Allergoid-Immuntherapie funktioniert auch intradermal

Die intradermale Allergenapplikation im Rahmen einer spezifischen Immuntherapie beschränkt sich bislang auf experimentelle Behandlungsversuche. In einer randomisierten Studie wurden nun erstmalig die Wirksamkeit und die Verträglichkeit einer intrakutanen Gräserpollen-Allergoid-Vakzinierung untersucht.

In der täglichen Praxis werden Allegene in der allergenspezifischen Immuntherapie (AIT) subkutan oder sublingual appliziert. Die intrakutane Gabe - bei vielen Impfungen der übliche Weg - wird bei der AIT bisher nur experimentell genutzt. Erste Studien zeigen, dass die Immunantwort nach einer Intrakutan-AIT mit vergleichsweise niedrigen Allergendosen mit der einer subkutanen Gabe vergleichbar ist. Allerdings lieferten kleinere klinische Studien bisher widersprüchliche Ergebnisse.

Nun wurde ein erneuter Studienversuch mit einem niedrig dosierten glutaraldehydpolymerisierten Phleum-pratense-Allergoid unternommen. Einbezogen in die randomisierte doppelblinde Multicenterstudie waren 148 Gräserpollenallergiker zwischen 13 und 59 Jahren mit mäßiger Symptomatik an Nase und Augen. Sie erhielten präsaisonal über sechs Wochen Placebo, 0,03 µg oder 0,06 µg Phleum-pratense-Allergoid einmal wöchentlich jeweils intrakutan. Primäres Zielkriterium war der kombinierte Score aus Gesamtsymptomatik und Verbrauch an Bedarfsmedikamenten während der ersten Pollensaison.

Bei den Wirksamkeitsparametern schnitt die 0,6-µg-Dosis besser ab als die niedrigere Dosis und reduzierte in der ersten Gräserpollensaison den kombinierten Symptom-Medikations-Score signifikant um 23 % im Vergleich zu Placebo. Auch bei sekundären Endpunkten wie symptomfreie Tage, steigende Toleranz im Konjunktivitisprovokationstest nach der ersten Pollensaison war die 0,6-µg-Dosis der Placebogabe überlegen. In dieser Gruppe sank auch der Titer von spezifischem IgE nach der zweiten Pollensaison im Vergleich zu den Ausgangswerten ab, bei den IgG4-Spiegeln ergaben sich keine auffälligen Veränderungen. Die meisten Nebenwirkungen waren lokal und mild, systemische Nebenwirkungen waren sehr selten und traten in vergleichbarer Häufigkeit über alle Studiengruppen auf.

Fazit: Die intradermale Gabe von sechsmal 0,6 µg eines glutaraldehydpolymerisierten Phleum-pratense-Allergoids reduziert den kombinierten Symptom-Medikations-Score während der Gräserpollensaison um 23 % gegenüber Placebo.

Martinez FJS et al. Intradermal Phleum pratense allergoid immunotherapy. Double-blind, randomized, placebo-controlled trial. Clin Exp Allergy 2020;50:1352-61

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Correspondence to Dr. rer. nat. Barbara Kreutzkamp.

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Kreutzkamp, B. Allergoid-Immuntherapie funktioniert auch intradermal. Allergo J 30, 12 (2021). https://doi.org/10.1007/s15007-021-4767-z

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