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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 161, Issue 7, pp 12–12 | Cite as

Patient mit Krebserkrankung

Auch Angehörige leiden, aber anders

  • Peter Stiefelhagen
AKTUELLE MEDIZIN . REPORT
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Der Umgang mit dem Sterben oder Tod ist aus psychoonkologischer Sicht auch für Angehörige eine große Belastung. Auch sie brauchen Unterstützung durch den Hausarzt.

_ „Angehörige von Tumorpatienten sind genauso belastet wie der Patient selbst“, erläuterte Dr. Imad Maatouk von der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg. Es bestehe aber nur eine geringe Korrelation zwischen der Belastung des Patienten und jener der Angehörige. Das Ausmaß der Belastung wird in erster Linie durch die Nähe zum Patienten, das Stadium der Krankheit, aber auch durch die Arbeitssituation beeinflusst. „Krebs betrifft die ganze Familie, aber auf völlig unterschiedliche Weise.“ Das Gefühl der Betroffenheit, das Unausweichliche nicht ändern zu können auf der einen Seite und der Wunsch zu helfen, etwas tun zu können auf der anderen Seite induziert Überforderungsgefühle. Diese müssen respektiert und kommuniziert werden.

Unterschiedliche Reaktionen

Die Reaktionen innerhalb der Familie sind vielgestaltig. In den meisten Fällen sind die Angehörigen angesichts der tiefgreifenden Bedrohung durch die Krebserkrankung bemüht, das Gleichgewicht innerhalb der Familie aufrechtzuerhalten. Das kann jedoch über die Belastungsgrenzen gehen. In der Regel rückt die Familie zusammen. „Doch die gegenseitige Schonung kann die Anspannung erhöhen und die Stresstoleranz verringern“, so Maatouk. Dazu komme immer die Angst vor weiteren Belastungen und Bedrohungen.

Schweres Schicksal — für beide!

© AndreaObzerova / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodellen)

Wie kann der Hausarzt helfen?

Wichtig ist es deshalb, dass die Angehörigen bei der Aufklärung und den Therapieentscheidungen miteinbezogen werden. Auch muss die familiäre Belastung vom Hausarzt wahrgenommen und thematisiert werden. Die Angehörigen sollten in ihrer schwierigen Rolle Wertschätzung erfahren. Man sollte ihnen auch negative Gefühle wie Ärger oder Unzufriedenheit zugestehen und sie zur Selbstfürsorge ermutigen. Dazu gehören Entspannung und Ablenkung ebenso wie ein Austausch mit anderen Angehörigen. „Alle zur Verfügung stehenden Ressourcen sollten genutzt werden“, betonte Maatouk.

Sexualität nicht ausklammern!

Auch die Sexualität sollte bei Tumorpatienten kein Tabuthema sein. Dabei stellt sich die Frage, welche Bedeutung diese angesichts der existenziellen Bedrohung durch eine bösartige Erkrankung überhaupt noch hat. Am Anfang lässt die Konzentration auf die notwendige Therapie das Thema „Sexualität“ sicherlich in den Hintergrund treten. Doch mit der Rückkehr in den Lebensalltag werden krankheits- und therapiebedingte Beeinträchtigungen der Sexualität schon zu einem wichtigen Thema.

Viele Paare schaffen es allerdings nicht, über dieses Thema zu sprechen, auch weil viele das nie gelernt haben. So entwickelt sich eine negative Kommunikationsspirale mit Rückzug und Rücksichtsnahme. Beim Patienten entsteht dann zunehmend das Gefühl, abgelehnt zu werden, und er stellt sich die quälende Frage: Bin ich überhaupt noch attraktiv?

Darüber reden!

„Es ist wichtig und entspricht auch dem Wunsch der meisten Patienten, dass der Arzt all diese Themen offen und konkret anspricht“, so Maatouk. Doch bei einer Befragung gaben 84% der Angehörigen an, dass nie ein Arzt mit ihnen im Verlauf der Krebserkrankung über ihre seelischen oder sozialen Belastungen gesprochen habe.

Literatur

  1. 54. Ärztekongress, 25.1.2018 in StuttgartGoogle Scholar

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© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Peter Stiefelhagen
    • 1
  1. 1.

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