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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 160, Issue 11, pp 25–25 | Cite as

Mit St. Bürokratius ein Taxi organisieren

  • Dieter Jung
AUS DER PRAXIS WAS MMW-LESER ERLEBEN

_ Ein alter Herr hatte sich den Fuß gebrochen und war aus dem Krankenhaus mit einem Gips entlassen worden. Nun sollte er zur notwendigen ambulanten Nachkontrolle in die Klinik fahren, die ungefähr 2 km weit entfernt lag. Da er mittellos war, bat er mich um einen Taxischein.

Nun hatte ich das zweifelhafte Glück, einmal zu erleben, wie gut und präzise diese Vorgänge vergewaltigt, pardon: verwaltet werden. Wir schrieben also zunächst den blauen Zettel für den Krankentransport mit dem Taxi. Freundlicherweise ging ich selbst höchstpersönlich zur Kasse, um diesen genehmigen zu lassen.

Dort aber wurde mein Elan jäh gebremst. „So einfach geht das nicht“, erfuhr ich. Der Patient müsse zunächst einen Unfallfragebogen ausfüllen, woraufhin ein Antrag auf Kostenübernahme an den MDK zu stellen sei. Der MDK wiederum würde sich mit eine Anfrage an mich wenden, auf dass ich den Vorgang aus meiner ärztlichen Sicht schildere. Sodann könne der MDK den Antrag genehmigen und dies im nächsten Schritt auch der Krankenkasse des Patienten mitteilen.

An diesem Punkt könnte man davon ausgehen, dass die Kasse die Fahrt erstatten könnte — doch weit gefehlt! Als nächstes, so stellte sich heraus, schickt dann die Kasse einen Fragebogen an den Patienten, um erst einmal zu eruieren wie der Unfall aus seiner Sicht überhaupt passiert ist. Zusätzlich stellt sie schriftlich die Frage, ob der Patient bereit sei, die 5 Euro Selbstbeteiligungskosten pro Fahrt zu zahlen. Erst dann wird die Bescheinigung ausgestellt.

Selbstverständlich kann die aber erst vom Taxiunternehmen abgerechnet werden, wenn das Krankenhaus abgestempelt hat, von wann bis wann der Patient da war.

Unterm Strich bleibt dem Patienten ein Gewinn von 3 Euro pro Fahrt. Dafür ist aber eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für drei oder vier Menschen über mindestens drei bis vier Stunden kreiert worden. Und nebenbei wurde auch noch seitenweise Papier bedruckt. St. Bürokratius lässt grüßen!

„Entschuldigung, der Doktor ist gerade mit einem Antrag beschäftigt ...“

© sturti / Getty Images / iStock

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Authors and Affiliations

  • Dieter Jung
    • 1
  1. 1.HeidelbergDeutschland

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