumen signifikant um 4,2 % (95 %-Konfidenzintervall [KI]: 0,8-7,6, p = 0,03), die mittlere Herzrate stieg hochsignifikant um 11,6 % (95 %-KI: 8,4-14,8, p < 0,0001) ebenso wie der periphere Blutfluss um 19,7 % (95 %-KI: 10,8-28,6, p < 0,0001). Die Ergebnisse ließen sich bei einer wiederholten Provokation von 26 Teilnehmern reproduzieren. Eine intravenöse Flüssigkeitssubstitution normalisierte die Befunde und führte zusätzlich auch zu einem rascheren Sistieren von begleitenden abdominellen Symptomen.

Der Rückgang beim Schlagvolumen verbunden mit einem gesteigerten peripheren Blutfluss ist wahrscheinlich auf eine Flüssigkeitsumverteilung aus dem Zentralkreislauf in die Gefäßbetten der Eingeweide zurückzuführen, diskutieren die Autoren. Dafür sprechen sowohl das gleichzeitige Auftreten von abdominellen Beschwerden während der Provokation als auch das Ausbleiben einer peripheren Ödembildung. Möglicherweise trägt auch eine allergeninduzierte Splanchnikus-vermittelte Venendilatation zur Absenkung des Schlagvolumens bei.

Fazit: Während einer anaphylaktischen Reaktion bei Erdnussallergikern zeigen sich - unabhängig von der Symptomschwere - deutliche Änderungen bei kardiovaskulären Parametern wie Abnahme des Schlagvolumens und eine Flüssigkeitsumverteilung - möglicherweise in Richtung Gefäßbett der Eingeweide. Die Beobachtungen stützen die Durchführung von Maßnahmen wie Schocklagerung, Adrenalin i. v. und auch Flüssigkeitssubstitution schon bei leichterer Symptomatik.

Ruiz-Garcia M et al. Cardiovascular changes during peanut-induced allergic reactions in human subjects. J Allergy Clin Immunol 2021; 147:633-42

Author information

Affiliations

Authors

Corresponding author

Correspondence to Dr. Barbara Kreutzkamp.

Rights and permissions

Reprints and Permissions

About this article

Verify currency and authenticity via CrossMark

Cite this article

Kreutzkamp, B. Anaphylaktische Reaktion: Herz-Kreislauf-System in Echtzeit beobachtet. Allergo J 30, 12 (2021). https://doi.org/10.1007/s15007-021-4814-9

Download citation